Versya

Mein schräges Leben

Weihnachtsbikerin

Es ist die Zeit des Jahres, in der wir uns mit unserer Familie treffen und die Feiertage, die Geschenke und die fantastischen Gerichte genießen.

Aber es gibt noch eine andere Seite von Weihnachten.

Und so versammelt sich seit 3 Jahren eine kleine Gruppe ostösterreichischer MotorradfahrerInnen an den letzten Tagen vor Weihnachten.
Sie verkleideen ihre Motorräder als Bäume, Schlitten, oder Renntiere. Putzen sie  mit Geschenken und Christbaumschmuck auf. Sie sammeln Geld, und machen Sie dann eine Sternfahrt aus allen Himmelsrichtungen zum Schwarzenbergplatz, seltsam gekleidet, in roten und weißen Kleidern.
Von dort aus fahren sie in einer großen Gruppe und mit Polizeibegleitung zum St. Anna Kinderspital.

Das Personal begrüßt sie, da die Kinder (die meisten von ihnen mit Krebs, oder Leukämie) keinen direkten Kontakt mit ihnen haben dürfen und nur durch die Fenster das Festtagsspektakel in ihrem Hof beobachten.
Die Geschenke werden unter dem Weihnachtsbaum für die spätere Abendveranstaltung abgelegt. Und die fröhliche Gruppe wird mit heissem Punsch (natürlich ohne Alkohol!) gefeiert, singt ein paar Weihnachtslieder (nicht ihr bester Teil 😉 ) und dann fährt diese komische Truppe zurück zu ihrem ersten Sammelpunkt.

Auf dem Hin- und Rückweg zaubern sie den meisten Schaulustigen ein Lächeln ins Gesicht. Süßigkeiten werden Kindergruppen zugeworfen, und das erzeugt bei ihnen  ein ganz kleines, warmen Glühen, innen drinnen.
Und das ist der Grund, warum, es  auch nächstes Jahr, ganz sicher, wieder so eine Veranstaltung geben wird  🙂

Ein gelungenes Video mit den wichtigsten Momenten, von Khosro Kashanipour VP,   der ebenfalls dabei war.

Wima Rally 2017, Estnische Svenja Tour

Wir sind da! Beim Aufstehen können wir es eigentlich noch gar nicht glauben. 2750 KM ohne Probleme, keine Pannen, keine Unfälle, immer wieder Regen, aber auch immer wieder schöne Tage.

Wir haben so vieles von Land und Leute  am Weg hierher gesehen. Jetzt wird es Zeit Estland kennen zu lernen!

Das Programm der Estnischen Wima’s ist sehr beeindruckend und zeigt, dass wir nur wenig Zeit für sonstige Aktivitäten haben werden  ;-), umso schöner ist es, dass wir den heutigen Tag (als Anreisetag für alle restlichen Wimas) noch für uns nutzen können. Erst am Abend startet dann der offizielle Teil der Rally.
Das Frühstück funktioniert schon sehr toll, also das erhoffte Verbesserungspotential wurde sowohl von Tempo und Umfang der Küche dramatisch verbessert.

Nach dem Frühstück steigen wir auf unsere, nun etwas leichteren, Motorräder und düsen in Richtung Osten.

 

 

Es gibt im Prinzip nur 3 Ziele:

  • Bis zur russischen Grenze zu fahren, um, aus unserer Sicht,  wirklich ganz am Anschlag zu sein.
  • Auf der Strecke, so viel als möglich, Svenjas Ziele vom Tag 15 und 16 im Baltikum zu besuchen, jaahaaa!
  • Und trocken und heil wieder nach Hause zu kommen.

Die Sonne scheint, der Verkehr ist sehr ruhig, die Navigation ist schon vor Wochen grob durchgetüftelt, was soll da schon schiefgehen?

So brechen wir mit hurtigem Tempo auf, einmal um Rakvere herum. Die markante und große Burg muss bis Donnerstag warten, da ist sie Programmpunkt der Rally und wird von uns daher im Moment nur aus der Entfernung betrachtet.

So sind wir relativ rasch an der Abzweigung bei Sake die uns in Richtung Velaste führt. Die Straße ist schmal, aber perfekt asphaltiert und führt den größten Teil an der Steilküste zur Ostsee entlang, so dass wir immer wieder einen Blick auf das Meer werfen können. So erreichen wir zügig Velaste Juga den 30m hohen Wasserfall (der in dieser flachen Region eigentlich eher unerwartet ist) den schon Svenja besucht hat.
Es stimmt, der Wasserfalltrichter ist beeindruckend, der Wasserfall eher weniger, die abgebrochene Zuseher Plattform wieder etwas mehr. Schade eigentlich, dass diese nicht wieder repariert wurde. Die gesperrte Doppelspirale der Wendeltreppe, die zur Plattform führt, wäre für sich schon eine Herausforderung.  😉
So schauen wir halt über den Felsenrand, der, für österreichische Verhältnisse völlig undenkbar, komplett ungesichert ist. Und nach den Spuren zu urteilen, aber rege besucht wird.

Nach einem kurzen Stopp im Kaffee gegenüber (WC für alle, und Kaffee für Su und Renate, – ich nutze die Sonne zu einem kleinen Nickerchen) geht es weiter entlang der Küste bis wir kurz vor Sillamäe, wieder auf die Hauptstraße ausgespuckt werden. Von der Hauptstraße  aus, schauen die Plattenbetonbauten der Ostblock Ära nicht sehr einladend aus, und so fahren wir gleich weiter in Richtung Petersburg! Ja, das steht jetzt wirklich schon, neben Narva, als Ziel angeschrieben.
Schlussendlich erreichen wir Narva. Die Stadt schaut für unsere Augen anders aus, als die bisherigen Städte die wir in Estland angetroffen haben. Sowohl die Größe, als auch die Dimension der Shopping Häuser in den Außenbezirken der Stadt sind beeindruckend, und gleichzeitig ein wenig morbid.

Wir erfahren erst später, dass Narva zu einem sehr großen Teil russisch bewohnt ist, ob das den Unterschied ausmacht?
Auf jeden Fall kämpfen wir uns, gegen den immer mehr anschwellenden Verkehr und einem halsbrecherischen Kreisverkehr bis zum Grenzübergang vor.
Massive Zäune, Kameras, Schranken, etc… vermitteln schon einen sehr düsteren Eindruck.
Und dort passiert zum ersten Mal etwas, was uns bisher nicht passiert ist: Wir dürfen kein Foto machen! Ein Zöllner der uns auf Russisch, estnisch erklärt, dass wir hier nicht stehen, halten, fotografieren dürfen. Okeeee?

Wir rücken daher ein wenig ab vom Grenzübergang. Am davor liegenden Parkplatz halten wir, und  dort machen wir unsere Fotos. Danach geht es nochmal über den Kreisverkehr zum südlichen Teil der Hermannsfeste, wo wir vom Parkplatz zur Narva gehen, um den Grenzfluss aus der Nähe zu betrachten.  Auch die Festung  am russischen Ufer schaut trotzig und riesig aus.  Daneben baden am Ufer Kinder, ob ihnen klar ist, wie angespannt die Situation in Estland seit der Anektion der Krim tatsächlich ist?
Im Hinterland üben im Moment britische und Nato Militärs, versteckt in den Wäldern ( immer wieder passierte es, dass ein britisches Militärfahrzeug aus den Wäldern auf die Straße fährt) für den Ernstfall. Der im Fall des Eintretens wahrscheinlich für die Baltischen Länder verherrend ist, da die Suwalki Lücke ein Nadelörl in der Verbindung zum restlichen Europa darstellt.

Wir treffen am Parkplatz auch zum zweiten Mal auf ein französisches  Pärchen auf einer Honda Pan European, und der Name des Motorrads ist ihr Programm: Für 45 Tage sind sie durch Europa unterwegs, über die Benelux, skandinavischen Staaten und Estland sind Sie bereits gekommen, weiter geht es nach Süden, via den restlichen baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Österreich, Italien, zurück nach Paris.

11.000km sind für die 45 Tage geplant, wir sind beeindruckt. Erst zu Hause rechnen wir uns den Schnitt unserer letzten Tage aus, und sind wieder beruhigt.  😉

Wir sind nun den 9. Tag unterwegs, haben in Riga einen Tag ausgesetzt, und trotzdem am Weg Sehenswürdigkeiten abgeklappert.
Heute ist eigentlich erst ein halber Tag verstrichen, und am Tacho stehen bei mir in Summe 2.950km. Wie viele KM hätten wir bei 45 reinen Fahrtagen abgespult?
Wer mir in den Kommentaren die richtige thoeretische KM Leistung postet – oder, wer am nähesten dran ist, erhält ein original estnisches Präsent von mir zugeschickt.

3 Mädls haben es auf 2 Versys und einer Duke 390!! bis hierher geschafft.
Wir sind den langen Weg hierher ohne Hoppalas, bei mehrheitlich schönem Wetter, gefahren, haben viellerlei besucht, bzw. vom Weg her gesehen und müßten nur noch 130km fahren, um in St. Petersburg anzukommen.  . Dabei haben wir nur wenige unfreiwillige Straßenkilometer befahren, keine Umfaller, oder Gepäck Hoppalas gehabt. Mit unseren ad hoc gebuchten Hotels sind wir immer glücklich gewesen.
Irgendwie erscheint mir diese Situation so unwirklich, und doch, wir sind wirklich da.

Wir nehmen diesen Moment mit und drehen um. Ab jetzt geht es nur noch darum Estland und die Wima’s besser kennen zu lernen.

Bis Jöhvi fahren wir auf der gleichen Strecke zurück, um dort nach Süden in Richtung Peipus See abzubiegen. Am Weg liegt das orthodoxe Nonnenkloster von Kuremaä und dort stoppen wir, um eine Runde über das beeindruckende Gelände zu machen. Das ganze Ensemble ist wunderhübsch, sowohl die Gärten, als auch die Gebäude sind einem perfekten, wunderhübschen Zustand.

Ab und zu wieselt auch eine ältere Nonne durch die Landschaft, und auch die anderen Besucher haben den klassisch russischen Touch. Die ganze Szene hat so etwas von Dr. Schiwago und passt so gut in den Charme der östlichen Region von Estland. 😉

Trotz des nun göttlichen Beistands (ja, wir haben auch das heilige Wasser vor Ort getrunken)  fängt es nun zu regnen an.

In mittlerweile gewohnter Routine ziehen wir uns das Regengewand über und fahren weiter nach Süden. Ich habe mir leichtsinnigerweise die Mesh Handschuhe anbehalten, ohne die Überhandschuhe drüber zu ziehen.

 

 

Schon nach ein paar Minuten wird mir klar, dass das ein Fehler war. Der Regen wird immer stärker und die Temperatur fällt auf 14°.  Die Handschuhe sind sehr schnell durchnässt, aber jetzt ist es zu spät, also Heizgriffe auf max. gestellt und durch. Am Peipus See angekommen müssen wir feststellen, dass das Ufer eigentlich nicht zugänglich ist. Entweder stehen die Häuser der Ortschaften am Ufer, oder ein dichter Waldgürtel, verhindert den Zugang zum See. So umkreisen wir Kilometer für Kilometer den See in Richtung Süden, bis wir kurz vor Lohusuu eine Stichstraße im Vorbeifahren sehen, die bis zum See führen könnte.

Wir drehen im strömenden Regen um, und fahren zurück und hinein in den Waldgürtel. Leider endet die Straße ebenfalls ca. 200m vor dem Ufer an einem Privatgrundstück. Die Schilder sind eindeutig und der schwarze Range Rover mit abgedunkelten Scheiben vor der Garage weckt Erinnerungen an diverse James Bond Filme.

Mir ist es jetzt aber zu blöd und deshalb Umgehe ich einfach das Grundstück in kurzer Distanz, bis ich am Ufer des Peipus See stehe.
Der Wind und Regen lassen den See wie ein weites, aufgewühltes Meer ausschauen.
Ok, der Anblick war es allemal wert, durch das Gestrüpp zu kriechen.

Jetzt aber zurück zu der wartenden Gruppe, die zwar im Wald einigermaßen vor dem Regen geschützt ist, aber natürlich schon ungeduldig wartet.
Da der Regen noch immer anhält biegen wir bei Lohusuu wieder in das Landesinnere ein und fahren am beinahe direkten Weg zurück in Richtung Jäneda. Am Weg hört auch der Regen wieder auf und es wird wieder sonnig bis bewölkt.

Bei Aravete stoßen wir wieder auf die Hauptstraße und füllen unsere Tanks bis zum Anschlag an. Bei der Tankstelle steht, neben einem gehörnten Pinzgauer, auch eine Wima Gruppe die gerade Karten auf der Suche nach einer Schotterstrecke durchforsten.
In den letzten Jahren sind schon so viele estnische Schotterstraßen den Fördermitteln der EU zum Opfer gefallen.
Und so  wichtig das auch für die Infrastruktur ist, damit wird wieder ein  Enduroparadies geschrumpft. Ergo sind Karten nur relativ aktuell, aber Gott sei Dank kenne ich zufällig eine Schotterstrecke gleich ums Eck.  😉

Ich zeige ihnen auf der Karte den ungefähren Anfang der gestrigen Schotterstrecke und Sie machen sich auf, sie zu finden.

Wir aber kehren, nun schon beinahe trocken, wieder nach Jäneda zurück.

Wir sind damit rechtzeitig vor dem heutigen Eröffnungsabend der Wima Rally wieder zurück und bewundern die gewachsene Zeltstadt und die vielen Wimas, aus aller Frauen Länder, die mittlerweile eingetroffen sind.

Die Abendveranstaltung findet wieder im „Stall“ statt und beginnt mit viel Musik, einem estnischen Folklore Auftritt, Ansprache der lokalen Politiker und eine kurze Einweisung in die estnische Sprache, die im Gegensatz zu den anderen baltischen Sprachen, stark verwandt mit Finnisch ist. Ja, und so hört es sich auch an.  😉
Wichtige Worte sind:

Hallo – Tere
Ja – ja
Nein – ei
Danke – aitäh
Bitte! – Palun!
Prost! – Õhtusöök (Klingt aber wie: tervisex)

Und so findet der Abend wieder ein launiges Ende. Sogar ich finde in der Masse der Wima‘s bekannte Gesichter von der letzten Rally in Ungarn.
Für unsere älteren Mitglieder sind es wieder viele Freundinnen auf die sie erneut treffen und mit denen die Erlebnisse des letzten Jahres ausgetauscht werden.

Irgendwann, die genaue Uhrzeit weiß ich nicht. -aber da es ja noch nicht dunkel war  ;-), kann es ja nicht so spät gewesen sein – gehe ich zurück zum Zimmer und lege mich schlafen.  Das Tagebuch muss auf morgen warten

 

Tageskilometer: 410

Wetter, sonnig bis regnerisch.  14-20 Grad

Von hart zu weich

Junior hat bereits im Oktober seine SMC 690 bekommen, seit dem wartet die Husaberg FE 350 darauf zurück gebaut zu werden.

An diesem WE war es endlich so weit und der Umbau ist in 4 Stunden  weitgehend problemlos erledigt gewesen.

 

Alle Teile für den Umbau waren auch noch da (ein Wunder!  😉  ) , nur die Mutter der Hinterrad Achse war beim Ausbau ein wenig bockig.

 

Alleine im Gelände fahren macht bei diesem Wetter wenig Spass.

Mit einer gegenseitigen Motivation (Junior, und ich) und noch wichtiger,  ein em Begleiter  im Fall des Falles  funktioniert es einfach besser und ist auch sicherer.

So, der Gatsch kann kommen!  😉

 

 

 

Kalt (5°), Nebel, Grüne Verkehrspolitik – Spass!

Es wird langsam kalt, und so habe ich mir heute ein lang vermisstes Teil für meinen Helm besorgt.
Das Kinnteil habe ich im Sommer abmontiert und jetzt finde ich es einfach nicht mehr :-/
Aber mittlerweile zieht es mir einfach zuviel ins Gesicht  😉

 

Und, da mir trotzdem noch kalt war und ich mich sowieso schon länger über die dämliche Verkehrsberuhigung der Grünen im 2. Bezirk aufrege,
und ich irgendeine Aktion setzen wollte, habe ich mir einfach einen ganz speziellen Aufwärmparcours gesucht:   🙂

Ankunftstag in Jäneda, Wima Rally 2017 Estland

Jubel, Trubel, Heiterkeit!

Heute ist der letzte Tag der Anreise! Heute Nachmittag sind wir schon in Jäneda und zelebrieren die WIMA Rally 2017 für die nächsten 5 Tage.

Im Gästehaus: http://www.janedaturism.ee/en        und rund um das Schloss

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A4neda

Die bisherige Anreise war spannend, interessant, abwechslungsreich und von vielen wunderbaren Eindrücken begleitet. Eigentlich ist es fast unmöglich, dass unsere Estnischen Wima’s das mit der Rally noch weiter toppen können.

Wir genießen den frühen Morgen und essen uns beim Frühstück noch einmal so richtig an, denn es wird ein langer Tag.
Die erste Hälfte der nächsten 320 km führen uns an der Küste entlang, die weitere Hälfte führt uns dann ab Pärnu in das Landesinnere hinein.

Unerwartet lange dauert es, bis wir die Grenze zu Estland, knapp vor Pärnu, erreichen.

Davor durchfahren wir noch in Salacgrīva die Ausläufer des Positivus Festivals,mit seinen kilometerlangen Campingplätzen entlang der Straße. Die Festivalbühne selbst, ist ein wenig in den Wald hinein versetzt.

Der Menschenauflauf ist riesig, der letzte Tag dieses 3-tägigen Open Air Events zieht offensichtlich noch viele Zuhörer an.

In mittlerweile guter Tradition gibt es wieder ein gelungenes Foto an der Grenzstelle, die gerade im Umbau ist, aber mit drei Motorrädern findet frau auch mitten im Chaos einen ruhigen Platz.
Wir verlassen kurz die Bundesstraße um in Pärnu eine Estnische Fahne zu besorgen, damit wir bei der Einfahrt nach Jäneda entsprechend geschmückte Motorräder haben (unsere Fahnen haben wir ja mitgebracht)

In unsere Haare haben wir schon am Morgen die blauen, schwarzen und weißen Wollzöpfe eingeflochten.
Die Farben Blau=Treue und Vertrauen, Schwarz=die Ahnen und die Vergangenheit, Weiß=Schnee und Zukunft die durch die Estnische Fahne symbolisiert werden sollen, werden so von uns bereits mitgetragen.

Leider gibt es in Pärnu keinen Souvenir Shop, oder ähnliches, und so brechen wir, unverrichteter Dinge, kurz darauf auf ins Landesinnere.
Der Verkehr wird weniger und beschränkt sich auf einzelne Autos und LKW’s die schon bald wieder aus dem Sichtfeld verschwinden.

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Bei einer Baustellen Ampel werden wir angehalten und beobachten einen LKW, der  die aufgerissene Straße vor uns mit reichlich Wasser staubfrei hält.
Nach einer Weile wird die Ampel auf Grün geschalten und los geht es.
Habe ich schon erwähnt, dass die Versys im Stehen angenehm zu fahren ist? Mit flotter Geschwindigkeit geht es auf den nächsten Kilometern weiter nach Osten, irgendwann überhole ich auf der Strecke auch noch den Wasser verteilenden LKW, aber eigentlich ist es zu spät, die Versys ist bis hinauf zum Sitz bereits voller Schlammspritzer.

Naja, es regnet sowieso bald wieder  😉 Dann am besten noch eine Panier aus Staub dazu, dann fällt das meiste von alleine ab.  🙂 Und so geht es im flotten Tempo einfach weiter die Schotterstrecke entlang. Ab und zu kommt ein Auto, Bus oder LKW entgegen, anscheinend haben die Ampeln auch nur einen symbolischen Wert? Aber als Österreicherin ist frau gewohnt, flexibel mit kulturellen Eigenheiten umzugehen, daher werden wir das zukünftig einfach auch so machen  😉

Irgendwann geht auch diese endlos lange Baustelle zu Ende und ich steige im Schatten eines kleinen Obstbaums ab, um mir eine rein symbolische Zigarette anzuzünden.
In Summe werden es wohl 2 Zigaretten, bis unsere kleine Gruppe wieder beisammen ist. 😉

Aber die Ruhe im Schatten war angenehm, und so machen wir alle eine kurze Pause und bewundern unsere wunderschön mit Dreck und Staub bedeckten Motorrädern.
Das Negative:  Sauber ist anders.  Das Positive: Die Motorräder schauen aus, als ob wir die Hälfte der Anreise auf Schotterstrecken zurückgelegt hätten. D.h. wir sind jetzt richtige Abenteuermotorradfahrerinnen! 😉

Wir setzen kurz darauf unsere Fahrt wieder fort, und dass, das bis jetzt nicht passiert ist, passiert ab sofort laufend: Wir stoßen auf Wima Gruppen, bei Tankstellen, bei Cafehäusern, oder vor Lokalen an denen wir vorbei fahren.

Die meisten sind aus D, aber auch Briten und Polen sind dabei. Kurz stoppen auch wir zum Tanken, aber es drängt uns weiter, nach so langer Fahrt wollen wir auch endlich ankommen.

Es dauert noch relativ lange bis kurz nach Aravete das erste Mal Jäneda angeschrieben ist. Die Richtung stimmt, der Weg ist frei, also ab ins Finale!

Wir montieren am Straßenrand unsere mitgebrachten Österreich Fahnen an den Motorrädern und freuen uns auf den Zieleinlauf nach ca. 2750 km an erlebnis- und abwechslungsreicher Fahrt.

Ca. 12 km vor Jäneda verlassen wir die Hauptstraße und biegen bei Käravete (hmm, der Name kommt mir bekannt vor?)  nach Norden ab, die Spannung steigt. Die Bilder des Herrensitzes waren bereits sehr einladend, jetzt wird er für die nächsten 5 Tage ein Frauensitz.  😉 Ein klassisch estnisches Gut, so wie viele, die wir bereits auf unserem bisherigen Weg entlang der Straßen gesehen haben, dass liebevoll in Stand gesetzt wurde und von Seen und Wiesen umgeben ist.

Nach wenigen Minuten das Ortsschild, und an der ersten Kreuzung ein erstes dezentes Hinweisschild „Wima“, das uns auf den letzten 200m bis zum Parkplatz vorm Gästehaus begleitet.

Dort parken wir uns in der ersten Reihe, schnappen uns die ersten Gepäckstücke und marschieren zur Rezeption, wo wir von den Wimas aus Estonia mit „Tere!“ in Empfang genommen werden.

Diese Begrüßung hat so etwas von Benjamin Blümchen, aber auch andere Worte wie Aithä (danke), klingen für unsere Ohren zuerst nach etwas anderem. Aber mehr dazu am nächsten   Abend, auch wenn wir das noch nicht wissen.

Zuerst werden die Formalitäten erledigt und dann geht es mit unserem Willkommens-Goody-Bag zum Zimmer.
Der Blick aus dem Fenster zeigt Richtung Campingwiese, wo auch gerade die ersten Zelte aufgebaut werden.

Zuerst ein wenig Ballast in Form von Gewand und Helm im Zimmer abgeworfen und dann zurück zum Motorrad, um die restlichen Taschen und Koffer aufs Zimmer zu holen.
Während die anderen sich am Gelände umsehen, nutze ich die frühe Ankunft dazu, ein wenig auf Svenjas Pfaden zu wandern.

 

Es gab es ein Stück Schotterstraße ca. 10km südlich von hier, auf dem auch Svenja auf ihrer Tour vorbei gekommen ist. Genau handelt es sich um den Abschnitt Albu – Paunküla , der irgendwie über Napu führt, mehr konnte ich aus den Karten nicht erkennen. Die Gegend besteht dort aus Wald und Moore, und die falschen Wege enden immer irgendwo im Nirgendwo. Aber wo eine KLX durchkommt, das schaffe ich mit einer Versys und Straßenreifen auch  😉

Natürlich ist es dann nicht so schlimm, bis auf ein paar tiefere Passagen mit feuchtem Untergrund ist es ein wunderbarer Weg. Es geht zuerst mehrheitlich über Wiesen, dann durch Waldstücke, bei Napu wieder über eine Wiese, um dann wieder in Wald und Moore überzugehen.

Dennoch bin ich froh, dass ich das Gepäck entfernt habe, die Strecke ist nur 1 spurig, und es gibt erstaunlicherweise doch 2 mal ein Auto, dass mir entgegen kommt.


In dem Gewirr von Wegen versuche ich am rechten Weg zu bleiben und schaffe tatsächlich, ohne mich ein einziges Mal zu verfahren, die 30km bis zum Paunküla Stausee.

Die Sonne scheint, es sind viele Leute am „Strand“ und im Wasser. Naturgemäß werde ich mit der Versys und der Motorrad Montur wie eine Außerirdische angestarrt. Irgendwie kann ich es ihnen auch nicht verübeln.  🙂

Also, nur ein kurzer Fotostop und weiter geht es, am Campingplatz vorbei, nach Norden weiter über Schotter und dann über die neu asphaltierte 207 und weiter über die 125 im, zugegebenermaßen, sehr flotten Tempo zurück nach Jäneda.

Nach dieser kleinen (80km) Spritztour, die noch viel mehr Lust auf mehr gemacht hat, komme ich ins Quartier zurück.

Jetzt heißt es sich noch schnell hübsch zu machen (Moto Gewand vom Leib reißen, Duschen und normales Gewand anziehen) und zum „Black Stallion Stable“ wandern, der ca. 200m vom Gästehaus entfernt ist.
Hier gibt es das Essen und auch die jeweiligen Abendveranstaltungen lt. Programm finden hier statt.

Hoffentlich regnet es nicht zu oft, sonst wird das Ganze bei den erwarteten Durchschittstemperaturen von 14-20 Grad eine feucht kühle Angelegenheit.

Im „Stall“ angekommen treffe ich die fröhliche, aber auch ausgehungerte Schar der bereits angekommen Wimas. Irgendwie muss sich das mit der Bedienung und Kocherei wohl noch einspielen.

Wir vertreiben uns die Zeit mit einer improvisierten Band aus allen Frauen Länder und haben unseren Spaß. Als das Essen schlussendlich doch kommt (da wird es wohl fast 22 Uhr sein) ist es sehr gut, immerhin. Wollen wir hoffen, dass morgen, wenn alle Wimas da sind, alles schon runder läuft.

Da es diesmal viel zu spät wird, bleibt keine Zeit für das Tagebuch.

Am Nachhauseweg, um 23:00 Uhr

Da morgen noch der offizielle Ankunftstag ist, und das Programm erst am Abend startet, muss ich noch eine Ausfahrt für morgen fertig planen, ich hab da so ein paar Ideen.  😉

 

Riga, Anreise Wima Rally 2017, Tag 7

Wir sind diesmal sehr spät aufgestanden, vielleicht war es gestern doch ein wenig zu spät? Zuerst die lange Fahrt, Schlossbesuche, Tour in die Altstadt. Manchmal will ich wohl einfach zu viel.  😉

Erst um ca. 7:00 haben wir zum ersten Mal die Beine aus dem Bett gehievt. Danach haben wir in aller Ruhe dem – wieder einmal – üppigen Frühstücksbuffet zugesprochen.
Lustig war, dass am Nachbartisch Österreicher aus einer Busgruppe ebenfalls vor Ort waren, darunter auch ein Motorradfahrer.
Er hat uns doch wirklich gefragt, warum wir gerade hierher fahren, wo es doch so flach ist?
Also das Flach war bisher nicht so schlecht. Und Land und Leute haben das nochmals augepeppt.
Und, nur gerade – wie befürchtet – waren die Straßen ebenfalls nicht. 😉

Nach diesem kurzen Gespräch machten wir uns schnell ausgeh fertig – mit unserer eingeschränkten Garderobe ist es auch gar nicht so schwer ein passendes Outfit zu finden  😉 – und brechen erneut in die Innenstadt auf.
Die Reiseführer haben wir schon vorab zu Hause, und am Vortag, ausgiebig gewälzt und daher wissen wir genau, wohin wir heute überall hin wollen.
Im Prinzip ist die gesamte Altstadt unser Ziel.  🙂
Auf Grund der Sowjet Besetzung, so sehr sie für die Letten  bedauerlich und mit viel Leiden einher gegangen ist, ist die Bausubstanz der Altstadt nach den vielen Renovierungen in einem einzigartigen Zustand und wunderhübsch anzusehen.


Als markanter Punkt bietet sich zum Start der wieder errichtete Petri Dom an.
Er wurde im 2. Weltkrieg zerstört und erst mit dem Ende der Sowjet Ära konnte er wieder restauriert werden.
Es gibt keinen Aufstieg sondern nur einen einzigen Aufzug, der wohl auch aus der Sowjet Ära ist.
Vollgestopft wie Sardinen bewegt er sich mit uns ganz langsam zwischen Oberstock der Kirche hinauf auf den Turm.


Der Rundgang am Turm ist ebenfalls sehr eng, aber es reicht, um sich einen schnellen Überblick von Riga zu machen.

 

 

 

Die alten Gildehäuser sind ebenfalls großartig und die davor musizierende  Dixieband  (Hot Express) ist noch mehr stimulierend.
Ihre Musik läßt uns gerne eine Weile vor Ort bleiben. Su und ich kaufen sogar eine CD von  ihnen. Ein Hörbeispiel gibt es hier :

Es ist richtig warm und wir flüchten uns in eine Konditorei um ein wenig Flüssigkeit zu tanken, und unsere müden Füße auszuruhen.
Das langsame Schlendern über die Pflastersteine ist ungewohnt und erfordert eine laufende Konzentration, um nicht zu stolpern.
Im Laufe des Tages durchlaufen wir die gesamte Altstadt und noch ein wenig mehr.
Viele kleine Gassen und alte Gebäude, alle liebevoll restauriert, laden zum Fotografieren und Verweilen ein.

 

 

Die Haarband Einflechter in Krynica Morska sind uns noch in guter Erinnerung und so starten wir nebenbei die Suche nach blau, schwarz und weisen Bändern, die wir uns in die Haare flechten wollen, um standesgemäß in Estland einzureisen.
In einem Wollladen, der geradezu mit Wolle übergeht werden wir fündig und decken uns mit Wollknäuel und ein paar Wollaccessoires ein.
Am Rückweg stoppen wir noch kurz am Hauptbahnhof und dem dazu gehörigen Shopping Center und decken uns für morgen mit Wasser und Proviant ein.
Als wir zum Hotel zurückkommen, ist der prominente Parkplatz direkt vor der Haupteingangstüre frei, daher stellen wir unsere Motorräder um, um morgen schneller am Weg zu sein.
Um ca. 20 Uhr brechen wir nochmals in die Altstadt auf um wieder in das Steik Haoss einzufallen. Es war gestern einfach so gut, dass wir erst gar nicht nach einer Alternative suchen

.
Danach schlendern wir nochmals durch die wunderbar beleuchteten Gassen.
und immer noch sind Menschenmassen unterwegs.
Der krönende Abschluss ist dann eine russische Motorradgang, so richtig allen Klischees von Russisch und Gang entsprechend.
Müde, aber doch ein wenig früher als gestern kommen wir endgültig ins Hotel zurück.

Und kein Regen! Und auch für morgen ist gutes Wetter für den letzten Abschnitt der Anreise vorausgesagt!

Long Way Kurdistan

Ich habe mir jetzt den Trailer angeschaut, und viele Erinnerungen an die beiden Long Way Serien sind wach geworden. Auch wenn in diesem  Film  Charley und Ewan  wohl abgehen werden.

Warte jetzt sehnsüchtig auf das Video.

 

Saison Finale (nicht meins)

Letzte Woche war die allgemeine Wettersituation eher schlecht mit 9° und Hochnebel auch die Straßen leicht feucht. Und dann die vielen Blätter auf der Straße? Nicht unbedingt sehr einladende Verhältnisse. Es war damit  klar,   dass die Wima Saisonfinale  Ausfahrt um eine Woche verschoben wurde.

Und diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus.  Wir fuhren direkt in den Indian Summer der Buckligen Welt.

In der Früh hatte es ebenfalls noch lauschige 9°, aber im Laufe des Tages wurde es dank der Sonne doch bis zu 21° warm.

Der Himmel war strahlend blau, die Bäume rot, grün, golden und die Felder dazwischen füllten die Farbskala aus.  Ein wunderbares Farbenspiel für die Augen.

Und, weil das nicht genug war hatten wir Asphalt und auch ein wenig Schotter unter den Reifen, der uns von Kurve zu Kurve, und von Hügel zu Hügel trug.

Es war einfach fantastisch durch die Gegend zu wedeln  und dabei so viel Spass zu haben.

Einfach geil! Mehr gibt es dazu wirklich nicht zu sagen.  🙂

 

 

 

 

Kreuz und Quer nach und durch Lettland, Anreise Wima Rally, Tag 6

Der Tag startet mit Frühstück am Balkon, die Alternative: Im Hotel zugeordneten Restaurant zu frühstücken war im Vergleich dazu nicht so verlockend, trotz Gutschein.
Die Auswahl ist reichlich und reicht für uns alle und ein kleiner Rest wird in die Topcase Bar von Su verfrachtet, quasi als taktische Reserve für den Tag.   😉

Wir genießen den ruhigen und stressfreien Start in den Tag, langsam schaffen wir es uns an die Gegend anzupassen und unser hektisches Alltagsleben komplett hinter uns zu lassen. Ähnlich wie beim Pilgern ist die „Monotonie“ des Tagesablaufs sehr meditativ und schafft eine ganz eigene Atmosphäre.
Somit starten wir den Tag auch ganz easy, indem wir die Gepäckstücke gleich über die Balkonbrüstung zu den Motorrädern werfen und damit die Schlepperei rund um den Block dramatisch verkürzen und da das „Aufpacken“ mittlerweile schon Routine ist sind wir trotz aller Ruhe ganz schnell auf Achse.
Die Sonne scheint, trotzdem ist es recht frisch (17°) und wir sind froh, dass wir noch ein paar Schichten unter der Motorrad Montur an haben.  Kurz treffen wir auf extrem niedrige „Wolken“? die manchmal in Griffweite dahinschweben, und sich manchmal wie Nebel über die Landschaft legen.

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Im Schatten ist es nochmal empfindlich kühler, so halten wir nochmal, um unsere Schichten nochmals zu erhöhen.

So fahren wir durch leicht hügeliges Gelände in Richtung Siauliai und dann ein kurzes Stück nach Norden auf der A12, um doch gleich wieder nach rechts abzubiegen. So schnell haben wir Kryziu Kalnas, den Berg der Kreuze erreicht.

Der Parkplatz ist fast voll und die ersten Busse treffen auch schon ein daher lassen wir die Souvenierläden fürs Erste mal links (also eigentlich rechts) liegen und entern das WC – das erste und letzte Mal auf unserer Fahrt, wo es tatsächlich etwas kostet- ist dafür auch tip, top.  Das ist wirklich der einzige Punkt denn ich an männlichen Motorradfahrern beneide, Zip auf, Geschäft erledigen, weiter fahren. Nicht einmal eine Minute dauert das im Normalfall. Wir sind zu dritt und mit Aus- und Anziehen brauchen wir bei unseren Schichten

 

In Summe ca. 20 min duaert es, bis wir endlich zu Fuß die letzten 400m in Richtung der Kreuze gehen.
Trotzdem ist der Bus Mob immer noch hinter uns und so können wir beinahe ungestört die erste Runde auf den schmalen Wegen durch die enorme Anhäufung an Kreuzen wagen.
Es gibt große, kleine, alte, neue, Holz-, Stein- und Metallkreuze und all das zeigt, trotz der Masse, eine gewisse tiefe Spiritualität die hier in Litauen vorhanden ist, trotz, oder gerade wegen der Unterdrückung während der Sowjetzeit.

Wir sehen auch eine Familie (die trotz Verbot) ein neues Kreuz mittlerer Größe errichtet. Soweit ich das nachvollziehen kann ist es wohl einem Kind gewidmet, dass vor ca. 1 Monat gestorben ist.
Greepy. Ich distanziere mich räumlich vom Berg, um mit ein wenig Abstand das Ganze auf mich wirken zu lassen, aus der Nähe ist es einfach zu heftig.
Die Temperatur ist mittlerweile auf 25° gestiegen und so entledigen wir uns am Rückweg zu den Motorrädern unserer Schichten, um jetzt um einiges freier nach Norden, in Richtung Grenze, weiter zu fahren.
Vorher entern wir aber noch den Souvenir Shop und endlich gelingt es uns auch Aufnäher und Aufkleber von Litauen zu erwerben.

Auch diesmal stoppen wir am unbesetzten Grenzübergang, der ebenfalls malerisch in der Gegend liegt und mit seinen schattigen Sträuchern auch Schutz vor der warmen Sonne bietet.
In guter Tradition wird auch dieser Grenzübertritt für die Lieben zu Hause allumfassend dokumentiert, bevor wir uns weiter auf den Weg machen.

Und schon wieder biegen wir von der Direttissima nach Riga ab und fahren nach Osten, parallel zur Grenze, um uns das Schloss Rundäle näher anzuschauen.
Die Idee kam, zusammen mit der Burg Bauska von Renate, und der Besuch ist auf jeden Fall  den kleinen Umweg wert.
Die Schlossanlage von Rundäle ist ein klassisch barockes Sommerschloss mit Parkanlage. Little Schönbrunn sozusagen. Der kleine, aber feine Unterschied?
Elchgeweihe 😉 an der Wand des Hauptgangs.

Das Gelände ist sehr weitläufig, mit Parkanlagen und Cafes und wunderhübsch in Form gebracht. Die ganze Anlage zeigt das Bestreben verloren gegangene Werte der Vergangenheit wieder herzustellen und die wechselhafte Historie des Baltikums in die eigene Geschichte einzuarbeiten.

Während unserer Tour durch das Gelände dehnt sich im Norden eine große schwarze Wolke am Himmel zusammen. Wir kennen das Zeichen mittlerweile nur zu gut, das bedeutet Regengewand anziehen, oder so schnell als möglich einen Ausweichkurs fahren.

Wir entscheiden uns für das zweite und starten los in Richtung Bauska, um dort kurz innezuhalten und einen Blick auf die teilweise restaurierte Burg von Bauska zu werfen, bevor wir uns, zum letzten Mal für heute, auf unsere Motorräder schwingen, um in Richtung Riga einzuschwenken.

Diesmal lässt uns auch das Navi auf den letzten Kilometer nicht im Stich und so kommen wir am direkten Weg in unser Hotel Mercure Riga Centre, nahe dem Bahnhof und der Altstadt.

Ein Blick auf das Hotel und unsere Buchung lässt uns Zweifeln?

130,- € für drei Personen und 2 Nächte, inkl. Frühstück in diesem Luxuskasten?  Wahrscheinlich die Besenkammer am Dachboden und Matratzen am Boden?

Hmm, das erinnert mich an meine Hochzeitsnacht in Bergen, wo wir, klatschnass, auf Grund einer Fehlbuchung, gerade noch in eben solchem untergekommen sind?
Ok, Gedanke erst einmal verscheuchen, wir werden ja sehen.
Und was wir sehen ist ein riesiger Raum mit Blick auf den Platz vor uns, riesige Betten, ein Monster Bildschirm. Und, ein enorm großes Badezimmer, das wir gleich nach dem Duschen in eine  Waschküche verwandeln, mit kreuz und quer gespannten Wäscheleinen. Auf jeden Fall: So nobel schaut es danach nicht mehr aus. 😉

Danach ist kurz ein wenig Ruhe angesagt. Su näht ihre neuen Aufnäher auf die Kutte, Renate checked das Beistellbett und ich schreibe diese Zeilen.

Als die Haare wieder trocken sind brechen wir auf in die Altstadt. Da es sowieso erst um beinahe 24:00 dunkel wird, und wir morgen keinen Fahrtag haben – ja, wir haben unseren Jokertag noch vollständig und werden ihn daher für eine ausgiebige Riga Tour nutzen –  kann es diesmal ruhig ein wenig länger dauern…..  ha, ha, ha… .so als ob…  (aber das wollen wir ja gar nicht wissen).

Am Weg zur Altsatdt kommen wir am Hauptbahnhof (inkl. riesigem Einkaufscenter), dem Kanal (alter Stadtgraben) und der Nationaloper vorbei. Und machen Fotos einer historischen Straßenbahngarnitur die ihre Kreise zieht, bevor wir in die engen Gassen der Altstadt vordringen.

Es ist enorm viel los, alle Lokale sind bombenvoll. Wir beschließen, auf Grund der geilen Live Musik vor dem Lokal, das Steiku Haoss aufzusuchen.

Und der Name ist Programm und deshalb wird auch entsprechend zugeschlagen.

Ich fühle mich fast wie Svenja und habe natürlich ein…. Entrecote gewählt!

        

Es dauert eine Weile, das Lokal ist ebenfalls voll, aber unser Platz lässt uns die Musik gut hören

und wir sehen die Musiker die ganze Zeit in Aktion, daher kann keine Langeweile aufkommen. Erstaunlich viel Personal ist unterwegs. Diese Personalkosten könnte in Österreich niemand bezahlen, es scheint, Personal kostet, im Vergleich zu den gut situierten europäischen Preisen auf der Speisekarte, nichts.

Nach einer – längeren – Weile kommen die Steaks (upps Entrecote) und schmecken köstlich!
Die Stimmung ist gut, aber irgendwann (es wird jetzt richtig dunkel) zahlen wir bzw. lädt uns Renate aufs Essen ein, und brechen auf zurück ins Hotel.

Am Weg zurück überfallen wir noch kurz ein Souveniergeschäft damit wir auch Lettische Aufkleber und Aufnäher für die Sammlung haben, uns schauen auch noch eine Weile den Ruderbooten im Kanal zu, wie sie mit Laternen leise über das Wasser gleiten.

Ein wirklich stimmungsvoller Ausklang eines wunderbaren Tages.  (Und, kein einziger Regen!)

Unser erster Eindruck von Lettland ist  besser, als der erste Eindruck, den wir in Litauen hatten.  Sollte es auch hier ein Nord-Süd gefälle geben? In diesem Fall sind wir auf Estland nochmals mehr gespannt.

Die Gegend ist herrlich (wenn auch furchtbar flach), die Straßen mehrheitlich gut. Und der kulturelle Aufbruch im Land ist überall zu spüren. Und Riga?

Dazu erfahren wir demnächst mehr. Jokertag!!  🙂

 

Dünen

Ist es der späte Spaziergang gestern? Die Zeitumstellung?
Oder einfach das trübe Wetter draußen? Das Aufstehen fällt uns heute nicht leicht, außer natürlich Renate, sie ist natürlich schon lange wach, wie auch immer sie das macht.
Auch überraschend: Es gibt auch auf dieser Seite der Grenze ein üppiges Frühstück, also doch eher ein nördliches „Problem“ und nicht allein auf Polen beschränkt?

Stadtausfahrt Kaunas.

Aber umso besser, damit geht es gleich viel mehr gestärkt in den Tag.
Es ist zwar bewölkt, aber es regnet nicht. Daher beladen wir unsere Motorräder und beginnen mit unserer Fahrt durch das Nemunas (Memel) Tal in Richtung Westen.

Noch haben wir Kaunas nicht verlassen, und der Regen. Durch die Erfahrung der letzten Tage weiser geworden, stoppen wir sofort und ziehen uns das Regengewand über.

Eine weise Entscheidung, denn schon kurz darauf kommt das Wasser in einer Intensität herunter, die den gestrigen Regen noch in den Schatten stellt. Die Sicht reduziert sich auf ein paar Meter, aber Gott sei Dank ist so wenig Verkehr, dass wir einfach langsam weiterfahren.
Nach ca. ½ Stunde wird der Regen endlich schwächer und geht in einen gleichmäßigen Schnürlregen über.

Schade eigentlich, denn das Nemunas Tal ist

landschaftlich sehr schön und auch die Dörfer entlang der Strecke haben einen eigenen Flair. Nur Tankstellen sind eher rar. Wieder einmal.
So fahren wir ca. 2 Stunden bzw. ca. 150 km bis Pagegiai, , bis sich eine Milda Tankstelle als Retter in der Not vor uns an die Straße schmiegt.
Am Anfang ist der Laden mit uns 3 Mädls in „Marshmallow Kostüm“ vollkommen überfordert, aber in der nächsten halben Stunde ist die Tankstelle ein trockener Hort, mit heißen Getränken, Snacks und Ruhe.
Wir beobachten die Ortsansässigen wie sie mit ihren alten und neuen Fahrzeugen zur Tankstelle kommen, ein wenig tanken, aber viel mehr im Shop ausgeben. Auch das ist uns seit Polen aufgefallen, dass der Konsum an Lebensmitteln, Getränken und „Sonstigem“ im Normalfall die Kosten des Tankens bei weitem übersteigt. Shoppen auf der Tankstelle dürfte IN sein.

Für uns Hektiker: Tanken, rein in die Tankstelle zum Zahlen, raus, Aufsteigen, Abfahrt! – daher ein Albtraum wenn noch Waren nachgeholt werden, Speisen bestellt, etc… werden. Aber heute haben wir Zeit das in Ruhe zu betrachten und wir sehen, dass auch die Kommunikation zwischen Tankwart und Kunden, und auch zwischen den Kunden selbst ein wichtiger Bestandteil des Rituals ist. Irgendwie ist das hier die Informationsdrehscheibe von Pagegiai (zumindest für die Männer) und strahlt eine mächtige Ruhe aus.
Deshalb werden wir auch wie Alien gemustert, aber auch mit einem Lächeln begrüßt. Frauen auf Motorrädern dürften sich doch recht selten hierher verirrt haben, das wird mit einem anerkennenden Kopfnicken und hie und da auch mit Fragen gewürdigt.
Woher, wohin? Alleine? Das sind so die am häufigsten gestellten Fragen auf Englisch. Das Vokabular ist dürftig, bei uns in Litauisch, bei den Ansässigen in Englisch, daher ist ein großer Austausch fast nicht möglich, aber man versteht sich trotzdem- hoffen wir halt im Nachhinein 😉 .
Der Regen hört tatsächlich auf und so ziehen wir unsere Regenmontur wieder einmal aus
Die restliche Strecke nach Klaipėda ist abgesetzt vom Nemunas und daher nicht so reizvoll.  Ein wenig erinnert die Gegend an DayZ, falls das jemand kennt?
Auch zieht sich die Strecke unerwartet lange: Viele kleine Ortschaften, mehr Verkehr, der Rund um Klaipeda noch heftiger wird, und als besonderes Zuckerstück fällt prompt vor der richtigen Ausfahrt/Abfahrt zur Kurischen Nehrung mein Navi wieder aus. Fehler erkannt, und blauäugig in das Autogewimmel von Klaipedas gestürzt, und prompt beinahe in eine Sperrzone (Die Altstadt) eingefahren.
Danach haben wir uns in Ruhe einen schattigen Platz gesucht und doch das Navi wieder angeworfen, das uns natürlich am kürzesten Weg zum

 

Anlandeplatz der Fähre zur Nehrung gebracht hat.
Zusammen mit den anderen Pendlern und Touristen bezahlen wir unseren Obolus und werden auf die Fähre gequetscht. Am anderen Ufer erwartet uns eine Großbaustelle, durch die wir uns, auf dem ersten Kilometer, noch durchquälen. Um schlussendlich vor einem Maut Schranken zu enden, wo nochmals eine Gebühr von uns eingefordert wird, bevor wir unsere Fahrt auf der Nehrung fortsetzen dürfen. (In Summe keine gravierenden Beträge, es ist nur ein wenig umständlich immer das Geld hervor zu kramen)
Wir setzen unsere Fahrt fort und haben immer wieder einen Blick auf das Haff und dann, nach einem relativ hohen Dünenpass, auch immer wieder einen Schimmer von der Ostsee durch den Wald.
Da der Touristen Wohnanhänger vor uns sowieso nur stresst, stoppen wir auf der Strecke bei einer Fußgängerquerung (woher, wohin erschließt sich nicht gleich) und beschließen, dass wir jetzt das Meer suchen. Der Wald öffnet sich schnell und ein Treppelpfad zu den Uferdünen wird sichtbar, den wir einfach weiter folgen. Am Kamm angekommen bläst uns eine steife Brise ins Gesicht, der Wind kann was!
Im Gegensatz zu Krynica Morska besteht kein Bedarf sich zu entblättern, das Motorrad Gewand passt recht gut zu Temperatur und Wind und so marschieren wir die steile Treppe zum Strand hinunter um wieder ein paar Fotos zu machen. Sandstrand soweit das Auge reicht, wunderbare Blumen und Gewächse auf den Dünen und weit und breit (außer uns) kein Mensch! Herrlich.
Wir genießen den Ausblick auf die hohen Wellen und das Brausen des Winds. Aber wir haben noch einen Teil Wegstrecke vor uns und so brechen wir nach ca. 30 min wieder auf, um weiter bis zur Russischen Grenze zu fahren. Damit haben wir die Enklave Kaliningrad erfolgreich umrundet!

Natürlich werden entsprechende Erinnerungsfotos geschossen und dann beginnen wir mit der Fahrt zurück. Eigentlich wäre auch das Besteigen einer Düne geplant gewesen, aber es gibt keine Parkplätze für Motorräder und alle Autoparkplätze sind Kosten pflichtig. Dafür, dass wir zu Fuß eine Düne erklettern (max. 53m!) ok, nein danke.
Su sucht noch Souvenirs in Nida, aber auch dort ist kein Platz für Motorräder vorhanden. Wir parken daher notdürftig an einer Parkbucht und warten auf Su. Kurz sehen wir auch andere Motorradfahrerinnen, aber irgendwie entschwinden sie in einem Geschäft unserem Blickfeld, waren das vielleicht auch Wimas?

Der Tag ist mittlerweile schon recht weit fortgeschritten und wir haben noch die Fahrt nach Palanga am Programm. Klaipeda war mehr oder weniger ausgebucht und daher ist es einfach der nächste Küstenort für heute Nacht geworden.
Aber zuerst müssen wir die Halbinsel zurück zur Fähre und da haben wir eine böse Überraschung: Vor der Fähre hat sich ein ca. 1 km langer Rückstau gebildet, und laufend fahren noch dazu Stammkunden (Jahreskartenbesitzer) auf einer „fast lane“ an uns vorbei nach vorne. Die Versuchung ist groß einfach auch nach vorne zu fahren. Aber der Hass aller Autofahrer in der Schlange wäre wahrscheinlich enorm, was tut frau nicht alles, um den Ruf der Motorradfahrer nicht weiter zu schädigen? Da wir zu dritt sind, haben wir wenigstens die Möglichkeit miteinander zu plaudern, aber auch so dauert es eine halbe Ewigkeit bis wir endlich auf der Fähre sind.
Da wir jetzt so richtig Zeit verloren haben fahren wir das letzte Stück auf der Schnellstraße bis Palanga.
Das Hotel Tauras ist schnell gefunden. Wir haben diesmal ein Zimmer im Erdgeschoss, wieder mit Blick auf den Parkplatz. Da wir auch einen Balkon haben, beschließen wir, diesmal einkaufen zu gehen und direkt am Balkon zu speisen.
Im nahen Supermarkt ist vor allem die Wand aus alkoholischen Getränken beeindruckend, aber auch Wurst, Brot und Käse ist in vielen Varianten zu finden und damit decken wir uns ein und kehren in das Hotel zurück.
Wir machen es uns am Balkon gemütlich und genießen die vielen köstlichen Lebensmittel, die wir eingekauft haben.
Danach sind wir rundum satt. Als wir die Betten checken fällt uns auf, dass eines davon entsetzlich knarrt. Da das Appartement aus zwei getrennten Räumen und Doppelbetten besteht, tauschen wir die Betten, denn bei einer Person ist das Knarren beinahe nicht existent.
Da der Tag trotzdem noch lang ist, gehen wir das Meer suchen. Die ungefähre Richtung wissen wir ja. Glücklicherweise finden wir eine Art Corso, der mit Lokalen, Schaubuden, Souvenirläden und vielen Leuten gespickt ist. So wandern wir in Richtung Sonnenuntergang, und richtig, hinter einer letzten Anhöhe liegt wieder die Ostsee vor uns. Ein wenig freundlicher als am Nachmittag und mit einem Sonnenuntergang, der für uns Binnenländer wundervoll anzusehen ist.
Da die Brise immer noch sehr kühl ist, genießen wir die Atmosphäre kurz und ziehen uns danach ins Hotel zurück.

Morgen gibt es dann wieder einen Fixpunkt in unserer Planung.

Wetter: Heftiger Regen zu beginn, dann wolkig bis sonnig

Temperatur: 17°

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