Versya

Mein schräges Leben

Autor: Versya (Seite 1 von 27)

Durchs wilde Masuristan, Anreise Wima Rally 2017, Tag 4

Masuren hat mich gestern schwer begeistert, die Landschaft und die kleinen Wege waren angenehm zu fahren. Zumindest bei Su und mir, da mit der Versys ein Fahren im Stehen sehr gut funktioniert. 🙂  Außerdem sieht frau gleich mehr von der Gegend , und die ist tatsächlich sehr reizvoll. Ein wenig erinnert sie an das Waldviertel, nur mit noch mehr Seen, alten Alleen und noch weniger Leuten.  Also in Summe fast gleich 😉
Renate ist mit der hart gefederten Duke und dem hartem Sitz da wohl ein wenig  anderer Meinung, und muss daher immer wieder ein wenig vom Gas gehen. Aber auch ihr hat die Gegend sehr gut gefallen.
Damit war es nach einer kurzen Abstimmungsrunde für uns klar, wir fahren nicht direkt von hier via Suwalki nach Litauen, sondern wir drehen eine Extrarunde.

Da gerade die großen Seen vor Gizycko durch den gestrigen Starkregen nur grau in grau zu sehen waren, haben wir beschlossen einfach eine Spirale zur Litauischen Grenze zu machen. Dadurch wird zwar der Weg nach Marijampole etwas länger als geplant, ist aber unter normalen Verhältnissen immer noch leicht zu schaffen.
Wir stehen daher zeitig auf und freuen uns über das schöne Wetter draußen, vielleicht wird es wieder ein warmer, sonniger Tag für uns?

Zuerst gibt es das Frühstück, das wieder einmal in Form eines riesigen Buffets im EG des Hotels vor uns ausgebreitet ist. Das dürfte wohl eine polnische Spezialität sein.
Diese überdimensionalen Buffets, mit Schwerpunkt deftig, sind eine wunderbare Gelegenheit sich für den ganzen Tag anzuessen.
Und so kommen wir immer mit einem kleinen Pausensnack am Weg über den Tag.

Das Personal des Hotels ist seit unserer Ankunft sehr freundlich und zuvorkommend. Umso irritierender ist es dann eine empörte deutsche Pensionistin bei der Rezeption zu hören, die sich lautstark darüber beschwert, dass ihre Handtücher von gestern Abend noch nicht getauscht sind. Und jetzt schon mit der Chefin sprechen will, die natürlich ihr deutsch nicht versteht 😉

Ich wundere mich, warum manche unserer lieben Sprachverwandten das noch immer nicht kapiert haben:
Deutsche Mentalität ist nur in Deutschland – und eventuell noch in den USA – existent. Alle anderen Länder haben eine nationale Kultur, die kompatibel sein kann, aber nicht muss.
Der schönste Satz ist immer: „Bei uns in Deutschland machen wir das so…/wäre das nicht möglich……“ omg,  warum fährt man/frau dann ins Ausland?

Aber zurück zu etwas erfreulicherem, unserer Tour.
Nach dem Frühstück verwandeln wir uns wieder in Motorradfahrerinnen, beladen unsere Motorräder und fahren aus den Hof hinaus, um von dort zuerst nach Süden in Richtung Orzysz zu fahren. So wie gestern, führt uns die kurvige Straße hügelauf und -ab durch die gemischte Landschaft aus Feldern, Wälder und Seen. Immer wieder können wir dabei einen Blick auf einen kleinen Teich erhaschen.

Danach umfahren wir den großen See im Süden (Sniardwy) auf den relativ kleinen Straßen, mit immer wieder auftauchenden Gutshöfen am Weg, und auch die alten Alleen sind wieder da. Dann geht es wieder nach Norden über Mikolajki nach Ryn, und weiter bis kurz vor Ketryzn.

Damit würde sich der Kreis mit unserer gestrigen Tour schließen. Wir aber fahren neugierig weiter nach Norden durch Wegorzewo. Wir hatten eigentlich gehofft, dass auch Bauten aus der Vergangenheit zu sehen wären, aber leider war die Stadt nur farblos und lag öde vor uns. Daher ging es gleich wieder weiter nach Goldap, das schon an der Grenze zur russ. Enklave Kaliningrad liegt.
Die Stadt ist wunderhübsch und liegt eingebettet in die Hügel der Landschaft.
Warum sind wir eigentlich gerade hier? Natürlich, zuallererst, weil wir zur Wima Rally nach Estland wollen, natürlich auch, weil wir mittlerweile so viele Ecken und Winkel wie möglich von Masuren kennen lernen wollen, aber auch, weil wir für uns – unplanmäßig –beschlossen haben, die Enklave möglichst nahe komplett zu umrunden.  Die Idee entstand eigentlich mit unserem „Ausflug“ auf die polnische Nehrung. Da wir dort schon bis zum Anschlag gefahren sind, kam uns diese „verrückte“ Idee. Einen Reservetag haben wir ja in Summe eingeplant, also warum nicht mit einer kleinen Herausforderung füllen?

Dazu gehört natürlich auch der Besuch des Dreiländereck Litauen, Polen und Kaliningrad und das liegt am Ende eines Naturparks (Krajobrazowy Puszczy Rominckie), der entlang der Grenze verläuft. Daher folgen wir nun der kleinen Landstraße durch den Naturpark entlang des Grenzgebiets zu Russland, um unerwartet, kurz vor Stańczyki, den imposanten Bahn-Viadukt auftauchen zu sehen. Da die Wettersituation mittlerweile wieder etwas launisch ausschaut, verzichten wir auf den Schlenker und betrachten ihn nur aus der Ferne, um gleich weiter zu fahren.

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Kaum sind wir aus dem Wald draußen taucht der hübsch hergerichtete Grenzstein vor uns auf.

Etliche Fahrzeuge parken auf den Abstellflächen vor Ort. Wie wollen lieber weiter und so setzen wir unsere Fahrt fort.
Ganz kleine Wege führen uns schließlich über einen unscheinbaren Grenzübergang nach Litauen. Allein das Grenzschild steht verlassen in der Gegend herum und so nutzen wir die Ruhe vor Ort um ein kleines Fotoshooting zu veranstalten. Damit haben wir das große Polen zuerst von Süd nach Nord und dann nach West durchquert. Bis zu unserer Heimreise sind wir jetzt ausschließlich im Baltikum unterwegs!
Die landschaftlichen Veränderungen der letzten Tage waren vielfältig, und wir sind gespannt, ob in Litauen nun wieder alles anders ist?

Vom Grenzübergang geht es weiter nach Norden in Richtung Vilkaviskis und von dort nach Marijampole, da Renates Duke wieder einen Tankstop dringend benötigt und bisher keine Tankstelle zu finden war. Ich habe zwar einen Tankschlauch mit, dass heißt wir könnten ihr jederzeit aus dem Versys Tank Benzinhilfe geben, aber auf fremden Territorium bevorzugen wir doch das rechtzeitige tanken. Und, die Pausen sind ebenfalls eine willkommene Abwechslung von unserem „Kilometer fressen“  😉
Die Suche nach Benzin führt uns beinahe wieder aus Marijampole hinaus, als wir endlich auf eine geräumige Tankstelle stoßen. Die Maschinen werden von uns aufgetankt und gerade, als wir sie auf die Seite schieben, damit wir auch in Ruhe eine kleine Snackpause machen können, bricht über uns unerwartet die Regenhölle herein. Schnell schieben wir die Maschinen zurück unter das Dach der Tankstelle und verziehen uns selbst in den Verkaufsraum, da der Wind den Regen nur so vor sich hertreibt.

Da wir sowieso Pause machen wollten, nutzen wir die Gelegenheit uns mit Kaffee, Kakao und div. Sandwiches ein wenig aufzufrischen und das schlimmste der Wetterfront abzuwarten, bevor wir uns wieder auf den Weg machen.

Der Regen kommt beharrlich in dichten Wellen und so bleibt uns nichts anderes übrig, als das wirklich schlimmste abzuwarten und uns dann, mit Regenkleidung geschützt, weiter auf unseren Weg nach Kaunas zu machen, wo wir uns gerade online ein nettes Hotelzimmer im Perkuno namai, oberhalb des Stadtzentrums gebucht haben.

Die kurze Fahrt nach Kaunas verläuft anfangs feucht, aber bald hört der Regen mit perfektem Timing auf und so können wir in Ruhe durch das städtische Verkehrschaos treiben, die Regenmontur trocknen und die Aussicht auf die alten Gebäude der Stadt nutzen.
Das Hotel liegt tatsächlich auf einem Berg, der das Stadtzentrum überblickt und hat einen wunderhübschen Garten, der in den Hang gebaut wurde.

Leider hat der Regen für eine massive Abkühlung gesorgt, so bleiben wir lieber im Restaurant und genießen den Ausklang des Tages.
Obwohl es langsam dunkel wird, möchte ich mir aber noch die Beine vertreten und Renate ebenfalls. Daher brechen wir, mit einer rudimentären Karte bewaffnet, auf, um das Stadtzentrum zu erkunden.

Zuerst geht es durch einen Park den Berg hinunter, und dann folgen wir der Fußgängerzone nach Westen.
Am Weg liegen viele interessante Gebäude und Lokale, doch Stück für Stück wird es schon dunkel und die Geschäfte haben zumeist schon zu.

In beinahe voller Dunkelheit kehren wir um und tasten uns im entrischen Dunklen über desolate Stiegen und Wege wieder den Berg hinauf, bis wir wieder auf die beleuchteten Straßen treffen.

Da wir unsere geplante Route – wieder – geändert haben, steht jetzt noch die Routenplanung für morgen auf dem Programm.
Das landschaftlich schöne Memel Tal und dann, falls noch Zeit ist, die Kurische Nehrung? Damit wird es Zeit schlafen zu gehen, denn morgen ist sicherlich wieder ein interessanter Tag.

Wetter:
Sonnig, dann Starkregen, dann wieder bewölkt,
Temperatur moderate 20-25°

Strecke: 385km     Fahrzeit: ca. 7Std

Morgen am Strand, Abend in Masuren, Anreise Wima Rally 2017, Tag 3

Um 8:30 Frühstück!

Diese Nachricht hat uns schon gestern erschüttert. Wie sollen wir denn den Tag nützen, wenn das Frühstück so spät beginnt?

Da wir uns mittlerweile an das frühe Aufstehen gewohnt haben, sind wir natürlich viel zu früh wach.

Ein kurzer Check genügt, um zu testen, ob unser Gewand trocken genug zum Einpacken ist und so verstauen wir alles nicht mehr benötigte in den Taschen.
Aber, da wir die nächsten Stunden! nicht mit Warten auf das Frühstück verbringen wollen, nutzen wir die Zeit bis dahin, um das alte Kahlberg und die Ostseeküste näher zu erkunden.

(In der Pension Lotus gab es am Gang auch viele schwarz weiß Fotos aus der Epoche vor dem 1. Weltkrieg)

Nur ein kleiner Anstieg vom Hotel ist nötig, um den Grat der Nehrung zu erreichen, und dort befindet sich der ursprüngliche Ortskern.

 

Seinen architektonischen Ursprung hat es definitiv in Deutschland. Verbliebene Häuser und das kleine Franziskanerkloster erinnern an diese Vergangenheit sehr nachdrücklich und versetzen uns in eine andere Zeit. Die nachfolgenden Epochen haben erst etwas außerhalb ihre Spuren hinterlassen und sind gemischt, was ihren Bauzustand und architektonische Qualität betrifft. 😉

 

Der alte Ortskern ist relativ klein und so führt uns der weitere Weg die Rampe hinunter zum Sandstrand der Ostseeküste der um diese Tageszeit beinahe leer und verlassen vor uns liegt. Nur ein paar Jogger sind außer uns noch unterwegs.
Der Sand ist noch kühl vom Regen und so ziehen wir uns die Schuhe aus, um ein Stück am Meer entlang zu schlendern. Dazwischen stoßen wir auf eine Sandburg mit Dimensionen, die ganze Personen verschlucken könnten. Renate verschwindet fast in den Mauern. Das Wasser fühlt sich frisch an und lädt so gar nicht zu einem tieferen Eintauchen ein. Dass wir aber trotz allem einen wunderbaren Tag an der Ostsee haben, merken wir erst bei unserer zweiten Begegnung, aber das wissen wir noch nicht.

 

Da Kahlberg (Krynica Morska) auch einen roten Leuchtturm als Wahrzeichen hat, machen wir uns auf die Suche nach ihm. Wir müssen eine Weile die Küstenlinie absuchen bis wir ihn hinter den Baumwipfeln ausmachen können.

Durch einen, größtenteils aus neuen Luxusappartements bestehenden, Ortsteil gehen wir wieder bergauf, und tatsächlich da steht er in seiner ganzen roten Pracht.

Leider ist der Zugang verschlossen, so können wir ihm nur am Fuss umrunden und uns die Aussicht von oben ausmalen. Daneben gibt es auf einer Tafel Erläuterungen zum Turm, aber leider nur auf Polnisch, und damit könnte er auch genauso gut in Keilschrift verfasst sein. Lesen können wir weder das Eine, noch das Andere.

 

Mittlerweile ist die Zeit schon so weit fortgeschritten, dass wir uns zurück auf den Weg in unsere Pension machen. Dort wartet auch bereits eine Gruppe deutscher Touristen auf den Einlass (der nur vom Garten her möglich ist, seltsame Konstruktion). Die Türe wird kurz darauf, von den beiden jungen Mädels von gestern, aufgesperrt und wir entdecken ein wahrhaft üppiges Frühstücksbuffet. Die Kritiken auf booking.com, die auf diesen Umstand hinweisen, haben nicht gelogen, omg! Gut, dass wir bereits unseren Appetit durch den Spaziergang angeregt haben, so können wir den vielen aufgetischten Köstlichkeiten hemmungslos zusprechen.

Später, ächzen wir uns die Stiegen hinauf zu unserem Zimmer, um uns in die – komischerweise irgendwie eng anfühlende – Motorrad Montur zu zwängen.

Das Beladen der Maschinen geht dafür umso zügiger von statten, langsam haben wir ja Routine darin, das Gepäck am Motorrad zu verstauen.

 

Nun geht es zuerst den gestrigen Weg ein Stück zurück, um dann weiter den Verlauf des Haffs in Richtung Elblag zu folgen. Dort überqueren wir, nach einem kurzen Fotostop, den Kanal um diesen über eine kurze Strecke zu folgen. Die Besonderheit des Kanals ist, dass er in seinem Verlauf fast 90 Höhenmeter überwindet, das aber nicht mit Schleusen, sondern mit einem Eisenbahn bzw. Gondel ähnlichen Schienensystem durchführt, das mittels Transportwagen, die Schiffe auf den nächsten Hügel bringt 😉

Spätestens jetzt sind wir in Masuren.

 

Ja, Masuren! Wir hatten schon zu Hause viel über diese größtenteils noch unverbrauchte Gegend gelesen und waren natürlich sehr gespannt darauf, ob die vollmundigen Erzählungen auch zutreffen würden. Die Beschreibungen von weiten Ackerflächen, vielen Seen und Waldstücke sowie kleinen Ortschaften ist sehr zutreffend. In einen gewissen Sinn, ist es das Niederösterreichische Waldviertel vor ca. 60 Jahren mit nur noch weniger Menschen.

Besonders markant sind die vielen alten Alleen, die die engen Straßen säumen. Diese sind meistens durch die hohen Alleebäume, oben geschlossen. LKW’s dürfen nur reduzierte Geschwindigkeiten fahren, da ansonsten die Allee zu sehr beschädigt wird.

So bewegen wir uns durch die leicht hügelige, immer wieder von Waldstücken und Seen unterbrochene Gegend. Immer wieder taucht unvermittelt eine kleine Ortschaft auf und wir bewegen uns gemütlich von West nach Ost, bevorzugt auf den kleinen, nieder rangingen Straßen. So kommen wir nach Elblag und weiter über Orneta, Dobre Miasto, Rezel, Swieta Lipka (Wallfahrtskirche Heilige Linde) bis kurz vor Ketrzyn .

Immer wieder bleiben wir kurz für Fotos stehen, die vielen Ziegelbauten scheinen aus einer anderen Zeit und Kultur zu sein. Ab ca. 13 Uhr tritt ein, was wir bereits bei der Abfahrt an der Nehrung befürchtet haben, aber bis jetzt hinaus zögern konnten, es beginnt zu regnen.
Gut, dass wir unser Regenübergewand griffbereit haben, denn bis auf kurze Unterbrechungen bleibt uns der Regen für heute treu und sorgt für ein angenehm kühles, aber leider auch feuchtes Masuren.

Nach Ketrzyn, auch bekannt durch die in der Nähe liegende Bunkeranlage Wolfsschanze, wird der Regen so heftig, dass wir froh sind als nächsten Ort Gizycko (Lötzen) auf unserer Route zu haben, und damit das Ende unserer heutigen Strecke.

Wir retten uns durch mehrere Zentimeter hohe Wasserlacken in das Hotel Masury, dass uns mit einem großen geräumigen Zimmer im 2. Stock empfängt. Blick auf unsere im Hof abgestellten Motorräder inklusive.

Wir hängen unser feuchtes Regengewand zum Trocknen auf, und schon schaut es im Zimmer gemütlich chaotisch aus, nur gut, dass es wirklich groß ist.

Danach checken wir die letzten Chat Nachrichten und erfahren auf diesem Weg, dass unser 2. Trupp in starken Regen geraten ist und deshalb in einem Hotel in Gizycko abgestiegen ist. Moment, Gizycko?

Auf unsere Nachfrage wird uns das bestätigt, das Hotel (St. Bruno) liegt ca. 1,4 km entfernt und wir vereinbaren ein Treffen am Kanal, damit wir uns ein gemeinsames Lokal für einen Plausch suchen können.

Der Regen hat mittlerweile etwas nachgelassen, wir brechen daher zu Fuß auf, um uns unsere Beine zu vertreten. Der Anmarsch durch das Kasernen und Industriegebiet ist etwas trostlos, wobei der Regen ganz sicher auch einen Teil dazu beiträgt.

Am Kanal eingetroffen kommen wir gerade noch über die Brücke, bevor diese gesperrt wird, da sie für die Durchfahrt von mehreren Booten geschwenkt wird.

Der Drehmechanismus wird tatsächlich noch per Hand mit einem ca. 2m langen Hebel bedient. Später lesen wir nach, dass kurzzeitig versucht wurde den Mechanismus mit Motoren zu betreiben, aber durch die Stärke der Motoren wurde die alte Mechanik der Brücke beschädigt. Danach wurde wieder auf Handbetrieb umgestellt.

Alle 2 Stunden wird diese nun geöffnet, um den Bootsverkehr zwischen den zwei angrenzenden Seen zu ermöglichen.

 

Die zweite Sehenswürdigkeit wäre die Festung Boyen gewesen. Die am besten erhaltene Festung in Masuren, aber die Besichtigung fällt leider ins sprichwörtliche Wasser.

An der Brücke treffen wir auf die CH.AT Truppe und lassen uns gleich neben der Brücke in der Pizzeria Mariza nieder. Die Wahl stellt sich leider nicht als die Beste heraus, sowohl Geschwindigkeit, als auch Qualität der Speisen sind aus unserer Sicht eher mittelmäßig. (Damit greifen wir zum ersten, aber auch zum letzten, Mal im Laufe unserer Fahrt daneben)

Aber eigentlich egal, wir plaudern, tauschen uns aus und die Zeit vergeht im Flug. Bevor es dunkel wird (hihi, wird es ja erst ab 22:00) sind wir wieder in unserem Hotel zurück, um die Routenplanung für Morgen abzustimmen und für mich gibt es auch noch weitere Seiten im Tagebuch zu befüllen.

 

“Let’s polish (sic!) up, our English” – Anreise Wima Rally 2017 Tag 2

Mit diesem geflügelten Slogan startet unser 2ter Tag in Polen. Zuerst genießen wir das reichlich und üppig ausgestattete Frühstücksbuffet und bereiten uns mental auf die nächste Etappe vor.
Eigentlich recht angenehm so ein Hotel, Du kommst an, wirfst das Gewand von Dir, duscht ausgiebig, hast Toiletten und Frühstück in top Qualität in Aussicht und ein bequemes Bett unter Dir.
An diese Art zu reisen können wir uns gewöhnen.
Nachteil: Land und Leute sind dadurch mehr auf Distanz, als auf einem Campingplatz. Aber dafür nutzen wir unsere Spaziergänge in den Abendstunden, um ein wenig mehr Gefühl für Land und Leute zu bekommen.
Und, natürlich auch, um nicht nur Motorrad Fotos für die zurück gebliebenen zu haben 😉

 

Vielleicht auch eine Bemerkung zur Navigations Ausstattung?
Jede von uns hat Karte und GPS im Tankrucksack als Backup mit.
Ich navigiere mit Hilfe meines Smartphones und OSMand, das auch Schotterwege und Fußwege kennt und via Bluetooth auch mit mir spricht – aber nicht zuhört, Gott sei Dank 😉
Damit ist es einfach eine Route für den nächsten Tag zusammen zu stellen – auch ohne PC zur Hand, und im Fall des Falles auch flexibel von der Route abzuweichen.
Renate pflegt die Tradition des Roadbooks und so sitzen wir am Abend immer kurz beisammen, um die wesentlichen Eckpunkte abzustimmen, von denen wir aber am nächsten Tag prompt immer wieder abweichen.
Manchmal sind es Verlockungen entlang der Straße, plötzliche Eingebungen, Verirrungen, oder einfach die Lust auf mehr, die uns vom geplanten Weg abbringen. Und manchmal sind gerade diese „Um“wege diejenigen, die uns die größten Überraschungen bescheren.
Außerdem haben wir einen Puffertag in Riga eingeplant. Was soll da schon passieren? Ob es auch so kommt? Stay tuned.

Zurück zum heutigen Tag:
Bezahlt haben wir unseren Aufenthalt bereits gestern, damit ist es einfacher in voller Motorrad Montur direkt zum Motorrad zu marschieren und die Packtaschen zu verstauen, ohne an der Rezeption in ein erstes Schweißbad auszubrechen. Schweißtreibend wird dafür die Rückfahrt zur A1.
Im Stoßverkehr von Lodz wird die Notwendigkeit von Euro4 gleich viel plausibler, ich frage mich öfter, ob hier überhaupt Euro3 bereits angekommen ist?
Glücklich auf der A1 angekommen fahren wir weiter „true North“ in Richtung Danzig (Gdansk), um bei Torun abzufahren.

Torun

Die GoPro am Helm montiert verleitet dazu, „en passant“ Fotos zu machen. Und diese Gelegenheit wird reichlich genutzt.
Was wir noch nicht wissen ist, dass diese Fotos sehr unpräzise (ich umschreibe es mal so, und von Mücken auf der Linse sprechen wir jetzt auch nicht….. 😕 ) die Gegend und Objekte wiedergeben. Im Laufe der weiteren Fahrt mache ich mir auch meine Gedanken dazu und es wird die reichlich mitgenommene Smartphone Foto Phalanx öfter verwendet.
Hey, immerhin sind vor 8 Tagen die Datenroaming Grenzen in Europa gefallen, dass gehört genutzt. 😎

Aus der Entfernung nehmen wir die Altstadt wahr die sehr hübsch ist und zu einem Stop einlädt. Wir aber fahren weiter und folgen der Straße in die Hügel nördlich von Torun, um später in Richtung

Grudziadz

Grudziads abzubiegen und der Weichsel in Richtung Ostsee zu folgen.

 

Weiter geht es nach Norden über Sztum (wo wir vor der Sonne in den Schatten am  wunderhübschen See flüchten) um einer temporären Baustellen Sperre zu entkommen.

 

In Malbork (Marienburg) bleiben wir wieder stehen, um von gegenüber liegenden Flussufer diese enorme Ziegelburg zu betrachten und ein Gruppenfoto mit „Verneigung“ zu machen.

 

Wir nutzen die Zeit, die bisherige Fahrt zu rekapitulieren und über eine Abweichung vom Plan zu sprechen.

Wie wäre es, wenn wir statt nach Elblag zuerst auf das polnische Haff fahren? Krynica Morska und bis zum Anschlag?

Die Idee findet Zustimmung und so fahren wir weiter nach Norden, um im Westen um das Haff herum zu fahren und gegen den Strom der polnischen Gäste das Haff anzusteuern.
Die Ortsnahmen klingen alle ein“gepolnischt“ und ein späterer Blick in Wikipedia zeigt die deutsche Vergangenheit der Orte sehr deutlich.

 

Leider auch dabei: Sztutowo (Stuthof) ein ehem. Konzentrationslager (im Wald versteckt), dass als Muzeum an die damaligen Verbrechen erinnert. Tafeln entlang der Straße weisen auf das Museum hin.

 

 

Wir fahren die Straße bis zum Anschlag und berühren damit fast die Enklave Kaliningrad, dann drehen wir um.

Su möchte die Gelegenheit nutzen und die Nacht hier am Haff verbringen. So starten wir unsere Suche nach einem geeigneten Quartier.
Hotels hatten wir am Weg genug, aber ob wir in der Hauptsaison hier ein freies Zimmer bekommen?
Das erste Hotel am Rückweg ist Neptun, eine riesige Hotelanlage im Wald, wir fahren vor und parken direkt vor der Rezeption. Die Dame an der Rezeption dürfte entweder einen schlechten Tag haben, oder Motorradfahrer grundsätzlich verabscheuen, denn auf die freundliche Frage ob noch Zimmer verfügbar sind, kommt ein knappes „nie“, obwohl Booking.com noch freie Zimmer ausweist. Die Frage nach dem Zimmerpreis wird mit 2500 Zlt / 😯 Person angegeben, lol, da schlafen wir lieber im Freien.

Booking.com ist aber unser Freund und so finden wir ganze 2 km entfernt die Pension Lotus, die uns ein günstiges Zimmer für 3 Personen offeriert. Nicht ganz so geräumig wie das letzte Zimmer, aber mit Balkon zum Auslüften der verschwitzten Motorrad Kluft und genug Platz, um das Gepäck zu verstauen.
Sauber, trocken und gute Betten, was will frau mehr?

Der Tag ist jung, wir sind frisch geduscht, daher brechen wir noch zu einem Abendausflug zum Hafen auf, um die Fähren nach Fromborka (Frauenburg) und die Abfahrt eines Speedboats zu beobachten.

Die Brise vom See her ist kühl und so wandern wir zurück zur Strandpromenade die voller Touristen ist.
Auffällig sind die vielen Straßenverkäufer, die farbige Strähnen in Haare flechten. Damit ist eine Idee geboren!
Es beginnt leicht zu regnen, damit wird es Zeit sich ein Lokal zu suchen. Da wir an der See sind (und das gleich doppelt!  😉 ), gibt es für uns Binnenösterreicherinnen natürlich nur Fisch als potentielle Speise und wir treffen offensichtlich eine gute Wahl, der Fisch ist tadellos (auch noch am nächsten Tag 😉 )

Vom Lokal aus sehen wir dem bunten Treiben auf der Straße zu, zeitweise könnte frau glauben wir sitzen in Lignano, oder Rimini, so groß ist der Unterschied aus dieser Perspektive gar nicht.
Da die Regenpausen immer kürzer, und der Regen immer heftiger wird kehren wir am kürzesten Weg nach Hause zurück.

Nur ich schleiche mich bei Einbruch der Dämmerung (23 Uhr ! ) noch einmal hinaus, um die untergehende Sonne am Horizont zu fotografieren.
Die Ruhe, die das Ganze ausstrahlt steht im krassen Gegensatz zum hektischen Treiben unter Tags, es gefällt mir und ich bleibe noch ein wenig sitzen.
Der nächste Regenschauer treibt aber auch mich zurück ins Bett.

 

 

Wetter: sonnig und heiß (27°), am Abend Regen, in der Nacht kurzes Gewitter

Kein Update der 2. Gruppe, wo diese bereits sind, aber immerhin ein Lebenszeichen von Elsbeth 😉

 

Anreise Wima Rally 2017 Tag 1

Wohin fährt Theo? Und wohin fahren wir? Richtig! Nach Lodz!
Warum fahren wir dort hin? Die Wima-Rally 2017 findet in Estland statt, wir sind dabei und wollen am Weg dorthin so viele Eindrücke als möglich sammeln.

Die letzten Tage waren einfach nur noch Stress. Dienstreisen, Abnahmen ich hatte erst gestern Abend die Zeit zum Packen und mir für die kommenden Tagesabschnitte die Routenkarten im Detail auszudrucken.
Am Sonntag  hatte ich  auch noch das Tankschloss komplett ausgebaut und ein neues eingebaut, denn  das Aufsperren wurde immer schwieriger und in Estland ohne funktionierendes Tankschloss will ich auch nicht herumstehen.
Für die Verkleidung wurde eine fehlende Befestigungsniete endlich geliefert, aber hier war wenigstens die Montage ein Klacks. So, es kann nun wirklich losgehen.

 

Heute ist es noch kühl und die ersten Sonnenstrahlen blitzen durch die Baumwipfel, als ich mit meinem Hund eine letzte Abschiedsrunde durch den Park drehe.
Die nächsten 2 ½ Wochen wird sich der Rest der Familie um ihn kümmern  müssen, denn schon in 30 Minuten beginnt das große Abenteuer der Anreise zur Wima Rally 2017 in Estland.
Su und ich treffen sich wie üblich am grünen Berg, um dann gemeinsam nach Hochleithen zu fahren, wo auch Renate zu uns stoßen wird.
Su ist eine Minute nach mir am Treffpunkt, aufgetankt sind beide Maschinen, daher fahren wir auch gleich wieder weiter.
Unsere beiden Versys sind mit den Seitenkoffern und Tankrucksack bestückt und darüber hinaus mit Topcase bzw. Hecktasche noch um Stauraum erweitert.
Es ist jedes Mal die interessante Herausforderung, Wetter und Rahmenbedingungen abzuschätzen, und auf dieser Basis die tatsächlich benötigten Kleidungsstücke und Utensilien abzuschätzen. Hoffentlich liege ich mit meiner Auswahl richtig.

Meine Vorgehensweise war folgende:
Zuerst alles am Bett ausbreiten und gleich die unnötige Teile wieder entfernen. Dann die erst später, oder nur im Notfall, benutzte Gegenstände in den linken Seitenkoffer.
Das Gewand und regelmäßig genutzte Gegenstände in den leichter zugänglichen (rechten) Seitenkoffer. In die Hecktasche kommen normalerweise Schlafsack, Schlafmatte und sonstige Campingutensilien, aber diesmal: Die Flaggen für die nationalen Wima Präsidentinnen, sowie Sticker und Pins für die Teilnehmer der Rally. Auch unsere Flaggen für die Parade sind hier verstaut. Für den Rückweg werde ich sie für meine Souvenirs verwenden. Damit sie nicht leer zurückkehrt, die Ärmste 😉

In Hochleithen angekommen ist Renate schon da, sie hat tatsächlich die Duke 390 gewählt und so sitzt sie die nächsten 2500 km eingekeilt zwischen Tankrucksack, Hecktasche und Gepäckrolle auf den dünnen Sitz, bewundernswert so spartanisch zu reisen.
So bleibt es uns nur noch ein Foto von uns Drei hübschen zu machen und die Fahrt ins große Abenteuer beginnt.
Für die erste Etappe – ins polnische Lodz – beschränken wir uns rein auf Schnellstraßen und Autobahnen, lt. Plan ist es auch die längste Tagesetappe, mit ca. 650km sollten wir unser Ziel am Abend erreichen.

Das Wetter ist uns hold und so fahren wir ohne große Hindernisse über die A1 bis kurz vor Ostrava, wo wir das erste Mal tanken. In unserem Fall gibt die Duke die Tankabschnitte vor, die Versys schafft ja fast 400km bei gemäßigter Gangart und schneller sind wir nicht, bei Gruppenfahrten.
Natürlich nutzen wir diese Stopps auch für WC Besuche und wir tanken in solchen Fällen auch gleich mit.
Su und ich teilen sich immer eine Tanksäule, so alternieren wir die Zahlung und müssen nicht viel rechnen.
Der Grenzübergang zwischen CZ und PL ist die relativ neue Autobahn (Auch A1), offensichtlich wurde hier einfach durchgebaut, nur ein paar Schilder am Straßenrand weisen auf den Grenzübergang hin, und schon sind wir in Polen.
Auch hier geht es vorerst ohne besondere Vorkommnisse weiter, die Autobahn wird aber recht schnell zu einer Art Schnellstraße mit Ampelkreuzungen. Manchmal gelingt es, uns mit den beladenen Maschinen nach vorne zu schummeln, manchmal müssen wir einfach auf die Grünphasen warten, damit es wieder weiter geht.
In Czestochowa existiert noch keine Umfahrung (die ist gerade in Bau und verursacht damit noch mehr Stau), daher müssen wir uns mit den Automassen durch die Stadt quälen. Danach geht es noch eine Weile mit demselben Schnellstraßensystem weiter, bis sich plötzlich ab ca. Kamiensk wieder eine vollwertige Autobahn vor uns auftut.

Natürlich müssen wir auch wieder tanken und so füllen wir im „same procedure as every  tank stop“ wieder unsere Tanks auf.
Lodz! Lodz begegnet uns schon sehr viel früher als erwartet auf den Hinweisschildern. Schon nach Piotrkow kann über die S12, dann über die S8, die S91, und dazwischen gibt es noch kleinere Abfahrten, Lodz als Ziel erreicht werden?
Bitte, wie groß ist denn diese Stadt? Endlich kommt die erlösende Lodz Centrum Ausfahrt und diese nehmen wir, nur um beim ersten Kreisverkehr gleich falsch abzubiegen. Jetzt könnte frau vermuten, dass nach so vielen Abzweigungen nach Lodz, eine alternative Anfahrtsroute existiert. Dass war zumindest unsere Hoffnung, nach dem wir den Fehler bemerkt hatten, aber es hat fast 10km gedauert bis wieder eine Möglichkeit bestand, Richtung Lodz zu schwenken und Ziel auf unser Hotel zu nehmen.

Dieses hatten wir, auf Grund des guten Fortschritts schon am Nachmittag, unterwegs, mit Hilfe von booking.com, reserviert und wir wurden nicht enttäuscht. In einem adaptierten alten Fabrikgebäude untergebracht bietet das Hotel Focus neu eingerichtete Räume, die auch viel Platz zur Verfügung stellen, eine gut ausgebaute Wlan Infrastruktur (wichtig, um die daheim gebliebenen am Stand der Dinge zu halten), einen abgesperrten Parkplatz, Herz was willst Du mehr.

Die Rezeptionsdame war von der geballten Weiblichkeit in Motorradkluft und Gepäck ein wenig irritiert, aber sobald sie sich gefangen hatte ging alles problemlos von statten

Nach dem wir uns eingerichtet hatten  – Fotos vom Zimmer danach werden wohlweislich nicht abgebildet 🙄 – beschlossen wir per Straßenbahn ins Zentrum zu fahren, um auch ein wenig zu essen. Denn bis zu diesem Zeitpunkt waren Müsli Riegel unsere einzige Nahrung, die mit viel Flüssigkeit ergänzt wurde – natürlich Alkohol frei.

Das mit den Straßenbahnen in Lodz ist so eine Sache. Sie fahren regelmäßig, aber die Intervalle sind ca. 20 Minuten und unsere Straßenbahn war gerade davon gefahren. Kurzes beratschlagen, wir gehen.
Nun ist das im ehem. Ostblock aber so, dass die gefliesten Böden schon lange keine ebene Fläche darstellen, d.h. ein Fußmarsch bedeutet den Boden einer Stadt sehr gründlich kennen zu lernen, aber die restliche Stadt nur sehr schemenhaft, am Augenrand kennen zu lernen. Das verbessert sich aber, umso näher wir der liebevoll restaurierten Stadtmitte kommen. Vielleicht war es aber auch gut den Blick nicht allzu oft zu heben, der Rest von Lodz zeigt nur eine glorreiche Vergangenheit.  😉

Wima Rally 2017 Tour Tag 1Im Zentrum wechseln sich Straßenmusiker und Lokale in sehr kurzen Intervallen ab und so ist es für uns nicht allzu schwer ein Lokal zu finden, wo wir uns im Garten in der Fußgängerzone niederlassen und köstliches Shoarma speisen. Nicht unbedingt eine übliche polnische Mahlzeit, aber sie mundet vorzüglich. So lässt es sich angenehm reisen.

 

Den Rückweg ins Hotel zu finden ist einfacher als umgekehrt. Und wir entdecken noch weitere architektonische Highlights entlang des Weges.
Während Su und Renate noch die Hotelbar besuchen, ziehe ich mich aufs Zimmer zurück, um die Eindrücke des heutigen Tages auf mich wirken zu lassen und das Tagebuch mit den ersten beschriebenen Seiten zu füllen.

Die Gedanken schweifen auch zu unserer zweiten Truppe, bestehend aus CH und AT Wimas, die heute morgen ebenfalls vom Zentralbahnhof aus aufgebrochen sind. Wo sie in der Zwischenzeit gelandet sind?

 

 

 

 

Unsere Bildergalerie für Tag 1:

Ladiescamp 2017

Anfang Juli 2016 gab es zum ersten Mal die vom österreichischen Motorrad Magazin initiierte Veranstaltung  Ladiescamp.
Die Veranstaltung wurde ein voller Erfolg und so war es beinahe selbstverständlich, dass am Sonntag, den 2. Juli sich 6 Wima Mädls in Melk trafen, genauer gesagt: Am Wachauring, um dort am Motorrad Magazin Ladiescamp 2017 teilzunehmen.

Wie auch beim ersten Mal, in 2016, trafen sich an diesem Tag 100 Frauen, um die vielen Stationen und Testfahrzeuge genau unter die Lupe zu nehmen.
Auf Grund des Feedbacks zur ersten Veranstaltung gab es ein paar geringfügige Änderungen und auf Grund des Erfolgs noch mehr Hersteller, die Ihre Fahrzeuge für Testfahrten zur Verfügung stellten.

Die Anreise war auf Grund des sehr feuchten und kühlen Wetter nicht unbedingt angenehm, Gott sei Dank verbesserte sich die Wettersituaton jedoch rasch und bis zum ersten Fahren waren die Strecken schon fast trocken.

Alle Wima’s hatten sich für eine Gruppe gemeldet und so durchliefen wir eine Station nach der anderen miteinander.
Unsere Gruppe war die rote, und unser Programm ->

 

Wir begannen daher mit den Probefahrten, die diesmal 2x so lange angesetzt waren, als im letzten Jahr.

Dadurch hatten wir die Möglichkeit sehr viele Fahrzeuge hintereinander zu testen.
Diese Vergleichsmöglichkeit ist einzigartig da, Hersteller übergreifend, ähnliche Modelle zur Verfügung stehen und der direkte Vergleich bei einem unmittelbaren Wechsel noch viel intensiver ist.

Da jede von uns einen anderen Geschmack und Fahrstil hat, waren es am Ende auch ganz unterschiedliche Favoriten, die wir uns herausgepickt hatten.

Für mich war eindeutig die Triumph Street Triple RS der klare Favorit, dicht gefolgt von der Yamaha Tracer 900, beide haben mich durch ihr tolles Durchzugsmoment und das einfache Handling auf der Straße mit Abstand überzeugt. Jetzt benötige ich nur noch einen Lotto Jackpot!  😉

Als nächster Programmpunkt stand Fahrsicherheit am Programm.
Brems- und Kurventechnik. Speziell Kurventechnik ist eine herausfordernde Station, die aber auf Serpentinen an Bergstrecken sehr gut vorbereitet.

Margot  und ich nutzten die Kreisbahn zu einer Rasten kratzenden „Verfolgungsjagd“ unserer beiden Versys. Die anderen wollten es nicht ganz so übertreiben, aber die Kreisbahn haben alle erfolgreich absolviert.

In der Pause war Zeit den Kontakt mit anderen Frauen herzustellen und Su war fleissig unterwegs unsere Visitkarten unter die Leute zu bringen.
Es war berauschend die gute Stimmung und die vielen fachlich kompetenten Kommentare zu den bereits absolvierten Stationen zu hören.

Die Pause wird beim Ladiescamp dazu benutzt 2 Gruppen alternierend auf der SuperMoto Rennstrecke Kreise ziehen zu lassen und nach der ersten Hälfte war auch die rote Gruppe an der Reihe.

Wie üblich waren die Profis Kim und Steffi an der Spitze unterwegs, um die Spurwahl und das Tempo vorzugeben. Und das war vom Anfang an schon sehr hoch.

Unsere kleine Truppe hielt jedoch wacker mit und so waren wir auch wieder froh, als nach 10min der erste Wechsel stattfand, damit wir ein wenig verschnaufen konnten. Ein wenig irritierend (Blickrichtung auf sich ziehend  😉  ) waren die Fotografen die sich immer an strategisch guten Stellen plaziert haben, aber was tut frau nicht alles für tolle Fotos in Schräglage?

Der nächste Programm folgte unmittelbar: Fun-Experience.
Hier sind teilweise exotische Fahrzeuge aus verschiedensten Hubraumklassen im Einsatz, einfach damit frau diese auch einmal ausprobieren kann.
Im Alltag werden sie wahrscheinlich weniger oft zum Einsatz kommen.

Danach zwei theoretische Vorträge zum Thema Motorrad Reise, sichere Bekleidung und Hörschutz (als Werbeveranstaltung, aber mit fachlich fundierten Hinweisen)

 

Als Abschluss kamen noch die beiden Module:

Offroad, mit der Trialmaschine zwischen Hütchen stehend fahren, über künstliche Hindernisse die Maschine vertrauenswürdig drüber zu liften, und ein Kurzausflug in das angrenzende Gelände mit „Steilauffahrt“ 😮

 

Und Rangieren, sowie Aufheben der Maschine.
Wo sich viele von uns plagten, nahm ich die Maschine und schmiss sie vor lauter Elan gleich auf die andere Seite 😳

Damit war dieser lange und anstrengende Tag auch schon wieder vorüber.
Genau richtig, denn am Horizont tauchten pünktlich die nächsten Gewitterwolken auf, die sich im Laufe der Rückreise wieder zu einem Regensturz entwickelten. Trotzdem, das Grinsen im Gesicht blieb.  🙂

Wima Rally, erste Berichte

Erste Pressemeldungen:

(Warnung: Estnisch kann die Sinne verwirren  😉

https://tv3play.tv3.ee/sisu/seitsmesed-2017/852182 Zuerst Werbung für ca 30sek., dann start ab ca. 14:30 Minuten

und

http://virumaateataja.postimees.ee/4185613/galerii-tsiklinaised-vurasid-rakvere-tanavatel

und 5 min Parade der vorbeiziehenden Fahrzeuge

Ein Tip: es ist einfach mich zu finden  😉

Auf Tour

Die Autorin dieses Blogs befindet sich zur Zeit in den Estländischen Sümpfen und versinkt dort nicht im Moor, aber in so vielen Eindrücken ;-).

Bericht folgt.

Estland Planung

Jäneda (ausgesprochen Joohhneda)

Dieser Ort liegt in Estland und ist das Ziel der diesjährigen Wima Rally.

Dorthin Fliegen?   Naah!   Mit dem Autoreisezug und der Fähre?  Naah!   Mit dem Auto?   Naah!

Die kürzeste Distanz zwischen Wien und Jäneda beträgt ca. 1650km, aber wo wäre der Spass und der Reiz, wenn wir die Strecke am schnellsten Weg bzw. mit einem anderen Verkehrsmittel einfach abspulen würden?

Denn, fährt frau primär Autobahn und Schnellstraße ist zwar in 3 Tagen die Strecke auch sicher erledigt, aber die polnischen und baltischen Straßen sind

  1. Noch nicht so weit, und
  2. Warum Länder durchqueren, wenn Land und Leute auf der Seite liegen bleiben?

Guter Rat ist daher teuer: Zu lange darf die Anreise nicht dauern, schließlich arbeiten wir noch alle und der Urlaub ist rar, auf der anderen Seite wollen wir auch Land und Leute kennen lernen.

Zu diesem Zweck haben sich Su, Renate und ich zusammengesetzt, um die verfügbaren Tage abzustimmen und dafür einen groben Plan der Nächtigungen festzulegen.
Ergänzt wurde der grobe Rahmen dann mit Sehenswürdigkeiten und Städten die für uns interessant sind und damit wurden die Route und Tage weiter verfeinert.
Ein wenig Spielraum wird für jeden Tag einkalkuliert, lieber zu früh, oder mit Zeitpuffer anreisen, als immer hinter dem Plan her zu hetzen.

 

 

 

Auf diesem Weg haben wir eine „kleine“ feine Route zusammengestellt, die uns über ca. 2400 km an unser Ziel in Estland bringt.

Am Weg liegen interessante Orte und Gegenden wie zB. Malbork, Masuren, Kryžių Kalnas, Gauja, Riga, und natürlich Jäneda.:-)

Estland selbst ist dann unser Thema für die Woche in Jäneda.

Mein Bericht zur Tour erfolgt natürlich im Anschluss daran.

Unfall sei dank

Immer wieder werden wir mit den Gefahren des Motorradfahrens konfrontiert:

Ein Autofahrer der uns übersieht, eine Ölpfütze im Kreisverkehr, Streusplit in der verdeckten Kurve, ein Sturz beim Enduro fahren.

Und wir probieren uns dagegen zu schützen: Schutzkleidung, Fahrsicherheitstrainings, bessere Reifen, hohe Aufmerksamkeit …

Aber manchmal, manchmal hilft auch das alles nicht und eine kleine Schrecksekunde später liegen wir da…..

Im besten Fall haben wir ein paar blaue Flecken, ein lädiertes Gewand, verbogene oder zerkratzte Teile am Motorrad und das war es schon.
Schnell aufspringen, Motorrad hochhieven und weiter geht es…

Aber leider, leider geht die Geschichte nicht immer so glimpflich aus und dann kann frau nur dankbar sein, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist.

So auch bei einer der letzten  Ausfahrten von 2 Wima Frauen in die Steirischen Flecken, rund um Admont, wo es zum verhängnisvollen Sturz eines unserer jüngsten Mitglieder (P.) gekommen ist. Diesmal leider nicht so glimpflich, den ihr Sprunggelenk wurde durch das darauf fallende Motorrad gebrochen.

Die Erstversorgung verlief vorbildlich, dennoch musste sie für ca. 2 Wochen ins Spital in Bruck an der Mur und das Prozedere Gips, Operation, Gips, sowie noch viele Tage im Krankenstand folgten bzw. folgen noch.

Nun, so ein Spitalsaufenthalt ist ja nicht prickelnd. Überhaupt dann, wenn draußen zum ersten Mal die Motorradsonne aufgeht.

Auch die skurrilen Unfälle der anderen  Zimmergenossinnen konnten nicht über die einziehende Fadheit hinweg helfen.

Um die Stimmung zumindest ein wenig zu heben, haben Su und ich beschlossen das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und per Motorrad zum Krankenbesuch aufzubrechen.

Die Wettervorhersage war durchwachsen, aber auch nicht schlecht, wir trafen uns daher schon früh in Altmannsdorf, um vom dort, per Südautobahn bis Mürzzuschlag, zu starten.

Ab Mürzzuschlag ging es dann via Mürzsteg, über den Niederalpl – mit seinen schönen Schwüngen, Seeberg Sattel – große dunkle Wolken und richtig kalt, sicherheitshalber schlüpfen wir in die Regenmonturen, weiter über Aflenz, nach St. Katharein – über eine unbefestigte und mit kleinen Kehren ausgestatteten Straße (Neuentdeckung!) nach Bruck an der Mur in das LKH, um dort unsere liebe P.  zu besuchen.

Die Operation ist nun schon 2 Tage her, und der Bewegungsdrang – Liegegips! – grenzenlos. Kurz entschlossen packen wir einen Rollstuhl und schieben sie ins freie  🙂

Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, ihr Motorrad das nun schon in Wien angekommen ist, und den weiteren Verlauf der Behandlung und die weitere Genesung. So vergeht der frühe Nachmittag recht flott. Als dann anderer Besuch eintrudelt verabschieden wir uns und brechen wieder auf nach Wien.

 

Der Tag ist jung, die Autobahn kein Anreiz, das Wetter etwas besser geworden – also optimale Voraussetzungen fürs Motorrad fahren.
Daher beschließen wir, die Gelegenheit zu nutzen und brechen via Teichalm,  Birkfeld, Feistritzsattel, Gloggnitz, Reichenau, Schwarzau, Hainfeld, Klausen-Leopoldsdorf, den Rückweg nach Wien an.

Die Fahrt verläuft in wunderbaren Wetter, beinahe leeren Straßen (in unserer Fahrtrichtung) und die Gegend lädt immer wieder zu kleinen Stops ein. Wir hätten einen Picknick Korb mitnehmen sollen!  😉

P. geht es mittlerweile besser, sie hat auch schon das Spital verlassen und ist am Weg der Besserung.

IFRD 2017 mit Wima-Austria

Der IFRD (International Female Ride Day) ist die Erfindung einer kanadischen Motorradfahrerin, die Motorrad fahrende Frauen zusammen bringen wollte, und um damit ein Statement zu setzen.

Auch, wenn ihre Seite sehr kommerz lastig geworden ist, die Idee hat sich mittlerweile verselbstständig und weltweit nutzen Frauen Motorrad Vereine den ersten Samstag im Mai, für eine gemeinsame Ausfahrt und das Zusammenkommen.

Letztes Jahr waren Su und ich unterwegs, diesmal ist die Runde gleich auf 9 Fahrerinnen angewachsen, damit ist die Einigung auf ein Ziel entsprechend schwierig.

Hilfreich bei der Zielfindung war in diesem Fall Renate, die beim Seiberer Bergpreis eine Information über die Sonderausstellung MotorMaiden, im 1. Österreichischen Motorrad Museum, aufgeschnappt hatte.

So, das Ziel stand somit fest, die Routenplanung war relativ entspannt, die Tour kann los gehen.

Mein kleines Mißgeschick mit der gebrochenen Fußrastenaufhängung hatte Juniors SuMo ein neues Vorderrad (ein Metzeler M7RR) beschert, aber mit beinahe Null Milimeter Profil wollte ich doch nicht die Reise antreten.
Besorgt hatte ich ihn am Freitag bei Zweirad Pauer, der Wechsel war in 15 Minuten erledigt, die Qualität der Arbeit tadellos, der Preis naja….  😉
Ob der jungfräuliche Reifen hält was er verspricht?

Nun, 6. Mai, zeitig – so um ca. 9:00  😉  – war der erste Treffpunkt in Hütteldorf ausgemacht und pünktlich waren auch die anderen Mädls da.

Damit ging es weiter nach Untertullnerbach , wo der 2. Treffpunkt war, und auch dort waren, trotz Tankstop, alle Mädls rechtzeitig fertig, um um 9:30 aufzubrechen.

Los ging es durch das wunderhübsche Irenental, nach Tulln, wo wir unseren 3. Treffpunkt(!), für unsere nördlicheren Mitglieder, hatten.

Noch immer pünktlich wie die Schweizer Bahn  setzten wir uns wieder in Bewegung und fuhren am Wagram entlang bis Langenlois, um nach Norden entlang des Kamps weiter zu fahren.

Dann  fuhren wir  einfach den Rundungen des Kamps entlang nach Norden, bis Gars, dort bogen wir aber Richtung Sigmundsherberg ab und erreichten schon bald unser Ziel beim Motorrad Museum.

Auch Lily und Birigt waren (als Waldviertlerinnen) schon vor Ort und so konnten wir direkt mit dem Besuch der Sonerausstellung beginnen.

Ja, hätten wir, aber die JukeBox im Eingangsbereich forderte ihren Tribut und so wurden erst ein paar klassische Ohrwürmer freigeschaltet, bevor es tatsächlich an die kleine, aber feine Sonderausstellung ging.

Herr Ehn (der Museumsbesitzer) war mit gutem Wissen über die relevanten Epochen ausgestattet, über die Motorräder sowieso.  😉

Da Wima ihren Ursprung im US und britischen Raum hatte fehlte das auf seinem Radar, wir haben Ihm aber entsprechende Informationen dort gelassen. 😉

Nach dem Besuch des Museums ging es in den Nachbarort weiter zum  Landgasthof Surböck  wo uns die Wirtin im Garten ein wundervolles Ambiente und gute Küche zu sehr vernünftigen Preisen bot.

Solcherart ausgestattet mit Wissen über historische Motorräder, MotorMaiden in Österreichund gesättigt und mit Flüssigkeit versorgt wollten wir direttissima wieder zurück nach Wien.

Su hatte aber die bessere Idee und so fuhren wir weiter den Kamp entlang bis nach Zwettl und von dort ging es wieder nach Süden via Ottenschlag, Pöggstall und Weiten zur Donau, wo wir bei Melk querten und in die Wachau hinein fuhren. Um bei einer bekannten Jausenstation noch einmal Rast  zu machen und die wunderbare Sonne zu genießen.

Mittlerweile war es doch schon recht spät geworden, daher brachen wir recht bald auf, um via Dunkelsteiner Wald und die B1 wieder Wien näher zu kommen.

Meine Reserve Leuchte begann am Fuße des Riederbergs zu leuchten, aber die 15km bis kurz vor dem Ziel hielt der Tank auch noch durch.
Ein Hoch auf transparente Benzintanks! 🙂

Und der Reifen? Der Metzeler M7RR? Werden sich aufmerksame LeserInnen noch fragen….

Ich muss sagen:

Noch nie hat mich ein Reifen von der ersten Minute an so beeindruckt.
Ganz große Klasse, er vermittelt ein super Gefühl in der Kurve und eine tolle Laufruhe auf der Geraden,  trotz der ansonsten hypernervösen Husaberg.  Junior kann sich über mein Geschenk wirklich freuen  😉

Im Regen habe ich ihn – Gott sei Dank – nicht getestet, aber wenn die Kritiken hier genau so stimmen, dann Hut ab…..

Zum Abschluss noch die gefahrene Route:

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