Versya

Mein schräges Leben

Autor: Versya (Seite 1 von 29)

Die eiserne Hochzeit

Es ist das 25. Erzbergrodeo, und wenn ich auch am Anfang nur meinen Bruder begleitet habe bin ich mittlerweile öfter aktiv mitgefahren als er. 😛
Und Junior habe ich bereits auch mit dem EBR Virus angesteckt. Daher ist das EBR eine Familientradition sozusagen.

Was liegt daher näher am 25.  Erzberg Rodeo teilzunehmen? Immerhin ist das schon fast eine zweite Ehe für mich! 🙂

Eigentlich war ich ja vernünftig und habe beizeiten (vor 2 Jahren) meinen Rücktritt erklärt, aber dieses mal muss es doch noch einmal sein.  😉

EBR Logo

Ein wenig Masochismus schwingt da wohl auch mit, oder Fadess, oder Winterdepression, oder…..  aber eigentlich egal, ich habe mich angemeldet!!

Damit ist jetzt ist wieder Training angesagt! Eh gut, wo doch die Weihnachts(fress)feiertage vor der Türe stehen.  😉

Parlez vous francais?

Oh, là là!  Was war denn das?
Irgendwie taumle ich noch immer von einer Kurve in die nächste. Hört das denn überhaupt nicht mehr auf?
Damit könnte ich die Erzählung über die Teilnahme an der National Rally der  französischen Wimas  auch wieder beenden.  Alles ist gesagt. Alles?

Col de I Iseran

Nein, den genau so wie ein gallisches Widerstandsnest (aber das ist eine andere Geschichte) hat sich die Wima Frankeich aus ihren Resten erhoben und ein starkes Zeichen für einen Neubeginn gesetzt.
Ihre Einladung ging an alle Länder und wer war natürlich dort?  Ich!  😉

Kann ich französisch? non

War ich schon mal dort?  non

Habe ich Karten von Süd- bzw. Westfrankreich?  non

Französische Franc?  non,

brauch ich aber dank Euro nicht mehr  😛  , na immerhin, ein Qui.  Wir fahren!

Ungefähr so kam der Entscheidungsprozess  zustande, ein “wenig” Neugier war natürlich auch dabei.

Alpenblick

Der erste Teil der Anreise war aus Zeitgründen mit dem Transporter in dem unsere  Motorräder verstaut waren,  aber ab  der Schweizer Grenze waren wir auf unseren zwei Rädern unterwegs und taumeln seither auf endlosen Bergstrecken über einen Pass nach dem anderen. Wir haben uns 4 Tage Zeit genommen, um die Anreise bis nach Embrun  zu absolvieren. Deshalb können wir jetzt bei der Route aus dem Vollen schöpfen.
Klausenpass, Furka, Gr. St. Bernhard, Kl. St. Bernhard, Col de Iseran, Panne, Col de Telegraphe, Col de Galibier, Col de Izoard, Col de Vars, Val de Ubaye, L’Adroit de Pontis, Embrun,

Dort treffen wir am späten Nachmittag ein und werden schon von den anderen Teilnehmerinnen  in Empfang genommen.
Die Zimmer sind schnell verteilt und wir erkunden die Herberge und die nähere Umgebung.
Das Abendessen ist klassisch  französisch und schmeckt vorzüglich. Die Stimmung ist sehr gut und wir sind gespannt auf das morgige Programm.  Der Tag war lang und so kriechen wir schon bald in unser Bett.
Am nächsten Tag ein gutes Frühstück und die Lebensgeister sind zurück.  Die Route ist  ähnlich zum Vortag, nur eben in umgekehrter Richtung.  Deshalb beschließe ich die “direkte” Route   (la voie directe) zu wählen und über den Col du Parpaillon abzukürzen.  Der Col hat einen  Schwierigkeitsgrad von 3-4  und ich habe Straßenreifen und eine Kawasaki Versys zur Verfügung?  Aber einen Punkt kann ich als Plus anführen, meine Hardenduro Praxis.  Es wird wohl eine Zeit dauern, denn schnell fahren wird es daher auf den ca. 35km  Schotterpiste nicht geben,  die Koffer lasse ich am Bike, damit es im Falle eines Sturzes nicht komplett aufliegt,  220kg will ich nur ungern vom Boden hochhieven, ich nehme Gewand, Essen und Trinken ausreichend mit und ich deaktiviere das ABS an der Versys (Sicherung ziehen  😉  )

Der erste Abschnitt zur Anfahrt bis zur Schotterpassage ist wunderbar, die Dörfer werden immer kleiner und die Berge vor uns immer höher. Und auf einmal ist sie da die Schotterpiste. Beim Befahren der ersten 200m habe ich kurz Mitleid mit der Versys und frage mich, ob die Idee wirklich gut war?  Das ist keine Schotterstraße, dass ist bereits eine markierte freie Wildbahn. Ich könnte ja noch schnell umdrehen und die Fahrt rund um die Bergkette herum aufnehmen? Ich wäre auch so sicher rechtzeitig beim  Treffpunkt…..
Aber dann siegt der Ehrgeiz und die Neugier auf das was da noch kommt, es ist ja klarerweise nur der Anfang , da kommt doch sicher noch was. Ich will es jetzt einfach wissen, basta. Und natürlich kommt noch was. Natürlich wird der “Weg” nicht besser, eher im Gegenteil, ab er mit der Zeit gewöhnt sich die Versys an das ungewohnte Terrain und ich werde auch wieder ruhiger und gelassener.

Col du Parpaillon

Und so kriechen wir gemütlich  (Durchschnitt ca. 10-20km) und gleichmäßig den Berg hinauf. Die Prolog  Erfahrung hilft hier eindeutig, die vorausschauend gefahrene Linie erspart so manche Überraschung und deren gibt es viele am Weg.  Es braucht ca.  45 min, die ich stehend den Berg hinauffahre, bis vor mir das Tunnelloch  unterhalb des Grats auftaucht.  Außer mir sind zwei Schweizer mit zwei CRF 250L und würdiger Stoppelbereifung vor Ort.  Ihre Blicke zeigen ein wenig Verwunderung als das Versys Dampfschiff auftaucht.  Als ich den Helm abnehme um – möglicherweise 😉 –  einen Wima Sticker auf dem Passchild anzubringen, sind sie endgültig erstaunt.
Ich lächle still in mich hinein und beginne mit der Durchfahrt durch den Tunnel. Die Berichte im Internet über die Passage sind alle sehr durchwachsen.
Dieser ist ein Naturtunnel mit abwechselnd trocken Abschnitten und dann wieder Wasserpassagen, zum Finale auch noch mit Lehmschlamm  am “Boden”. Jetzt heißt es einfach gleichmäßig und mit Schwung durch. Steckenbleiben, oder wegrutschen, würde hier keinen Spaß machen.  Die Sonne scheint von der anderen Seite in den Tunnel und ist ein wohltuender Kontrast zur Schwärze des 500m langen Tunnels.
Und so stehe ich nach wenigen Minuten auf der anderen Seite des Tunnels und habe ein atemberaubendes Gebirgspanorama vor mir.

Die Sonne scheint hier auf ca. 2600m sehr intensiv, und es ist ungewöhnlich warm. Eigentlich eine gute Basis, um vor der angekündigt, noch schlechteren Bergabroute eine kurze Pause zu machen und ein wenig vom mitgebrachten Lunchpaket zu kosten?

Ganz schlechte Idee Versya, ganz schlecht. Als ich den Koffer öffne kommt mir mein “Essen” entgegen. Kurz zusammengefasst: Es schaut so aus, als hätte es sich übergeben.  Rasch schließe ich den Koffer wieder und probiere zu vergessen was ich gerade gesehen und gerochen habe. Da muss ich mich wohl mit dem Wasser aus meinem camelback begnügen. Notiz an mich:  Essen vibrationsgeschützt sicher verstauen!
In der Zwischenzeit sind auch Schweizer mit Honda Dominators eingetroffen und ich ersuche sie ein Foto von mir zu machen. Schließlich möchte ich auch einen Beweis haben, dass ich wirklich hier war.

Nach einer kurzen Rast starte ich die Bergabfahrt und ich bin froh, dass ich das ABS ausgeschalten habe. Hier würde ich einfach über die nächste  Kuppe drüber rattern, aber so finden die Hinterreifen immer genug Grip, um mit Motorbremse und feiner Hinterradbremse  die Spur zu ziehen.    Bis, ja bis ich, unvorsichtig geworden, vor lauter umherschauen  und für einen kurzen Moment unkonzentriert, die falsche Spur wähle die mich zu nahe an den Kurvenrand führt.
Dort liegt sehr loses Geröll und ich greife zu allem Übel kurz in die Vorderbremse, um nicht über die Kuppe zu fahren.
Es geht ganz schnell, das Vorderrad rutscht weg und die Versys kippt nach innen. Bei 210kg gibt es nur noch eines, sich vom Motorrad zu entfernen  ;-).  Ich rolle ein Stück über Steine und Staub um mich gleich aufzurappeln und die Situation zu betrachten.
Die Versys liegt mit den Rädern bergauf in der Kurvenneigung, dank Koffer – wie geplant – zumindest nicht komplett ungünstig. Bei meiner Hardenduro würde ich diese nun zuerst am Boden drehen, damit das Aufstellen leichter fällt, aber ich möchte die Versys nicht über diesen Steinboden ziehen, wenn es nicht unbedingt nötig wird. Daher jetzt tief durchatmen, einen guten Halt am Boden und an der Versys suchen, und hauruck die Maschine wieder aufrichten. Es gelingt mir mit dem ersten Ruck diese bis zum Oberschenkel zu bringen und sie so etwas abzustützen. Blöderweise rutschen die Schuhe auf diesem Boden langsam weg. Fieberhaft suche ich mit dem zweiten Bein einen neuen Halt, finde ihn und mit einem zweiten Ruck bringe ich die Maschine so weit hoch, dass das Gewicht von den Rädern aufgenommen wird, damit kann ich sie final in die Senkrechte bringen. Phhhhhhuuuuuuu, das Blut rauscht in den Ohren, die Lunge keucht, aber die Versys steht. Es hat sich wieder einmal bewährt den Adrenalin rush nach einem Sturz sofort für Action zu nutzen.  😉

Noch einen Platz zum Ständer ausfahren gesucht und einmal kurz durchatmen.  Schadensaufnahme: Der linke Koffer schaut schlimm zerkratzt aus und ein paar Sticker sind beleidigt, der Handguard ebenfalls, ansonsten ist der Versys nichts passiert. Perfekt! Wie schaut es bei mir aus,  kurz einmal checken: Gewand? Ok. Helm? Ok.  Kamera? Läuft!   Ah, ich hab es auf Video! https://youtu.be/PyrIwQtg9dw Yesss!  🙂  An der linken Handfläche ein erster Bluterguss, da dürfte ich einen Stein beim Fallen gehabt haben.  Np.
Also wieder aufsteigen und einfach weiterfahren. jetzt natürlich wieder vorsichtiger! Schade, denn die Gegend ist immer noch sehenswert.  Weiter unten kommen mir wieder Endurofahrer entgegen.  Aber zu spät meine Herren, zu spät. Eigentlich gut so, keiner hat mein Hoppala gesehen, keiner wird es jemals erfahren,   hrhrhr.

Mit einem gemeinen Grinser im Gesicht fahre ich wieder flotter weiter bergab, der Weg wird langsam besser und geht dann unvermittelt in eine recht gut ausgebaute Schotterstraße über. Eigentlich ist diese Seite um einiges fieser, denn von hier kommend täuscht die breite Schotterstraße vor,   dass da nichts (wesentlich) schlimmeres mehr kommt.  😉  Ich sause jetzt wieder flotter bergab und erreiche nach weiteren 10 km wieder asphaltierte Pfade. Schön war es und durch die kurze Pause am Berg ist noch so viel Zeit übrig. Ich studiere daher die Karten und finde einen Pass, den wir gestern aus

Am Col de Bonette

Zeitgründen nicht mehr gemacht haben. Den Col de Bonette. Er ist der höchste Alpenpass von Frankreich mit ca. 2800m und hat noch eine weitere Besonderheit. Sein Gipfel wird von der Passstraße komplett umrundet (das letzte Stück wurde vor einiger Zeit einfach herausgesprengt und damit die Einbahn um den Gipfel geschaffen.
Rasch sause ich den Berg hinauf und dann gleich wieder hinunter, denn zum Treffen am Col de Larche ist es nun doch noch eine Zeit zu fahren, aber da ich die Strecke noch vom Vortag kenne bin ich fast pünktlich vor Ort.
Das Picknick (das ich schwesterlich von anderen geteilt bekomme)  am Pass ist wunderbar, das Wetter ist einfach unvorstellbar! wieder ein Wima Wunder. wir haben Ende September und sitzen hier auf über 2300m und es ist angenehm warm.   Meinen Kofferinhalt habe ich am Parkplatz entsorgt  und mit einer Mineralwasserflasche den koffer ausgespühlt, ich fürchte nur den Geruch bekomme ich nicht mehr los….

Wima France Meets

Natürlich gibt es noch ein Gruppenfoto mit unserer fast 50 köpfigen Runde und dann brechen wir wieder in kleinen Gruppen auf zurück über den Col de Vars und Guillestre  nach Hause. Es gibt wieder eine wunderbare Abendveranstaltung.

Aber auch heute halten wir es eher kurz, denn morgen geht es wieder nach Norden retour in Richtung Albertville, und die weiteren Tage (jetzt mit kühlem Wetter) weiter nach  Chamonix , Martigny, Gstaat.
Am Weg liegen wieder viele Pässe und coole Strecken wie: Saint de Appollinaire, Col de Parquetout, Col du Glandon,  Col de Fer, Col de la Madeleine Col de la Croix, Sustenpass, Pragelpass, und einige dazwischen, die ich schon wieder vergessen habe….

 

Einmal noch treffen wir auf eine Wima France Gruppe und verbringen zusammen die Mittagspause, dann trennt sich der Weg endgültig.  In Glarus beginnt dann die Suche nach einem Schoggi Geschäft, denn schließlich müssen wir für die zu Hause gebliebenen eine Entschädigung für die letzten 10 Tage mitbringen und natürlich werden wir fündig  😉

Schnitzeljagd, Wima Rally 2017

Heute steht wieder ein spannender Punkt am Programm: Schnitzeljagd, oder Treasure Hunt.

Am Morgen um ca. 7 Uhr aufgestanden und zum Frühstück spaziert – eigentlich ist es ein Wunder, dass es am Weg zum bzw. vom Veranstaltungs- und Essensraum (der ehem. Hengststall) nie geregnet hat, sondern eigentlich immer sommerlich und sonnig war. 

Bei der Rückkehr zum Quartier haben wir festgestellt, dass in der Zwischenzeit die Fragen und die sonstigen Unterlagen für die Treasure Hunt ausgegeben wurden.
Daher schnell die Aufgabenstellung überflogen. Die Tagesausrüstung (Regenschutz!,  Trinkrucksack und Karten) eingepackt und ab auf die Straße mit uns.
Heute sind wir nur zu zweit unterwegs. Su möchte pausieren. Na, die wird einiges versäumen, aber das wissen wir ja jetzt noch nicht. 😉

Zuerst die gleiche Strecke wie gestern mit dem Bus in Richtung Tallinn, bei Soodla, nach Norden abgebogen und bis zur Ostseeküste vorgedrungen. Die drei charakteristischen Halbinseln im Lahemaa National Park sind Bestandteil unserer ersten Rätsel. Es gibt mehrere Fragen zu lösen, die nur mittels Besuch im  Viinistu Kunstimuuseum und Käsmu Meremuuseum gelöst werden können.

Als ganz großer Fallstrick entpuppt sich die Zusammenstellung der 100 Betonkoffer (die die Emigration vieler Esten symbolisieren)  im Vorfeld des Kunstmuseums, die natürlich keine 100 Stück sind, aber durchgezählt werden müssen -> diese Station wird im Finale den wesentlichen Unterschied ausmachen, aber auch das konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen.

Die Wege zwischen den Fragestationen sind, wie bereits gewohnt, perfekt asphaltiert – es scheint, als ob in den letzten Jahren alle Entwicklungsgelder der EU in Straßen geflossen sind – einsam, ohne jeden Verkehr und – das ist die wesentlich größte Überraschung für uns – auch üppig mit Kurven gesegnet. So macht die Fahrt durch den Nationalpark richtig Laune. Vor der Küste liegen immer wieder kleine Inselchen, das Meer ist grün/blau und die vom Himmel herunter scheinende Sonne tut auch gut.

Davon mitgerissen bin ich, wie wohl immer, zu schnell unterwegs, immer wieder bleibt Renate zurück, und irgendwann stellt sie mir – zurecht – die Frage, ob ich denn auf der Flucht bin?
Da hat sie wirklich Recht und deshalb schalte ich wieder einen Gang zurück und genieße einfach die Landschaft und die ist wirklich wunderhübsch und lädt zum ruhigen Betrachten ein.

So kommen wir bald ans Ende des Nationalparks und stoßen wieder ins Landesinnere vor, um dort die beiden Herrenhäuser (Mois – Schlösser) von Sagadi (in rot)  und Palmse  (in gelb) aufzusuchen, die ebenfalls Bestandteil unseres Fragenkatalogs sind. Es geht darum Fotos von Objekten, dem jeweiligen Herrensitz zuzuordnen. Und so spazieren wir durch die wunderbaren Gärten der beiden Anliegen und ergötzen uns an dem Reenactment, das in Estland üblich ist und das damalige Leben der Bewohner (inkl. Dienstleute) zeigen soll. Gut dabei, dass es trotz wunderbaren Sonnenschein wieder um die 17/18° warm ist, mit den Motorrad Gewand wäre es ansonsten eine heiße Angelegenheit. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit beschließen wir in der Schlosstaverne eine Mittagsrast einzulegen. Auch hier ist das Personal entsprechend eingekleidet, aber immerhin können wir schon mit Euros statt Gulden zahlen. 😉

So, die gestellten Fragen wären jetzt alle abgehakt, damit treten wir den Rückweg nach Süden, Richtung Tapa an.
In Tapa selbst machen wir noch kurz Stop, einerseits tanken wir wieder unsere Maschinen voll, und dann gibt es noch einen Spezialtask der ansteht. Ich sage jetzt nur: Besenstiel und Hundespielzeug.

Von Tapa ist es nur noch ein Katzensprung zurück nach Jäneda, diesmal fahren wir nicht auf der Bundestraße sondern auf einem Landstraßen Abschneider, via Lehtse,  und so kommen wir, trotz –wieder einmal – drohender Wolken noch komplett trocken retour. Was für ein Tag!

 

Im stillen Kämmerchen wird der Besenstil präpariert, soll heißen: Mit dem aufgedröselten Hundespielzeug (Kauknochen aus Bandfasern) , Gaffertape und Rockstraps zu einer umschnallbaren Fahnenstange umgebaut.
Daran wird die Österreich Fahne befestigt und los geht die Probefahrt, für die übermorgige Parade nach Rakvere. Schließlich muss ich testen, wieviel Stundenkilometer halte ich aus bevor es mich vom Motorrad bläst, und wie viele km/h die Fahne?
Kurz gesagt, ich gewinne.  😉

Als angenehm empfinde ich alles bis ca. 70 km/h, darüber wird der zug der Fahne schon recht heftig. Außerdem beginnt die Fahne an den Kanten auszufransen.  Da die Fahrt nach Rakvere ca. 1 Stunde dauert ein gutes Fitnesstraining.

Ich fahre so ein wenig hin und her und wecke damit die Aufmerksamkeit anderer Wimas.
Mein kleiner „Stunt“ dürfte dann bis zur neu gewählten Präsidentin vorgedrungen sein, und da sie dieses Mal nicht am Motorrad fährt, schlägt sie vor, dass ich übermorgen nicht im Pulk, sondern an der Spitze zusammen mit der Wima Estland Präsidentin Annelie fahren soll, dann aber mit der Wima International Fahne.
OK, was soll schon passieren, größer als unsere Fahne kann sie ja gar nicht sein und in der Kolonne geht es ja nicht so flott dahin.
So wie immer zu optimistisch Versya, so wie immer….., aber wir werden es ja übermorgen sehen  😉

Also sage ich zu und mache mich auf den Weg zur Sicherheitstechnik Veranstaltung die Wima EE für Motorrad fahrende Frauen in Estland regelmäßig am Abend veranstaltet.
Passenderweise diesmal mit uns als Claque und ausgewählten Präsidentinnen rund um den Globus, die die unterschiedlichen Aspekte der jeweiligen Länder in ihrer Präsentation der Motorradkultur vor Ort, so wie der üblichen Verkehrssitten gut widerspiegeln. Auch interessant: Japan dürfte das einzige Land sein, das auch für Straßenmotorrad Fahrerinnen „Brustpanzer“ als Standard vorsieht.. Kenne ich sonst nur vom Motocross und da bei beiden Geschlechtern.

Wima EE hat auch einen Folder aufgelegt, der die Vorteile der Sicherheitsbekleidung gut darstellt. Ich stimme mich mit Annelie ab, wir dürfen die Fotos (alles Wima EE Member) verwenden, wenn wir einmal eine ähnliche Infobroschüre auflegen sollten.

Danach stürze ich  mich kurz in das Estnische Nachtleben – so wie immer: Essen, Trinken und laute Musik…und es gibt auch die Preisverleihung für die erfolgreichen Teams der Rätselrally. Ein Team dürfte tatsächlich die Anzahl der Koffer richtig gezählt haben und das macht den wesentlichen Unterschied im Endergebnis. Aber das Tagebuch wartet, ich hänge immer noch ca. 1 ½ Tage nach und so kehre ich ins Quartier zurück und beginne mit der Nachführung der Erlebnisse, und das sind – wie frau beim Lesen hier sicher merkt – nicht gerade wenige.
Etwas später stoßen noch Renate und Su dazu und wir diskutieren über unsere letzten Erlebnisse, die aktuellen Infos der letzten NP Wahl, und so wird es wieder spät und das Tagebuch bleibt weiter unvollständig.

Arktischer Sommer in Tallinn

Wer hätte das gedacht?
Als wir vor diesem Stand  in Tallinn standen hatte es angenehme 17-20° und der Winter war noch fern.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wir vor den langen Zipfelmützen gestanden sind und gerätselt haben, wie frau diese tragen soll? Immerhin hingen sie doch bis beinahe zum Boden hinunter?
Die nette Verkäuferin hat es uns dann erklärt. Und, wie man auf dem  zweiten Bild erkennen kann: Es bringt bei den aktuell herschenden arktischen Temperaturen wohlige Wärme.

Heute stehe ich mit meinem Hund im Park und freue mich, dass ich damals zugeschlagen habe.

Das nenne ich einmal Vorraussicht!  Oder bin ich doch eher Hexe?

Aber wie kam es überhaupt dazu, warum Tallinn, werden sich manche fragen, die möglicherweise die Beschreibung der langen Anreise versäumt haben.
Tallinn, die alte Hanse Stadt, die im Laufe der Geschichte schon so viel erleben musste und trotz allem einen relative ursprünglichen Altstadtteil aus der Gotik erhalten konnte. Und, nebenbei, ist sie auch noch die Hauptstadt von Estland.

Da wir nun schon in Estland sind, und  zumindest ein kultureller Sightseeing Event während einer Wima Rally Standard ist, was lag daher näher, als eine organisierte Besichtigungstour zu unternehmen. Natürlich bestens organisiert durch unsere Wima EE

Schon bei der Busfahrt werden wir von der netten Tourguide in die vielen Aspekte der estnischen Vergangenheit, aber auch der Gegenwart – mit ihrem schnellen Wandel, weg vom kommunistischen Satellitenstaat, zu einem modernen und sehr progressiven Staat – eingeführt.

Sie schildert sehr anschaulich die Spaltung der Gesellschaft in arm und wohlhabend, Esten und Russen. Nach Ihren Aussagen, ist es wohl noch ein langer Weg, bis diese Bevölkerungsgruppen eine größere Annäherung haben werden.

Auch die Natur und Fauna bleibt nicht zu kurz, die Unterschiede und Ähnlichkeiten zur finnischen Sprache werden kurz erläutert. Und, so sind wir schon sehr gut eingeführt, als wir die Plattenbauten der Tallinschen Vororte erreichen.

Unser erster Stopp findet an der  Sängerfestwiese statt.

Von hier aus startete die nationale Bewegung der Esten, die im Endeffekt zur Loslösung von der Sowietunion geführt hat.

 

Als Kontrastprogramm zur spektakulären Sängertribüne, geht es nun weiter in die Oberstadt, die viele öffentliche Gebäude und die Alexander-Newski Kathedrale beherbergt.

Dort oben gibt es auch eine riesige Aussichtsterasse (Kohtuotsa), mit grandioser  Aussicht auf den Hafen und die untere Stadt.
Durch die Gasse (Pikk) geht es hinunter in den zweiten Teil der Stadt, der noch alte Strukturen hat und einem Labyrinth gleicht. Wie eine Perlkette stehen hier noch alte Bürgerhäuser aus der gotischen Zeit.

Irgendwie ein Wunder, dass hier noch so viele alte Gebäude und Stadtmauern erhalten geblieben sind und jetzt, liebevoll restauriert, ein natürliches Tourismusziel darstellen. Und von diesen gibt es hier in den engen Gässchen mehr als genug.
Es ist trotzdem eine Freude durch die  Gässchen zu schlendern und die kleinen Auslagen der Geschäfte zu betrachten. Dazwischen gibt es immer wieder Lokale, und mit fortgeschrittener Zeit, treibt es auch uns in ein Lokal, in der Nähe des alten Rathausplatzes.

Die alte Hanse ist ein im Mittelalter Stil gehaltenes Lokal, mit urigen Speisen, die auch in und auf Tongeschirr serviert wird. Also Ritteressen auf Burg Lockenhaus, in Tallin eben. Das  Preis –Leistungsverhältnis ist aber nicht so berauschend und ein Besuch am WC lässt vermuten, dass die Mittelalterkulisse  nur als Ablenkung von den vorsintflutlichen Toiletten aufgebaut wurde.

Oder vielleicht doch, wegen der Touristen?  😉
Auf jeden Fall sind die Reserven wieder aufgefüllt und so geht die Tour weiter durch die Gassen.
Obwohl die Sonne warm herunterscheint  kaufen wir am Souvenierstand, an der alten Stadtmauer, wirklich warme traditionelle Wintermützen ein. Mit wolligen, gefüllten  Taschen geht es weiter zur NO Seite der Stadtmauer, wo entlang der Stadtmauer mit den imposanten Türmen, ein Park und ein Teich unterhalb der Oberstadt zum Ausruhen einlädt.

Auf einer Parkbank habe ich endlich die Gelegenheit mein Tagebuch mit den Ereignissen der letzten Tage aufzufüllen.

Die Sonne scheint, es ist angenehm warm (eher selten, ohne Motorrad Kluft) und die Parklandschaft ist endlich in der Lage auch mich herunter zu holen und einfach nur den Moment zu genießen.
Eigentlich  zu schnell ist die Zeit vorbei, und wir treffen uns wieder beim Bus.

Die Rückfahrt vergeht wieder schnell und wir müssen uns auf den Trash Evening einstimmen.

Jede vertretene Nation hat eine verrückte, irrsinnige, oder einfach unpassende Aktion vorbereitet, die vor dem versammelten Publikum vorgeführt wird.

Da gibt es Pinneaple Pen, Kinderlieder auf holländisch, deutsche Massenkundgebung

 

a‘la Fußballmatch, Löffel und Trommelmusik, Wiener Walzer, etc…

 

Schräg eben. Das parallel aufgetischte Abendessen ist mehr als nur üppig, und die Qualität ausgezeichnet, es fällt richtig schwer nicht alles zu kosten.

Und wieder wird es spät, bis wir ins Bett kommen.

Wima Austria trailer

Die Wochenende sind grau in grau, die beste ALternative dazu ist:

Bunte Bilder in bunte Filme zu verwandeln 😉

Voi’la, Stunden später:

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Video-Link: https://youtu.be/POHaoIyEWfw

Jännerausfahrt

Wima India rief zu einer Teilnahme an ihrer großen #we_are_one Tour auf.

Leider ist das Wetter hier in Österreich, Mitte Jänner, ganz anders als in Indien. 😉

Aber das soll keine Entschuldigung dafür sein, nicht zu fahren!

Um die weltweite Teilnahme an dieser Fahrt zu würdigen, wurde eine der österreichischen Wima’s ausgewählt, um diese Mission zu übernehmen.

Komischerweise wurde ich für diese Aufgabe auserkoren, und doch habe ich sie gerne angenommen. 🙂

Das Wetter war glücklicherweise für Jänner eher moderat kalt und so konnte meine 1/2 Tages  #we are one Tour beginnen.

Damit begann ich an der nordöstlichen Grenze von Wien, kurz vor Mittag.
Es war etwas neblig und es hatte ca. 5° Celsius.
Aber ich war in mehreren Schichten Kleidung gehüllt und so war es überhaupt nicht kalt. – naja, die Finger, so wie immer. Also die Griffheizung auf max, und durch.

Zuerst ging es nach Norden durch die schönen – oder besser gesagt: die normalerweise schönen – Hügel im nördlichen Bereich des Kreuttals.
Die meiste Zeit war ich  auf bekannten Pfaden unterwegs, war aber überrascht, einen hölzernen Aussichtsturm mitten im Nirgendwo zu finden.
Seltsam, ich habe ihn vorher nie gesehen?

Ich bin  von der Straße auf eine Schotterstraße abgebogen, die direkt in Richtung Turm führte.
Natürlich verwandelte sich diese Schotterpiste sehr schnell in eine tiefe Piste – Überraschung! und ich musste die schwere Versys mit ihren Straßenreifen auf dem glitschigen Untergrund meistern.
Aber ich habe es ohne gröbere Probleme geschafft, ohne Unfall dorthin zu gelangen. 🙂

Natürlich kletterte ich dann noch die Treppe hinauf – das war bei weitem Anstrengender, als die Gatschtour – und bewunderte die neblige Aussicht. 😉

 

Nach dem Auf- und Abstieg fuhr ich weiter nach Laa/Thaya , wo ich vor dem Rathaus anhielt, um ein weiteres Dokumentar-Foto zu machen.
Normalerweise gibt es   ein sehr gutes Eis am Hauptplatz, komischerweise hatte ich aber heute so überhaupt keine Lust darauf.  😉

Nach einer kurzen Fotosession ging die Tour weiter über die tschechische Grenze, zuerst  in Richtung Znojmo, und in dann einem kleinen Bogen nach Norden, wieder über die offene Grenze zurück nach Österreich.   Schotterpiste sei Dank, weiter abwechslungsreich.

 

 

 

Ich fand einen großen Hügel (Galgenberg), der mit Weinkellern regelrecht bedeckt war.

Umgeben von den Weinbergen wurde ein weiteres Foto gemacht, dann drehte ich endgültig  um und fuhr zurück in Richtung   Süden, nach Wien.

 

 

 

 

Und, es war höchste Zeit, denn es wurde schon dämmrig.

Hmm, ich nehme an, ich hätte doch etwas früher zu fahren beginnen sollen, aber das grau in grau am Morgen war so wenig einladend.
Nun, ich kenne meinen Weg (größtenteils) und so komme ich nach ca. 2 Stunden wieder sicher nach Hause zurück.

Ich habe die Kälte während der Fahrt nur wenig gefühlt, aber in der letzten Stunde kroch die Kälte dann doch durch alle meine Schichten, und so war ich wirklich glücklich, als ich die Lichter von Wien das erste Mal gesehen habe.
Nach der Fahrt nahm ich eine sehr heiße Dusche und eine Tasse Tee.
Ich denke, die habe ich mir wirklich verdient  🙂

 

Weihnachtsbikerin

Es ist die Zeit des Jahres, in der wir uns mit unserer Familie treffen und die Feiertage, die Geschenke und die fantastischen Gerichte genießen.

Aber es gibt noch eine andere Seite von Weihnachten.

Und so versammelt sich seit 3 Jahren eine kleine Gruppe ostösterreichischer MotorradfahrerInnen an den letzten Tagen vor Weihnachten.
Sie verkleideen ihre Motorräder als Bäume, Schlitten, oder Renntiere. Putzen sie  mit Geschenken und Christbaumschmuck auf. Sie sammeln Geld, und machen Sie dann eine Sternfahrt aus allen Himmelsrichtungen zum Schwarzenbergplatz, seltsam gekleidet, in roten und weißen Kleidern.
Von dort aus fahren sie in einer großen Gruppe und mit Polizeibegleitung zum St. Anna Kinderspital.

Das Personal begrüßt sie, da die Kinder (die meisten von ihnen mit Krebs, oder Leukämie) keinen direkten Kontakt mit ihnen haben dürfen und nur durch die Fenster das Festtagsspektakel in ihrem Hof beobachten.
Die Geschenke werden unter dem Weihnachtsbaum für die spätere Abendveranstaltung abgelegt. Und die fröhliche Gruppe wird mit heissem Punsch (natürlich ohne Alkohol!) gefeiert, singt ein paar Weihnachtslieder (nicht ihr bester Teil 😉 ) und dann fährt diese komische Truppe zurück zu ihrem ersten Sammelpunkt.

Auf dem Hin- und Rückweg zaubern sie den meisten Schaulustigen ein Lächeln ins Gesicht. Süßigkeiten werden Kindergruppen zugeworfen, und das erzeugt bei ihnen  ein ganz kleines, warmen Glühen, innen drinnen.
Und das ist der Grund, warum, es  auch nächstes Jahr, ganz sicher, wieder so eine Veranstaltung geben wird  🙂

Ein gelungenes Video mit den wichtigsten Momenten, von Khosro Kashanipour VP,   der ebenfalls dabei war.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/W2O03sl3gbA

Wima Rally 2017, Estnische Svenja Tour

Wir sind da! Beim Aufstehen können wir es eigentlich noch gar nicht glauben. 2750 KM ohne Probleme, keine Pannen, keine Unfälle, immer wieder Regen, aber auch immer wieder schöne Tage.

Wir haben so vieles von Land und Leute  am Weg hierher gesehen. Jetzt wird es Zeit Estland kennen zu lernen!

Das Programm der Estnischen Wima’s ist sehr beeindruckend und zeigt, dass wir nur wenig Zeit für sonstige Aktivitäten haben werden  ;-), umso schöner ist es, dass wir den heutigen Tag (als Anreisetag für alle restlichen Wimas) noch für uns nutzen können. Erst am Abend startet dann der offizielle Teil der Rally.
Das Frühstück funktioniert schon sehr toll, also das erhoffte Verbesserungspotential wurde sowohl von Tempo und Umfang der Küche dramatisch verbessert.

Nach dem Frühstück steigen wir auf unsere, nun etwas leichteren, Motorräder und düsen in Richtung Osten.

 

 

Es gibt im Prinzip nur 3 Ziele:

  • Bis zur russischen Grenze zu fahren, um, aus unserer Sicht,  wirklich ganz am Anschlag zu sein.
  • Auf der Strecke, so viel als möglich, Svenjas Ziele vom Tag 15 und 16 im Baltikum zu besuchen, jaahaaa!
  • Und trocken und heil wieder nach Hause zu kommen.

Die Sonne scheint, der Verkehr ist sehr ruhig, die Navigation ist schon vor Wochen grob durchgetüftelt, was soll da schon schiefgehen?

So brechen wir mit hurtigem Tempo auf, einmal um Rakvere herum. Die markante und große Burg muss bis Donnerstag warten, da ist sie Programmpunkt der Rally und wird von uns daher im Moment nur aus der Entfernung betrachtet.

So sind wir relativ rasch an der Abzweigung bei Sake die uns in Richtung Velaste führt. Die Straße ist schmal, aber perfekt asphaltiert und führt den größten Teil an der Steilküste zur Ostsee entlang, so dass wir immer wieder einen Blick auf das Meer werfen können. So erreichen wir zügig Velaste Juga den 30m hohen Wasserfall (der in dieser flachen Region eigentlich eher unerwartet ist) den schon Svenja besucht hat.
Es stimmt, der Wasserfalltrichter ist beeindruckend, der Wasserfall eher weniger, die abgebrochene Zuseher Plattform wieder etwas mehr. Schade eigentlich, dass diese nicht wieder repariert wurde. Die gesperrte Doppelspirale der Wendeltreppe, die zur Plattform führt, wäre für sich schon eine Herausforderung.  😉
So schauen wir halt über den Felsenrand, der, für österreichische Verhältnisse völlig undenkbar, komplett ungesichert ist. Und nach den Spuren zu urteilen, aber rege besucht wird.

Nach einem kurzen Stopp im Kaffee gegenüber (WC für alle, und Kaffee für Su und Renate, – ich nutze die Sonne zu einem kleinen Nickerchen) geht es weiter entlang der Küste bis wir kurz vor Sillamäe, wieder auf die Hauptstraße ausgespuckt werden. Von der Hauptstraße  aus, schauen die Plattenbetonbauten der Ostblock Ära nicht sehr einladend aus, und so fahren wir gleich weiter in Richtung Petersburg! Ja, das steht jetzt wirklich schon, neben Narva, als Ziel angeschrieben.
Schlussendlich erreichen wir Narva. Die Stadt schaut für unsere Augen anders aus, als die bisherigen Städte die wir in Estland angetroffen haben. Sowohl die Größe, als auch die Dimension der Shopping Häuser in den Außenbezirken der Stadt sind beeindruckend, und gleichzeitig ein wenig morbid.

Wir erfahren erst später, dass Narva zu einem sehr großen Teil russisch bewohnt ist, ob das den Unterschied ausmacht?
Auf jeden Fall kämpfen wir uns, gegen den immer mehr anschwellenden Verkehr und einem halsbrecherischen Kreisverkehr bis zum Grenzübergang vor.
Massive Zäune, Kameras, Schranken, etc… vermitteln schon einen sehr düsteren Eindruck.
Und dort passiert zum ersten Mal etwas, was uns bisher nicht passiert ist: Wir dürfen kein Foto machen! Ein Zöllner der uns auf Russisch, estnisch erklärt, dass wir hier nicht stehen, halten, fotografieren dürfen. Okeeee?

Wir rücken daher ein wenig ab vom Grenzübergang. Am davor liegenden Parkplatz halten wir, und  dort machen wir unsere Fotos. Danach geht es nochmal über den Kreisverkehr zum südlichen Teil der Hermannsfeste, wo wir vom Parkplatz zur Narva gehen, um den Grenzfluss aus der Nähe zu betrachten.  Auch die Festung  am russischen Ufer schaut trotzig und riesig aus.  Daneben baden am Ufer Kinder, ob ihnen klar ist, wie angespannt die Situation in Estland seit der Anektion der Krim tatsächlich ist?
Im Hinterland üben im Moment britische und Nato Militärs, versteckt in den Wäldern ( immer wieder passierte es, dass ein britisches Militärfahrzeug aus den Wäldern auf die Straße fährt) für den Ernstfall. Der im Fall des Eintretens wahrscheinlich für die Baltischen Länder verherrend ist, da die Suwalki Lücke ein Nadelörl in der Verbindung zum restlichen Europa darstellt.

Wir treffen am Parkplatz auch zum zweiten Mal auf ein französisches  Pärchen auf einer Honda Pan European, und der Name des Motorrads ist ihr Programm: Für 45 Tage sind sie durch Europa unterwegs, über die Benelux, skandinavischen Staaten und Estland sind Sie bereits gekommen, weiter geht es nach Süden, via den restlichen baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Österreich, Italien, zurück nach Paris.

11.000km sind für die 45 Tage geplant, wir sind beeindruckt. Erst zu Hause rechnen wir uns den Schnitt unserer letzten Tage aus, und sind wieder beruhigt.  😉

Wir sind nun den 9. Tag unterwegs, haben in Riga einen Tag ausgesetzt, und trotzdem am Weg Sehenswürdigkeiten abgeklappert.
Heute ist eigentlich erst ein halber Tag verstrichen, und am Tacho stehen bei mir in Summe 2.950km. Wie viele KM hätten wir bei 45 reinen Fahrtagen abgespult?
Wer mir in den Kommentaren die richtige thoeretische KM Leistung postet – oder, wer am nähesten dran ist, erhält ein original estnisches Präsent von mir zugeschickt.

3 Mädls haben es auf 2 Versys und einer Duke 390!! bis hierher geschafft.
Wir sind den langen Weg hierher ohne Hoppalas, bei mehrheitlich schönem Wetter, gefahren, haben viellerlei besucht, bzw. vom Weg her gesehen und müßten nur noch 130km fahren, um in St. Petersburg anzukommen.  . Dabei haben wir nur wenige unfreiwillige Straßenkilometer befahren, keine Umfaller, oder Gepäck Hoppalas gehabt. Mit unseren ad hoc gebuchten Hotels sind wir immer glücklich gewesen.
Irgendwie erscheint mir diese Situation so unwirklich, und doch, wir sind wirklich da.

Wir nehmen diesen Moment mit und drehen um. Ab jetzt geht es nur noch darum Estland und die Wima’s besser kennen zu lernen.

Bis Jöhvi fahren wir auf der gleichen Strecke zurück, um dort nach Süden in Richtung Peipus See abzubiegen. Am Weg liegt das orthodoxe Nonnenkloster von Kuremaä und dort stoppen wir, um eine Runde über das beeindruckende Gelände zu machen. Das ganze Ensemble ist wunderhübsch, sowohl die Gärten, als auch die Gebäude sind einem perfekten, wunderhübschen Zustand.

Ab und zu wieselt auch eine ältere Nonne durch die Landschaft, und auch die anderen Besucher haben den klassisch russischen Touch. Die ganze Szene hat so etwas von Dr. Schiwago und passt so gut in den Charme der östlichen Region von Estland. 😉

Trotz des nun göttlichen Beistands (ja, wir haben auch das heilige Wasser vor Ort getrunken)  fängt es nun zu regnen an.

In mittlerweile gewohnter Routine ziehen wir uns das Regengewand über und fahren weiter nach Süden. Ich habe mir leichtsinnigerweise die Mesh Handschuhe anbehalten, ohne die Überhandschuhe drüber zu ziehen.

 

 

Schon nach ein paar Minuten wird mir klar, dass das ein Fehler war. Der Regen wird immer stärker und die Temperatur fällt auf 14°.  Die Handschuhe sind sehr schnell durchnässt, aber jetzt ist es zu spät, also Heizgriffe auf max. gestellt und durch. Am Peipus See angekommen müssen wir feststellen, dass das Ufer eigentlich nicht zugänglich ist. Entweder stehen die Häuser der Ortschaften am Ufer, oder ein dichter Waldgürtel, verhindert den Zugang zum See. So umkreisen wir Kilometer für Kilometer den See in Richtung Süden, bis wir kurz vor Lohusuu eine Stichstraße im Vorbeifahren sehen, die bis zum See führen könnte.

Wir drehen im strömenden Regen um, und fahren zurück und hinein in den Waldgürtel. Leider endet die Straße ebenfalls ca. 200m vor dem Ufer an einem Privatgrundstück. Die Schilder sind eindeutig und der schwarze Range Rover mit abgedunkelten Scheiben vor der Garage weckt Erinnerungen an diverse James Bond Filme.

Mir ist es jetzt aber zu blöd und deshalb Umgehe ich einfach das Grundstück in kurzer Distanz, bis ich am Ufer des Peipus See stehe.
Der Wind und Regen lassen den See wie ein weites, aufgewühltes Meer ausschauen.
Ok, der Anblick war es allemal wert, durch das Gestrüpp zu kriechen.

Jetzt aber zurück zu der wartenden Gruppe, die zwar im Wald einigermaßen vor dem Regen geschützt ist, aber natürlich schon ungeduldig wartet.
Da der Regen noch immer anhält biegen wir bei Lohusuu wieder in das Landesinnere ein und fahren am beinahe direkten Weg zurück in Richtung Jäneda. Am Weg hört auch der Regen wieder auf und es wird wieder sonnig bis bewölkt.

Bei Aravete stoßen wir wieder auf die Hauptstraße und füllen unsere Tanks bis zum Anschlag an. Bei der Tankstelle steht, neben einem gehörnten Pinzgauer, auch eine Wima Gruppe die gerade Karten auf der Suche nach einer Schotterstrecke durchforsten.
In den letzten Jahren sind schon so viele estnische Schotterstraßen den Fördermitteln der EU zum Opfer gefallen.
Und so  wichtig das auch für die Infrastruktur ist, damit wird wieder ein  Enduroparadies geschrumpft. Ergo sind Karten nur relativ aktuell, aber Gott sei Dank kenne ich zufällig eine Schotterstrecke gleich ums Eck.  😉

Ich zeige ihnen auf der Karte den ungefähren Anfang der gestrigen Schotterstrecke und Sie machen sich auf, sie zu finden.

Wir aber kehren, nun schon beinahe trocken, wieder nach Jäneda zurück.

Wir sind damit rechtzeitig vor dem heutigen Eröffnungsabend der Wima Rally wieder zurück und bewundern die gewachsene Zeltstadt und die vielen Wimas, aus aller Frauen Länder, die mittlerweile eingetroffen sind.

Die Abendveranstaltung findet wieder im „Stall“ statt und beginnt mit viel Musik, einem estnischen Folklore Auftritt, Ansprache der lokalen Politiker und eine kurze Einweisung in die estnische Sprache, die im Gegensatz zu den anderen baltischen Sprachen, stark verwandt mit Finnisch ist. Ja, und so hört es sich auch an.  😉
Wichtige Worte sind:

Hallo – Tere
Ja – ja
Nein – ei
Danke – aitäh
Bitte! – Palun!
Prost! – Õhtusöök (Klingt aber wie: tervisex)

Und so findet der Abend wieder ein launiges Ende. Sogar ich finde in der Masse der Wima‘s bekannte Gesichter von der letzten Rally in Ungarn.
Für unsere älteren Mitglieder sind es wieder viele Freundinnen auf die sie erneut treffen und mit denen die Erlebnisse des letzten Jahres ausgetauscht werden.

Irgendwann, die genaue Uhrzeit weiß ich nicht. -aber da es ja noch nicht dunkel war  ;-), kann es ja nicht so spät gewesen sein – gehe ich zurück zum Zimmer und lege mich schlafen.  Das Tagebuch muss auf morgen warten

 

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Video-Link: https://youtu.be/JlFIZFiOR6U

Tageskilometer: 410

Wetter, sonnig bis regnerisch.  14-20 Grad

Von hart zu weich

Junior hat bereits im Oktober seine SMC 690 bekommen, seit dem wartet die Husaberg FE 350 darauf zurück gebaut zu werden.

An diesem WE war es endlich so weit und der Umbau ist in 4 Stunden  weitgehend problemlos erledigt gewesen.

 

Alle Teile für den Umbau waren auch noch da (ein Wunder!  😉  ) , nur die Mutter der Hinterrad Achse war beim Ausbau ein wenig bockig.

 

Alleine im Gelände fahren macht bei diesem Wetter wenig Spass.

Mit einer gegenseitigen Motivation (Junior, und ich) und noch wichtiger,  ein em Begleiter  im Fall des Falles  funktioniert es einfach besser und ist auch sicherer.

So, der Gatsch kann kommen!  😉

 

 

 

Kalt (5°), Nebel, Grüne Verkehrspolitik – Spass!

Es wird langsam kalt, und so habe ich mir heute ein lang vermisstes Teil für meinen Helm besorgt.
Das Kinnteil habe ich im Sommer abmontiert und jetzt finde ich es einfach nicht mehr :-/
Aber mittlerweile zieht es mir einfach zuviel ins Gesicht  😉

 

Und, da mir trotzdem noch kalt war und ich mich sowieso schon länger über die dämliche Verkehrsberuhigung der Grünen im 2. Bezirk aufrege,
und ich irgendeine Aktion setzen wollte, habe ich mir einfach einen ganz speziellen Aufwärmparcours gesucht:   🙂

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Video-Link: https://youtu.be/ZbVh1J1h-UQ
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