Versya

Mein schräges Leben

Die eiserne Hochzeit

Es ist das 25. Erzbergrodeo, und wenn ich auch am Anfang nur meinen Bruder begleitet habe bin ich mittlerweile öfter aktiv mitgefahren als er. 😛
Und Junior habe ich bereits auch mit dem EBR Virus angesteckt. Daher ist das EBR eine Familientradition sozusagen.

Was liegt daher näher am 25.  Erzberg Rodeo teilzunehmen? Immerhin ist das schon fast eine zweite Ehe für mich! 🙂

Eigentlich war ich ja vernünftig und habe beizeiten (vor 2 Jahren) meinen Rücktritt erklärt, aber dieses mal muss es doch noch einmal sein.  😉

EBR Logo

Ein wenig Masochismus schwingt da wohl auch mit, oder Fadess, oder Winterdepression, oder…..  aber eigentlich egal, ich habe mich angemeldet!!

Damit ist jetzt ist wieder Training angesagt! Eh gut, wo doch die Weihnachts(fress)feiertage vor der Türe stehen.  😉

Eicma, oder: Versya fährt mit dem Zug

Amerikaner! Genauer gesagt: US Amerikaner!  Warum lieber Gott, warum?!

Das war so mein erster Gedanke, als ich im Abteil sitzend, mit den drei jungen Interrail Backpacker überrascht werde.

So schön habe ich mir das überlegt: Ein EICMA Besuch im November. Alle werden fliegen, und ich reise gemütlich im Liege- bzw. Schlafwagen hin und retour. Grundsätzlich eine brilliate Überlegung würde der liebe Gott sagen, aber hast Du auch mit Interrail gerechnet? Und, so wie mein alter Freund Don Camillo muss ich wohl, oder übel zustimmen. Apropo Don Camillo: Die Eicma findet jährlich in Mailand statt und liegt in der Po Ebene, die Landschaft Italiens die Guareschi für seine Geschichten auserkoren hatte.
Aber zurück zu diesen Interrail Teenies. Nicht, dass sie unnett wären, oder riechen würden. Aber ich hatte mich bei der Abfahrt in Meidling schon so gefreut, als ich das leere Abteil betreten habe.

Immerhin, ich habe bereits den Sitzplatz am Fenster und damit die Kontrolle über die Steckdose, aber trotzdem: Amerikaner?  Die jungen Leute sind offensichtlich ausgehungert, denn sie ordern die –nicht gerade günstige – Speisekarte quer durch. Da hat sich seit meinen wilden Reisezeiten einiges geändert, ich war immer im Supermarkt einkaufen, um dann mit Vorräten für Nacht, und nächsten Tag, ins Zelt, oder in den Zugswaggon einzukehren. Aber die Kreditkarte von Daddy ermöglicht wohl ein komfortableres Reisen. Ein Liegewagenabteil ist ja auch nicht gerade die günstigste Art die Nacht zu verbringen. Egal genug gelästert, wir unterhalten uns kurz, dann lese ich weiter. Die Lektüre: „Im Netz“ mit meiner Lieblings Koch/Detektiv/Redakteurin Mira Valensky, von Eva Rossmann. Ich liebe die erdige, österreichische Schreibweise in der Buchserie. Die Charaktere sind liebevoll herausgearbeitet, die en passant untergerührten Rezepte eine Inspiration, und die Fälle sind immer wieder kniffelig aufgebaut. 🙂
Irgendwie mag ich Krimi -mit Essen gewürzte – Geschichten, da habe ich etwas mit der lieben Svenja gemeinsam. Daher habe ich die Ami’s  bald ausgeblendet und lese für die nächsten Stunden, bis es Zeit wird die Betten herunter zu klappen und schlafen zu gehen. Noch schnell Zähne putzen und Abend Toilette, und hinauf in den Himmel (wohlweislich habe ich das oberste Bett für mich reserviert, das rein raus in einem vollen Abteil ist lästig und das Kofferfach, oberhalb der Türe angenehm in Reichweite.
Die drei kommen aber anscheinend jetzt erst in Fahrt: Es werden Skype Telefonate mit den Staaten geführt. Beunruhigte Eltern beruhigt, die ob der rigiden Waffengesetze in good old Europe ihre Kinder wehrlos den Horden von Terroristen und Verbrechern ausgeliefert sehen. Es wird lebhaft über die neuen Priester (Chaplan)  in der Gemeinde diskutiert. Echt jetzt?  Zwischendurch wird ein Radio Werbesujet einer Firma für Thanks Giving aufgenommen. Mittlerweile kenne ich den Text auswendig, denn die Sprecherin verhaspelt sich immer beim Wort „perseverance“  (Ausdauer/beharrlich) und wiederholt den Text ca. 50 mal, bis er perfekt im Smartphone ist und seine Reise in die US antritt. Und dann sprechen sie auch noch gemeinsam Gebete!! Es ist 23:30, sie wollen in Padua  (Planankunft 5:00) aussteigen, und vorher noch frühstücken? Hallo? Ich drehe einfach ganz gemein, von oben das zentrale Licht ab. Eine Weile noch Gemurmel und Smartphone Flackern und es wird tatsächlich ruhig.
Damit endet dieser kurze Tag und der nächste startet um 4:40, als ich vom Klopfen der Crew an der Türe geweckt werde, die Weckruf und Frühstück loswerden will. Leider herrscht down under Totenstille, so öffne ich nach einer Weile von oben die Türe und lasse die Bordbegleiterin herein.  Jetzt steht sie im Gang und sagt mit gedämpfter Stimme: „Padua?“  Aber auch ein mehrmaliges  wiederholen löst keinerlei Reaktion aus. Ich weise sie darauf hin, dass das Frühstück zu den drei unteren Betten gehört und drehe mich wieder in die Decke hinein. Kurz darauf kommt wirklich Leben auf im Abteil, Rucksäcke werden gepackt und auf den Gang befördert. Als der Zug mittendrin hält bricht Panik aus und einer der Kaffee Becher fliegt durchs Abteil und verteilt seinen noch vollständigen Inhalt über Bänke und Boden.
Mit einer Papierserviette wir kurz probiert den Schaden zu minimieren, aber dann schnell aufgesprungen und mit einem netten Good bye der Ausstieg des Waggons angepeilt.
Ja, geht mit Gott, aber geht! Ich hoffe ihr holt am Bahnsteig noch euer Morgengebet nach und besucht einen Priester, um euch bei der Beichte noch mindestens 100 Ave Maria geben zu lassen. 😉

Ich klettere aus dem Bett ziehe mich an und beginne mit Papierhandtüchern aus dem Zug-WC den Boden und die Bänke weitestgehend vom Kaffee zu reinigen. Das letzte was ich jetzt noch brauche ist kalter Kaffeegeruch am Morgen, oder einen Putztrupp der jetzt durchs Abteil fegt. Nach dem das übelste bereinigt ist, lege ich mich wieder schlafen. Apropo, der Zug steht seit 30min immer noch in der Station (Teilung Rom/Mailand).  Ich muss erst um 7:45 aus dem Bett, der Zug kommt in Mailand erst um 9:12 an, also kein Morgenstress, denn das hasse ich.

Pünktlich um 7:40 bin ich wach, sammle noch die 3 Frühstücke zusammen und bereite mir erst einmal ein kleines Frühstücksmenü Feeling im Abteil. Die 3 haben offensichtlich nicht einmal probiert etwas einzupacken, so bleibt alles mir. Ich kenne eine Maus, die sicherlich nicht allzu böse darüber gewesen wäre.  Für mich ist es jedenfalls zu viel, Tee kommt auch gerade erst. Also packe ich einen Teil für den Tag ein und über den Rest mache ich mich her. Heute brauche ich sicher erst am Abend wieder etwas zu essen. Es geht am Gardasee vorbei und  Station am Weg ist Brescia, ein Ort der gerade 80km vom Don Camillo Städtchen Brescello entfernt ist.

Mittelmäßig ausgeruht, aber dafür voll gesättigt, komme ich beinahe pünktlich in Milano an und ich begebe mich auf die Suche nach der Metro. Gefunden, Tagesticket gekauft und los mit der M2 und M1 zur Messe. An der Aussteigestelle wartet schon ein Pulk an Kontrolleuren auf uns, wohl wissend, dass die Kernzone Mailands vor zwei Stationen zu Ende ist und für die letzte Station ein extra Aufpreis notwendig gewesen wäre. Die dafür fällige Strafe von 36,- € sorgt an Messetagen sicher für die Sanierung der Mailänder Verkehrsbetriebe (ATM). Ich erkenne die Situation sehr schnell und wähle den Kontrolleur mit Bedacht und wirklich, ich habe Glück im Unglück, ich komme mit einer freundlichen Verwarnung davon.  Mailand, 09:45, die Frisur sitzt….  Mit dem Wissen, dass viele Jahre des herum wildern in den Wiener Öffis nicht umsonst waren, und einem breiten Grinsen im Gesicht geht es weiter zum Ausgang. Wo das Grinsen gleich gefriert, denn vor mir steht eine Schlange von sicher tausend Besuchern, die durch 5 altersschwache Gepäckkontrollbänder und Röntgenschleusen am Vorankommen gehindert werden. 🙁
Österreich Du glückliches Land, wo eine Messe kein potentielles Attentats Gebiet ist (hier wahrscheinlich auch nicht, aber was tut man nicht für die gute Laune der Besucher?) MINUTEN später stehe ich hinter so einer Schleuse und diskutiere mit dem Operator eines solchen Bandes darüber, ob ich ein Schweizer Messer im Gepäck habe, oder nicht. Er erwartet von mir, dass ich dieses aushändige, und ich habe wirklich keine Ahnung, wo das in meinem Rucksack sein könnte, wenn überhaupt?  (Ich habe es auch zu Hause nicht gefunden, also entweder ein falscher Alarm, oder der falsche Rucksack –da diese beinahe gleichzeitig durch den Scanner rollen, wäre das gar keine Überraschung)
Zum Auspacken des übervollen Rucksacks steht eine Fläche von ca. 30x30cm zur Verfügung, ich beginne ob dieser Frotzelei damit meine schmutzige (unter)Wäsche und weibliche Toilett-Gegenstände auszubreiten, denn das hilft in südlichen Ländern immer. Der Operator winkt erwartungsgemäß ab und schuht mich weiter…….
Endlich, denke ich mir, endlich jetzt nur noch die Messe! Jaaahhaaaa!

Aber schmecks, der Zugang von der Metro Seite ist definitiv der Falsche. 🙁 Der relevante Teil der Ausstellung befindet sich am anderen Ende des riesigen Ausstellungsgeländes und so marschiere ich in dahintrödelnden Gruppen noch einmal 400-500m weiter bis ich endlich, endlich! zur Kasse komme, die die Halle 22 und 24 bewacht. Ich hole meine gratis Eintrittskarte ab, gebe überflüssiges Gewand und Gepäck ( inkl. virtuelles Taschenmesser) an der Garderobe ab und betrete mit WRWR T-Shirt bekleidet und mit Selfistick, Smartphones, Powerpacks, Kabeln und Sticker bewaffnet die riesigen Hallen.
Ab jetzt beginnt das Spiel, weswegen ich eigentlich hier bin: WRWR (Women Riders World Relay) zu promoten und die ital. Moto Amica’s für das Thema zu interessieren. Sticker und ein Protoyp T-Shirt von WRWR habe ich auch mit, falls mich eine der ital. FB Mitglieder aufspürt. Deshalb poste ich regelmäßig Fotos und Texte über meinen Aufenthalt in die Event Diskussion. Catch me, if you can…  😉

Das ist aber ganz schön anstrengend.  Markante Punkte zu finden, sie auf FB zu posten, dort auch eine Zeit lang enge Kreise darum zu ziehen, vorausschauend einen neuen Punkt zu posten und dort das Spiel zu wiederholen und zwischendurch Sticker verteilen.
Auf diese Art und Weise bewege ich mich durch die Halle 22, schaue am Stand von Benelli (Leoncino!), Alpinestars, SWM, …………
Dazwischen treffe ich kurz Elsbeth unsere WIMA Freundin aus der Schweiz, die Ihre Teilnahme an der Olivenernte in der Toskana dazu genutzt hat mir heute kurz auch Aufmunterung zukommen zu lassen. Wir machen zusammen ein paar Fotos, und, obwohl Sie die erste ist, die mich gefunden hat, wird aus Gründen der Fairness (sie hatte Insiderwissen! ) kein T-Shirt vergeben und auf die Sticker vergessen wir vor lauter blödeln natürlich auch…
Wir trennen uns wieder, mein Tempo ist ja Grotten langsam mit dem laufenden Stop and Go, und vereinbaren ein Treffen zu Mittag.
Es ist dann fast 13:00, als ich das T-Shirt endlich an die Frau bringen darf. Emily ist die glückliche Gewinnerin, sie hat mich am Beta Stand erwischt, wir beide sind froh. Ich, weil ich es nun nicht mehr herumtragen muss, Sie, weil es gut passt und der Besuch der Eicma dadurch gleich zweimal so toll ist! Wir machen ein gemeinsames Fotoshooting, danach setzen wir getrennt unsere Wege weiter. 🙂

Ich treffe mich danach, wie vereinbart mit Elsbeth, nicht ohne am Weg auch die markantesten Punkte gleich vorab zu fotografieren, immerhin ist dort ja auch KTM und die neue Adventure 790 ist ja quasi ein muss Stopp.
Da ich gut gefrühstückt habe, brauche ich nur ein kleines Mittagshäppchen  und einen kurzen Stopp am WC, dann geht es weiter durch die Hallen und ich verteile weiterhin Sticker an Italienerinnen die Motorräder testen und poste meinen Standort.

 

Am KTM Stand angekommen, wird die Adventure von allen Seiten belagert. Ich stelle mich auch an, aber irgendwie dürfte es für die Amici unvorstellbar sein, dass ich tatsächlich auch auf dieses Motorrad drauf möchte. Ich werde von links, rechts und gegenüber mehrmals übergangen, deshalb ergreife ich die Initiative, komme einem Macho zuvor und zeige mit einem beherzten Tritt auf die Fußraste, dass Aufsteigen auf eine so hohe Maschine, im Kontrast zum vorher erlebten,  auch elegant aussehen kann. Ich tobe mich sitzend und stehend auf der Maschine aus, bevor ich sie wieder genau so elegant verlasse. Tja meine Herren, gelernt ist gelernt. Wir sehen uns am Erzberg!  Gngngn…

Durch das lange Warten auf den Sitz/Stehplatz hatte ich genug Zeit die Maschine vorher gründlich anzusehen. Viel Plastik, was bei Verkleidungsteilen nicht gleich ein Minus ist (speziell auf einer Adventure Maschine, die tatsächlich auch so bewegt wird), was soll dann bitte aber der fast auf den Boden reichende Kunststofftank, der links und rechts von der Skidplatte , wie eine Beule seitlich aus dem Motorrad ragt? Tiefer Schwerpunkt, so, so..  aber wie bitte soll der Tank wirklich rauhes Gelände und Stürze überleben bzw. in der Pusta repariert werden? Und, wenn ich seitliche Beulen am Motorrad haben will kaufe ich mir etwas anderes. Ich muss nun wohl wirklich auf eine 390er Adventure hoffen, oder mir etwas ganz anderes zulegen. Die Konkurrenz schläft ja auch nicht, von SWM angefangen gab es immer wieder Motorräder, die den Adventure Charakter ebenfalls in sich tragen..
Also geht die Suche weiter.

Und natürlich geht  auch meine Runde, und die Schnitzeljagd, durch die Messehallen weiter von Stand zu Stand und auch ganz kurz am Freigelände.  Um ca. 17:00 poste ich final meinen letzten Standort, dann breche ich meine Zelte am Messegelände ab, wandere zurück zur M1, kaufe ein Außenzone Ticket (1,60) und fahre ins Zentrum (Duomo) zurück. Dort schaue ich mir den wunderbar beleuchteten Dom an und schlendere durch die Altstadt in Richtung Milano Centrale.
Am Weg überkommt mich dann doch wieder der Hunger und da ich noch Semmel vom Morgen habe, kaufe ich mir in einem Supermarkt am Weg ein paar dkg  prosciutto Crudo, hauchzart geschnitten, so wie es sein soll.
Kaum bin ich aus dem Supermarkt draussen meldet sich Junior mit Tips für ein Pizzeria Ristorante in der Nähe des Zentralbahnhofs, wo er damals mit seiner Klasse wunderbare Pizzen gespeist hat.
So, jetzt habe ich den Salat? Semmel und prosciutto, oder Pizza?  Ich löse es einigermassen elegant, als ich auf zwei Barbones treffe überlasse ich ihnen mein Mangiare, und mache damit sie und auch mich glücklich, denn die Pizza ist wirklich fantastisch!
Am Bahnhof komme ich rechtzeitig an, um den Waggon gemütlich zu besteigen und mein Abteil aufzusuchen, bevor auch schon die Rückfahrt beginnt.
Diesmal geht die Rechnung auf. Ich bin und ich bleibe allein im Schlafwagenabteil. Der Tag war anstrengend und lang. So schlafe ich relativ schnell ein und wache erst wieder in mit dem Wecken um 7:30 auf. Bis 9:00 dauert die Fahrt noch. So kann ich die alte Semmeringstrecke und die Rax im schönsten Sonnenlicht bewundern, bevor der Zug  vor dem  Wr. Neustädter Becken in die klassische Nebelwand einfährt und diese bis Wien auch nicht mehr verlässt.
Resumee: Falls noch einmal Eicma, sicher nicht mit Sticker, aber gerne nur mit Zug (bis zum Messegelände). 😉

Parlez vous francais?

Oh, là là!  Was war denn das?
Irgendwie taumle ich noch immer von einer Kurve in die nächste. Hört das denn überhaupt nicht mehr auf?
Damit könnte ich die Erzählung über die Teilnahme an der National Rally der  französischen Wimas  auch wieder beenden.  Alles ist gesagt. Alles?

Col de I Iseran

Nein, den genau so wie ein gallisches Widerstandsnest (aber das ist eine andere Geschichte) hat sich die Wima Frankeich aus ihren Resten erhoben und ein starkes Zeichen für einen Neubeginn gesetzt.
Ihre Einladung ging an alle Länder und wer war natürlich dort?  Ich!  😉

Kann ich französisch? non

War ich schon mal dort?  non

Habe ich Karten von Süd- bzw. Westfrankreich?  non

Französische Franc?  non,

brauch ich aber dank Euro nicht mehr  😛  , na immerhin, ein Qui.  Wir fahren!

Ungefähr so kam der Entscheidungsprozess  zustande, ein “wenig” Neugier war natürlich auch dabei.

Alpenblick

Der erste Teil der Anreise war aus Zeitgründen mit dem Transporter in dem unsere  Motorräder verstaut waren,  aber ab  der Schweizer Grenze waren wir auf unseren zwei Rädern unterwegs und taumeln seither auf endlosen Bergstrecken über einen Pass nach dem anderen. Wir haben uns 4 Tage Zeit genommen, um die Anreise bis nach Embrun  zu absolvieren. Deshalb können wir jetzt bei der Route aus dem Vollen schöpfen.
Klausenpass, Furka, Gr. St. Bernhard, Kl. St. Bernhard, Col de Iseran, Panne, Col de Telegraphe, Col de Galibier, Col de Izoard, Col de Vars, Val de Ubaye, L’Adroit de Pontis, Embrun,

Dort treffen wir am späten Nachmittag ein und werden schon von den anderen Teilnehmerinnen  in Empfang genommen.
Die Zimmer sind schnell verteilt und wir erkunden die Herberge und die nähere Umgebung.
Das Abendessen ist klassisch  französisch und schmeckt vorzüglich. Die Stimmung ist sehr gut und wir sind gespannt auf das morgige Programm.  Der Tag war lang und so kriechen wir schon bald in unser Bett.
Am nächsten Tag ein gutes Frühstück und die Lebensgeister sind zurück.  Die Route ist  ähnlich zum Vortag, nur eben in umgekehrter Richtung.  Deshalb beschließe ich die “direkte” Route   (la voie directe) zu wählen und über den Col du Parpaillon abzukürzen.  Der Col hat einen  Schwierigkeitsgrad von 3-4  und ich habe Straßenreifen und eine Kawasaki Versys zur Verfügung?  Aber einen Punkt kann ich als Plus anführen, meine Hardenduro Praxis.  Es wird wohl eine Zeit dauern, denn schnell fahren wird es daher auf den ca. 35km  Schotterpiste nicht geben,  die Koffer lasse ich am Bike, damit es im Falle eines Sturzes nicht komplett aufliegt,  220kg will ich nur ungern vom Boden hochhieven, ich nehme Gewand, Essen und Trinken ausreichend mit und ich deaktiviere das ABS an der Versys (Sicherung ziehen  😉  )

Der erste Abschnitt zur Anfahrt bis zur Schotterpassage ist wunderbar, die Dörfer werden immer kleiner und die Berge vor uns immer höher. Und auf einmal ist sie da die Schotterpiste. Beim Befahren der ersten 200m habe ich kurz Mitleid mit der Versys und frage mich, ob die Idee wirklich gut war?  Das ist keine Schotterstraße, dass ist bereits eine markierte freie Wildbahn. Ich könnte ja noch schnell umdrehen und die Fahrt rund um die Bergkette herum aufnehmen? Ich wäre auch so sicher rechtzeitig beim  Treffpunkt…..
Aber dann siegt der Ehrgeiz und die Neugier auf das was da noch kommt, es ist ja klarerweise nur der Anfang , da kommt doch sicher noch was. Ich will es jetzt einfach wissen, basta. Und natürlich kommt noch was. Natürlich wird der “Weg” nicht besser, eher im Gegenteil, ab er mit der Zeit gewöhnt sich die Versys an das ungewohnte Terrain und ich werde auch wieder ruhiger und gelassener.

Col du Parpaillon

Und so kriechen wir gemütlich  (Durchschnitt ca. 10-20km) und gleichmäßig den Berg hinauf. Die Prolog  Erfahrung hilft hier eindeutig, die vorausschauend gefahrene Linie erspart so manche Überraschung und deren gibt es viele am Weg.  Es braucht ca.  45 min, die ich stehend den Berg hinauffahre, bis vor mir das Tunnelloch  unterhalb des Grats auftaucht.  Außer mir sind zwei Schweizer mit zwei CRF 250L und würdiger Stoppelbereifung vor Ort.  Ihre Blicke zeigen ein wenig Verwunderung als das Versys Dampfschiff auftaucht.  Als ich den Helm abnehme um – möglicherweise 😉 –  einen Wima Sticker auf dem Passchild anzubringen, sind sie endgültig erstaunt.
Ich lächle still in mich hinein und beginne mit der Durchfahrt durch den Tunnel. Die Berichte im Internet über die Passage sind alle sehr durchwachsen.
Dieser ist ein Naturtunnel mit abwechselnd trocken Abschnitten und dann wieder Wasserpassagen, zum Finale auch noch mit Lehmschlamm  am “Boden”. Jetzt heißt es einfach gleichmäßig und mit Schwung durch. Steckenbleiben, oder wegrutschen, würde hier keinen Spaß machen.  Die Sonne scheint von der anderen Seite in den Tunnel und ist ein wohltuender Kontrast zur Schwärze des 500m langen Tunnels.
Und so stehe ich nach wenigen Minuten auf der anderen Seite des Tunnels und habe ein atemberaubendes Gebirgspanorama vor mir.

Die Sonne scheint hier auf ca. 2600m sehr intensiv, und es ist ungewöhnlich warm. Eigentlich eine gute Basis, um vor der angekündigt, noch schlechteren Bergabroute eine kurze Pause zu machen und ein wenig vom mitgebrachten Lunchpaket zu kosten?

Ganz schlechte Idee Versya, ganz schlecht. Als ich den Koffer öffne kommt mir mein “Essen” entgegen. Kurz zusammengefasst: Es schaut so aus, als hätte es sich übergeben.  Rasch schließe ich den Koffer wieder und probiere zu vergessen was ich gerade gesehen und gerochen habe. Da muss ich mich wohl mit dem Wasser aus meinem camelback begnügen. Notiz an mich:  Essen vibrationsgeschützt sicher verstauen!
In der Zwischenzeit sind auch Schweizer mit Honda Dominators eingetroffen und ich ersuche sie ein Foto von mir zu machen. Schließlich möchte ich auch einen Beweis haben, dass ich wirklich hier war.

Nach einer kurzen Rast starte ich die Bergabfahrt und ich bin froh, dass ich das ABS ausgeschalten habe. Hier würde ich einfach über die nächste  Kuppe drüber rattern, aber so finden die Hinterreifen immer genug Grip, um mit Motorbremse und feiner Hinterradbremse  die Spur zu ziehen.    Bis, ja bis ich, unvorsichtig geworden, vor lauter umherschauen  und für einen kurzen Moment unkonzentriert, die falsche Spur wähle die mich zu nahe an den Kurvenrand führt.
Dort liegt sehr loses Geröll und ich greife zu allem Übel kurz in die Vorderbremse, um nicht über die Kuppe zu fahren.
Es geht ganz schnell, das Vorderrad rutscht weg und die Versys kippt nach innen. Bei 210kg gibt es nur noch eines, sich vom Motorrad zu entfernen  ;-).  Ich rolle ein Stück über Steine und Staub um mich gleich aufzurappeln und die Situation zu betrachten.
Die Versys liegt mit den Rädern bergauf in der Kurvenneigung, dank Koffer – wie geplant – zumindest nicht komplett ungünstig. Bei meiner Hardenduro würde ich diese nun zuerst am Boden drehen, damit das Aufstellen leichter fällt, aber ich möchte die Versys nicht über diesen Steinboden ziehen, wenn es nicht unbedingt nötig wird. Daher jetzt tief durchatmen, einen guten Halt am Boden und an der Versys suchen, und hauruck die Maschine wieder aufrichten. Es gelingt mir mit dem ersten Ruck diese bis zum Oberschenkel zu bringen und sie so etwas abzustützen. Blöderweise rutschen die Schuhe auf diesem Boden langsam weg. Fieberhaft suche ich mit dem zweiten Bein einen neuen Halt, finde ihn und mit einem zweiten Ruck bringe ich die Maschine so weit hoch, dass das Gewicht von den Rädern aufgenommen wird, damit kann ich sie final in die Senkrechte bringen. Phhhhhhuuuuuuu, das Blut rauscht in den Ohren, die Lunge keucht, aber die Versys steht. Es hat sich wieder einmal bewährt den Adrenalin rush nach einem Sturz sofort für Action zu nutzen.  😉

Noch einen Platz zum Ständer ausfahren gesucht und einmal kurz durchatmen.  Schadensaufnahme: Der linke Koffer schaut schlimm zerkratzt aus und ein paar Sticker sind beleidigt, der Handguard ebenfalls, ansonsten ist der Versys nichts passiert. Perfekt! Wie schaut es bei mir aus,  kurz einmal checken: Gewand? Ok. Helm? Ok.  Kamera? Läuft!   Ah, ich hab es auf Video! https://youtu.be/PyrIwQtg9dw Yesss!  🙂  An der linken Handfläche ein erster Bluterguss, da dürfte ich einen Stein beim Fallen gehabt haben.  Np.
Also wieder aufsteigen und einfach weiterfahren. jetzt natürlich wieder vorsichtiger! Schade, denn die Gegend ist immer noch sehenswert.  Weiter unten kommen mir wieder Endurofahrer entgegen.  Aber zu spät meine Herren, zu spät. Eigentlich gut so, keiner hat mein Hoppala gesehen, keiner wird es jemals erfahren,   hrhrhr.

Mit einem gemeinen Grinser im Gesicht fahre ich wieder flotter weiter bergab, der Weg wird langsam besser und geht dann unvermittelt in eine recht gut ausgebaute Schotterstraße über. Eigentlich ist diese Seite um einiges fieser, denn von hier kommend täuscht die breite Schotterstraße vor,   dass da nichts (wesentlich) schlimmeres mehr kommt.  😉  Ich sause jetzt wieder flotter bergab und erreiche nach weiteren 10 km wieder asphaltierte Pfade. Schön war es und durch die kurze Pause am Berg ist noch so viel Zeit übrig. Ich studiere daher die Karten und finde einen Pass, den wir gestern aus

Am Col de Bonette

Zeitgründen nicht mehr gemacht haben. Den Col de Bonette. Er ist der höchste Alpenpass von Frankreich mit ca. 2800m und hat noch eine weitere Besonderheit. Sein Gipfel wird von der Passstraße komplett umrundet (das letzte Stück wurde vor einiger Zeit einfach herausgesprengt und damit die Einbahn um den Gipfel geschaffen.
Rasch sause ich den Berg hinauf und dann gleich wieder hinunter, denn zum Treffen am Col de Larche ist es nun doch noch eine Zeit zu fahren, aber da ich die Strecke noch vom Vortag kenne bin ich fast pünktlich vor Ort.
Das Picknick (das ich schwesterlich von anderen geteilt bekomme)  am Pass ist wunderbar, das Wetter ist einfach unvorstellbar! wieder ein Wima Wunder. wir haben Ende September und sitzen hier auf über 2300m und es ist angenehm warm.   Meinen Kofferinhalt habe ich am Parkplatz entsorgt  und mit einer Mineralwasserflasche den koffer ausgespühlt, ich fürchte nur den Geruch bekomme ich nicht mehr los….

Wima France Meets

Natürlich gibt es noch ein Gruppenfoto mit unserer fast 50 köpfigen Runde und dann brechen wir wieder in kleinen Gruppen auf zurück über den Col de Vars und Guillestre  nach Hause. Es gibt wieder eine wunderbare Abendveranstaltung.

Aber auch heute halten wir es eher kurz, denn morgen geht es wieder nach Norden retour in Richtung Albertville, und die weiteren Tage (jetzt mit kühlem Wetter) weiter nach  Chamonix , Martigny, Gstaat.
Am Weg liegen wieder viele Pässe und coole Strecken wie: Saint de Appollinaire, Col de Parquetout, Col du Glandon,  Col de Fer, Col de la Madeleine Col de la Croix, Sustenpass, Pragelpass, und einige dazwischen, die ich schon wieder vergessen habe….

 

Einmal noch treffen wir auf eine Wima France Gruppe und verbringen zusammen die Mittagspause, dann trennt sich der Weg endgültig.  In Glarus beginnt dann die Suche nach einem Schoggi Geschäft, denn schließlich müssen wir für die zu Hause gebliebenen eine Entschädigung für die letzten 10 Tage mitbringen und natürlich werden wir fündig  😉

DGR Distinguished Gentlemen Ride 2018

Hallo, werden sich jetzt viele Leser denken? Gentlemen?  Versya ist doch alles, nur kein Gentlemen? Ja, da muss ich Euch leider recht geben, aber, aber kann ich wirklich der Verlockung einer Fahrt durch Wien,  umgeben von blitzenden Vintage Motorrädern (New- und Oldtimer), widerstehen? Wer mich kennt, weis die Antwort: Nein!  Und warum soll ich dem Slogan des DGR treu nicht auch an meinen Vater, oder Bruder, oder meine Söhne denken?  Eben!  🙂 So, das Alibi steht. Was ziehe ich an? OMG, was zieht Mann sich an? Ich studiere alte Fotos vom DGR und fasse einen Entschluss. Keine Jacke, kein Sako, dafür donnere ich mich auf. Lass Hosen diesmal zu Hause liegen und steige im Rock bzw. Kleid auf das Motorrad. Ein bischen in den fifties Filmen geschnuppert, dann Amazon geentert und voila, die Garderobe steht schon mal. Hoffentlich kommt der Fummel auch rechtzeitig an! :-0 In der Zwischenzeit sind 2 Wochen vergangen, ich habe fleißig gespendet, denn im Gegenzug zu vielen Mitfahrenden weißt mein Teilnehmereintrag keine runde 0 auf.  #Stolzaufmichbin Ich darf daher mit ruhigem Gewissen, und im Bewusstsein nicht nur aus Spass am DGR teilzunehmen, mitfahren und erfahre auch einen Tag vorab (ein bischen knapp, liebe Organisatoren!) die Daten für Ort und Uhrzeit des ersten Treffpunkts. Das Motorrad wird gewaschen – hmm die Waschutensilien sind tatsächlich so weit unten?  Und ausgiebig poliert,  denn der Wetterbericht verspricht kühl/warmes Wetter und Sonne. Anscheinend ist wieder einmal der Wettergott meiner Moto Leidenschaft freundlich gesinnt! 🙂 Dann kommt das eigene outfit an die Reihe. Das geht zumindest ein wenig schneller, denn die Uhr tickt, und zu spät kommen wäre ein erster (nicht Gentlemen like) Fauxpas. Rechtzeitig vor Ort angelangt werde ich zusammen mit den anderen Mädls in die erste Reihe verfrachtet. Dieses Jahr fahren die Ladies vor, yeaaahh  (ups  – Hurray)  . Es gibt noch eine kurze Ansprache und dann zieht der beeindruckend große (die Veranstalter sprechen von ca. 800 Teilnehmern)   Konvoi  mit Polizeieskorte zuerst das Wiental Stadt auswärts und nach der Kehre am Gürtel wieder quer durch die Stadt bis zur Donauinsel. Viele verblüffte Gesichter am Straßenrand. Eine gute Stimmung im Konvoi. Herz  (bzw. besser: Prostata) was willst Du mehr ?  😉   Ein Video, vielleicht?  😉      

Süddeutsches Frauen Motorrad Treffen

Das 25., und wahrscheinlich doch nicht letzte, Süddeutsche Frauen Motorrad Treffen fand vom 22. bis 24. Juni im Schwangau statt.   Organisiert von den WOW (Women on Wheels) und dem Hexenring, inkl. einer Prise Wima Germany, natürlich waren wir auch dabei! Wir organisierten die An- und Rückreise in zwei getrennten Gruppen, da   1.) kleinere Gruppen Sinn machen   2.) die An- und Abreise von ca. 700 km an einem Tag nicht jederfraus Sache ist  
 
 
  So brach die erste Gruppe bereits am 21. Juni auf, die zweite Gruppe folgte tapfer am 22. Juni nach. Das Wetter war am 21. Juni grauslich und sehr feucht, diverse kleine Gebrechen verzögerten die Fahrt noch zusätzlich. Denoch gelang die erste Tagesetappe bis Radstadt recht gut. Am nächsten Tag war das Wetter schon um vieles freundlicher, nur die Temperatur war, für Ende Juni, mit ca. 15-17° weiterhin nicht so berauschend. Die Fahrt selbst ging für beide Gruppen am 2. Tag besser voran, Staus und div. Verkehrsumleitungen machten jedoch das Finale noch einmal zermürbend.Trotzdem waren wir am Freitag Abend alle im Quartier und konnten rechtzeitig für das Programm zum Treffen fahren (dass so gut ausgebucht war, dass wir externe Zimmer für uns mieten mussten!)   Die Fahrt führte uns natürlich am berühmten Schloss Neuschwanstein vorbei. Ein Besuch des Selbigen steht morgen am Programm, wir sind gespannt. Der Abend verlief in launiger Atmosphäre für viele von uns gab es bekannte Gesichter von vorhergehenden Treffen mit den WoW’s, dem Hexenring, oder Wima Rallies, zu sehen und so gab es schon bald rege Gespräche zu Gott und der Welt.   Da wir mit den Motorrädern gekommen waren, fuhren wir relativ zeitig wieder zurück ins Quartier, um für den morgigen Ausflug (zu Fuß, bzw. per Bus) nach Neuschwanstein ausgeruht zu sein. (Immerhin waren manche von uns heute schon mehr als 9 Stunden am Motorrad unterwegs) Das hielt uns dann aber nicht auf, im Quartier noch bei einem Fläschchen Rotwein mit Claudia zu plaudern, die leider für morgen kein Ticket mehr bekommen hat und daher für morgen die Weiterreise ins sonnigere Südtirol plant.   Der 2. Tag vor Ort:  
 
🙂
  Wir trafen uns zum Frühstück, dem ausgiebigst zugesprochen wurde, um dann in Gruppen vom Treffpunkt zum Schloss (in ca. 7km Entfernung) zu wandern. Das letzte Stück geht dann auch noch steil bergauf. Insofern gut, dass die Temperatur – trotz Sonne – noch immer niedrig war   Da noch ein wenig Zeit war (die Touren starten im 10 min Takt – pünktlich! Ist zwar Bayern, aber hier sind sie wohl Preussen)  war auch der Umweg zur Marienbrücke möglich, die einen wunderbaren Blick auf das Schloss und die dahinter liegende Ebene mit Stausee (leer)  bietet. Eine wahre Postkartenperspektive!   Vor dem Ausgeben der Eintrittskarten gab es noch ein Gruppenfoto und dann ging die Führung schon los.  
  Eigentlich genial was der arme Ludwig hier auf die Beine gestellt hat, Bayern wird ihm noch Jahrhunderte dafür danken (1,4 Mio Besucher pro Jahr können nicht irren) Aber, ein wenig größenwahnsinnig war er wohl schon. Trotz der verbauten Annehmlichkeiten des 19. Jahrhunderts eine so drückende Mittelalteratmosphäre auf den 2 ausgebauten Stockwerken zu verströmen ist schon eine Kunst! Die schöne Hülle, verspricht daher mehr, als der Inhalt dann erfüllen kann.  
 
  So endet die Führung unerwartet rasch und der Rückweg zum Adlerhorst beginnt. Mittlerweile ist es schon ein wenig heißer geworden, am Hang landen die ersten Gleitschirmflieger, und wir schlendern in kleinen Grüppchen wieder zurück. Vor Ort angekommen erwartet uns bereits Ludwig himself zu einem Apperitiv, und so verbringen wir den Nachmittag auf der Terasse mit schöner Sicht auf die Ebene und in weiterer Folge ein wunderbarer Sonnenuntergang mit einem ganz besonderen Licht. Einfach wunderbar! 😉   Am Abend gab es dann einen weiteren Partyabend mit vielen Erinnerungen an die letzten 25 Jahre, der in der 2. Hälfte zu einer Deutschland Siegesfeier ausartete (In der Retrospektive: Zu früh    )  
  Da wir morgen wieder die Rückreise antreten wollen, wurde auch heute relativ früh adieu gesagt.   Der 3. Tag:   Relativ zeitiges aufstehen und Einpacken, damit wir pünktlich um 8:00 beim Frühstück sein können und gleich danach geht es für eine Österreich Gruppe nach Süden und für die zweite Gruppe etwas später nach Nord Osten ,in Richtung Passau, wo sie unsere Passauerinnen Treffen wollen.  
 
  Gruppe 1 fährt über den Fernpass ins Inntal, von dort weiter über Lofer nach Berchtesgaden, hinauf auf die verregnete und nebelige Rossfeldstraße. (Überraschenderweise doch mit ein wenig Aussicht!) und wieder hinunter nach Golling, wo die Mittagsrast gehalten wird.   Sehr dunkle Wolken über der Postalm lassen uns den Weg über den Pass Gschütt nehmen und dann weiter in den Süden via Halstatt, Bad Aussee und Goisern.   Der Rest der Route ist obvious: Liezen, Admont, Gesäuse und Wildalpen.   In flottem Tempo geht es hier weiter und weiter. Die Uhr tickt langsam, aber beständig.   Von Mariazell an geht es nach Traisen wo sich unsere Wege trennen. Auf der einen Seite nach St. Pölten und auf der anderen Seite noch über den Schöpfl, Klausen Leopoldsdorf und Gruberau nach Wien zurück.   Der Schluss der Strecke dann schon im Dunkeln, aber nicht weniger Lustvoll.

Wima Rally Tag 12, 20.07.2017

Heute ist der Event Tag mit Motorrad.

Es gibt in Summe 3 Gruppen:

Einmal Rennstreckentraining, oder Offroad Training , oder  Leihmotorräder von BMW zum Probefahren (T9, 1200 GS, eRoller) Als letzte Alternative gibt es auch für die Motorrad Müden Teilnehmerinnen eine Moorwanderung in der näheren Umgebung.
Moorwanderung hatte ich ja schon am Tag 1 unserer Ankunft in Janäda, außerdem bin ich zum Motorrad fahren hier. 😉
BMW Motorrad Probe fahren?  Nein, danke!  Aus Prinzip nicht.
Dann das Offroad training?  Wäre verlockend, speziell hier in Estland. Ich befürchte nur, dass die Erwartungshaltung der Trainer sehr niedrig ist und ich dabei wahrscheinlich einschlafe.
Also bleibt mir nur die Rennstrecke. Eigentlich auch nicht schlecht, auch wenn die Versys jetzt nicht so das Rennstreckengerät ist.  Aber die Idee, von einem estnischen Staatsmeister ein Training zu erhalten ist schon sehr verlockend.

Zu allem Übel gibt es wieder kurz Regen und der Tag schaut schon sehr grau aus
Zu meiner Freude stellt sich die Rennstrecke als GoKart/Supermoto Strecke heraus und das ist genau das Areal, das eine Versys zum Austoben braucht. Kurven!

Der Instruktor erklärt uns noch die sanfte (straßentaugliche)  Variante des Hanging off und das richtige Anfahren an Kurven.  Dazu gibt es auch ein paar Hütchen im Kurvenverlauf die als Richtlinie gedacht sind.

Da die Strecke langsam auftrocknet kommt in den Kurven so richtig Spass auf. Die Pilot Road 4 sind trotz der Kurvenhatz stabil, das ist wohl ein Vorteil der niedrigen Temperaturen in Estland  J, ansonsten bin ich von ihnen Rutschen im  exzessiven Rennmode gewohnt. :-/
Ganz übertreiben möchte ich es jedoch nicht, schließlich bin ich in der Touren Textilkombi unterwegs, und heimfahren möchte ich von Estland auch noch mit dem Motorrad. Aber immerhin besteht die Möglichkeit die eingefahrenen Radkanten wieder ein wenig abzurunden 😛

Die anderen Mädls sind ein wenig moderater unterwegs und daher leicht zu überholen. Nur die Triumph Fahrerinnen toben sich  ebenfalls aus und wehren sich hartnäckig
Die Tiger 1050 muss auf Grund eines Rutschers auf einem kleinen Ölfleck schlußendlich nachgeben, aber Susi mit ihrer Street Triple lässt nicht locker.

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So entscheidet, nach einigen Runden Rennmatch, erst die (zufällig) richtige Bahnwahl beim Überholen eines Pulks über das Kopf an Kopf Rennen.
Irgendwie dürfte sie das gewurmt haben, denn bei der Ausrollrunde überholt sie mich noch kurz vor der Ausfahrt.  Ok, ich verzeihe ihr.  J

Die Versys hat wieder einmal gezeigt, was sie mit simplen Straßenreifen zuwege bringt. Ich habe mich konditionell so richtig ausgetobt und wieder die Technik verbessern können.
Wir fahren dann in der Gruppe wieder zurück nach Janäda und haben noch die Gelegenheit der Offroadgruppe beim Training zuzuschauen. Ich muss sagen, die Teilnahme am Rennstreckentraining  war definitv eine gute Entscheidung  😉
Es stehen auch noch immer ein paar BMW Motorräder (Von 1200GS bis 9T) für Testfahrten zur Verfügung. Aber, wie bereits erwähnt, interessiert mich BMW einfach nicht. Es ist nicht unbedingt die relativ schlechte Qualität der überpreisten Maschinen, es ist mehr das Image, dass durch die Marke transportiert wird, das mich abschreckt.
Nur meine persönliche Meinung, wohlgemerkt. 1000te Käufer können doch nicht irren, oder?  😉
Stattdessen fahre ich mit der gestern zusammengebauten Fahnenstange und unserer Fahne eine Runde in der näheren Umgebung, um die Stabilität der Konstruktion und Auswirkung auf mich zu testen.
Bis ca. 70km/h ist es vom Zug der Fahne im Fahrtwind ok, danach richtig ungemütlich. Ich muss mir für die Parade morgen definitiv noch eine Verbesserung einfallen lassen.

 

Su ist beim Präsidentinnen Dinner (sie vertritt unsere Wima-Austria Präsidentin Jane) und wir machen es uns im Hengststall wieder gemütlich.
Die letzten Tage habe ich gemerkt, dass auch noch ein 1. Stock existiert, bin aber bisher nicht dazu gekommen diesen aufzusuchen. Heute habe ich Zeit und schaue deshalb die Stiegen hinauf.
Und, Überraschung! Hier versteckt sich ein Handwerksshop, der allerlei Gewand und Souvenirs aus Wolle, Filz, Holz, etc… anbietet.  Ich gerate beinahe in einen Kaufrausch. Die Waren sind hochwertig und relativ günstig, und so werden Wintersocken, 2 Mützen, eine Weste  und Schaaf  erstanden.

Wenn ihr Euch jetzt fragt, wie bzw. wo Schaaf angezogen wird, dann seit ihr leider im Irrtum. Schaaf ist tatsächlich nur ein Schaf aus Filz. Da es klein und handlich ist, wird es mich zukünftig auf Soloreisen begleiten.  Woher der Name kommt? In Anlehnung an einen österreichischen Motorrad „Artisten“ werde ich es, leicht verfremdet, Schaaf nennen.  😉

 

Die gute Laune wird nach der Rückkehr von Su ein wenig gedämpft. Es dürfte im Rahmen der Präsidentinnen Runde einige Kontroversen gegeben haben. Angeblich wird morgen, nach der Parade, noch einmal diskutiert.

So klingt dieser Tag mit Essen, Musik und offenen Fragen aus.

Kopfweh Tour

Wir sind diesmal nur zu zweit.

Carmen und ich, also wahrscheinlich eine flotte Partie.
Viel Zeit bleibt uns auch nicht, immerhin ist es bereits 11, als wir von Wien weg starten und wir wollen noch nach Grein auf ein Eis, und noch vor dem Dunkel werden wieder zu Hause sein.
Grein liegt ja nur 140 km von Wien entfernt, also wo ist denn das Problem, werden sich viele von Euch fragen?
Das “Problem” ist eigentlich nur die Anzahl an Kurven, die wir dabei bewältigen wollen.
Dafür haben wir eine relativ verschmähte Gegend ausgesucht. Damit garantiert: wenige Autos, wenige Motorradfahrer (bis aufs Finale) und damit auch unwahrscheinlich: Polizisten auf der Lauer.

 

Kurz gesagt, unser Plan funktioniert, beinahe ungestört kommen wir auf verschlungenen Wegen voran, und das letzte gerade Stück Straße, die Mautener Donaubrücke, liegt schon

 

eine Weile hinter uns.
Der Himmel ist bewölkt, die Temperatur mehr frisch als ange

nehm, ein wenig mehr Wäsche wäre jetzt nicht schlecht, und wir fahren Richtung Eis!?

Gott sei Dank ändert sich das sobald wir von NÖ nach OÖ wechseln. Schlagartig wird es heller, und wesentlich wärmer. Eis wir kommen!

Weil das Wetter nun schöner ist, machen wir auch noch einen kleinen Haken zum Bärenpark in Arbestal.

Das letzte Stück von St. Georgen am Walde ist ein wenig berüchtigt, daher ist auch diese Strecke mit 70km/h für Motorradfahrer begrenzt.

Auch, wenn wir die tollen Kurven sowieso nicht wesentlich schneller fahren würden, wieder so eine sinnlose Aktion, nur weil ein paar Verrückte mit Lärm und Knie am Boden hier wohl zuviel auf und ab gefahren sind.
Egal, wie gesagt, viel schneller sind wir sowieso nicht unterwegs und daher geht es flott die letzten 35 km nach Süden in Richtung Donau und Grein.

In Grein selbst ist die beliebte Konditorei bereits komplett überlaufen, mehrere Dutzend Motorräder stehen am Parkplatz vor dem Haus, aber wir bekommen einen Platz mit Aussicht auf die Donau.
Das Eis ist genial gut, da hat sich einiges in den letzten Jahren wieder zum besseren verändert, und so bleiben wir recht lange sitzen. Das auch, weil wir richtig schwindelig sind und wir beinahe Kopfweh haben. So viele Kurven, in so kurzer Zeit, kein Wunder!
Irgendwann ist es jedoch Zeit zum Aufbrechen und es geht ein Stück durch den Nibelungengau zurück, ins Yspertal, dann Weitental, Melk, Dunkelsteiner Wald, Heiligenkreuz und ins Finale nach Wien.

Gelungen, aber wo bekomme ich jetzt Kopfschmerz Tabletten her?

Schnitzeljagd, Wima Rally 2017

Heute steht wieder ein spannender Punkt am Programm: Schnitzeljagd, oder Treasure Hunt.

Am Morgen um ca. 7 Uhr aufgestanden und zum Frühstück spaziert – eigentlich ist es ein Wunder, dass es am Weg zum bzw. vom Veranstaltungs- und Essensraum (der ehem. Hengststall) nie geregnet hat, sondern eigentlich immer sommerlich und sonnig war. 

Bei der Rückkehr zum Quartier haben wir festgestellt, dass in der Zwischenzeit die Fragen und die sonstigen Unterlagen für die Treasure Hunt ausgegeben wurden.
Daher schnell die Aufgabenstellung überflogen. Die Tagesausrüstung (Regenschutz!,  Trinkrucksack und Karten) eingepackt und ab auf die Straße mit uns.
Heute sind wir nur zu zweit unterwegs. Su möchte pausieren. Na, die wird einiges versäumen, aber das wissen wir ja jetzt noch nicht. 😉

Zuerst die gleiche Strecke wie gestern mit dem Bus in Richtung Tallinn, bei Soodla, nach Norden abgebogen und bis zur Ostseeküste vorgedrungen. Die drei charakteristischen Halbinseln im Lahemaa National Park sind Bestandteil unserer ersten Rätsel. Es gibt mehrere Fragen zu lösen, die nur mittels Besuch im  Viinistu Kunstimuuseum und Käsmu Meremuuseum gelöst werden können.

Als ganz großer Fallstrick entpuppt sich die Zusammenstellung der 100 Betonkoffer (die die Emigration vieler Esten symbolisieren)  im Vorfeld des Kunstmuseums, die natürlich keine 100 Stück sind, aber durchgezählt werden müssen -> diese Station wird im Finale den wesentlichen Unterschied ausmachen, aber auch das konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen.

Die Wege zwischen den Fragestationen sind, wie bereits gewohnt, perfekt asphaltiert – es scheint, als ob in den letzten Jahren alle Entwicklungsgelder der EU in Straßen geflossen sind – einsam, ohne jeden Verkehr und – das ist die wesentlich größte Überraschung für uns – auch üppig mit Kurven gesegnet. So macht die Fahrt durch den Nationalpark richtig Laune. Vor der Küste liegen immer wieder kleine Inselchen, das Meer ist grün/blau und die vom Himmel herunter scheinende Sonne tut auch gut.

Davon mitgerissen bin ich, wie wohl immer, zu schnell unterwegs, immer wieder bleibt Renate zurück, und irgendwann stellt sie mir – zurecht – die Frage, ob ich denn auf der Flucht bin?
Da hat sie wirklich Recht und deshalb schalte ich wieder einen Gang zurück und genieße einfach die Landschaft und die ist wirklich wunderhübsch und lädt zum ruhigen Betrachten ein.

So kommen wir bald ans Ende des Nationalparks und stoßen wieder ins Landesinnere vor, um dort die beiden Herrenhäuser (Mois – Schlösser) von Sagadi (in rot)  und Palmse  (in gelb) aufzusuchen, die ebenfalls Bestandteil unseres Fragenkatalogs sind. Es geht darum Fotos von Objekten, dem jeweiligen Herrensitz zuzuordnen. Und so spazieren wir durch die wunderbaren Gärten der beiden Anliegen und ergötzen uns an dem Reenactment, das in Estland üblich ist und das damalige Leben der Bewohner (inkl. Dienstleute) zeigen soll. Gut dabei, dass es trotz wunderbaren Sonnenschein wieder um die 17/18° warm ist, mit den Motorrad Gewand wäre es ansonsten eine heiße Angelegenheit. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit beschließen wir in der Schlosstaverne eine Mittagsrast einzulegen. Auch hier ist das Personal entsprechend eingekleidet, aber immerhin können wir schon mit Euros statt Gulden zahlen. 😉

So, die gestellten Fragen wären jetzt alle abgehakt, damit treten wir den Rückweg nach Süden, Richtung Tapa an.
In Tapa selbst machen wir noch kurz Stop, einerseits tanken wir wieder unsere Maschinen voll, und dann gibt es noch einen Spezialtask der ansteht. Ich sage jetzt nur: Besenstiel und Hundespielzeug.

Von Tapa ist es nur noch ein Katzensprung zurück nach Jäneda, diesmal fahren wir nicht auf der Bundestraße sondern auf einem Landstraßen Abschneider, via Lehtse,  und so kommen wir, trotz –wieder einmal – drohender Wolken noch komplett trocken retour. Was für ein Tag!

 

Im stillen Kämmerchen wird der Besenstil präpariert, soll heißen: Mit dem aufgedröselten Hundespielzeug (Kauknochen aus Bandfasern) , Gaffertape und Rockstraps zu einer umschnallbaren Fahnenstange umgebaut.
Daran wird die Österreich Fahne befestigt und los geht die Probefahrt, für die übermorgige Parade nach Rakvere. Schließlich muss ich testen, wieviel Stundenkilometer halte ich aus bevor es mich vom Motorrad bläst, und wie viele km/h die Fahne?
Kurz gesagt, ich gewinne.  😉

Als angenehm empfinde ich alles bis ca. 70 km/h, darüber wird der zug der Fahne schon recht heftig. Außerdem beginnt die Fahne an den Kanten auszufransen.  Da die Fahrt nach Rakvere ca. 1 Stunde dauert ein gutes Fitnesstraining.

Ich fahre so ein wenig hin und her und wecke damit die Aufmerksamkeit anderer Wimas.
Mein kleiner „Stunt“ dürfte dann bis zur neu gewählten Präsidentin vorgedrungen sein, und da sie dieses Mal nicht am Motorrad fährt, schlägt sie vor, dass ich übermorgen nicht im Pulk, sondern an der Spitze zusammen mit der Wima Estland Präsidentin Annelie fahren soll, dann aber mit der Wima International Fahne.
OK, was soll schon passieren, größer als unsere Fahne kann sie ja gar nicht sein und in der Kolonne geht es ja nicht so flott dahin.
So wie immer zu optimistisch Versya, so wie immer….., aber wir werden es ja übermorgen sehen  😉

Also sage ich zu und mache mich auf den Weg zur Sicherheitstechnik Veranstaltung die Wima EE für Motorrad fahrende Frauen in Estland regelmäßig am Abend veranstaltet.
Passenderweise diesmal mit uns als Claque und ausgewählten Präsidentinnen rund um den Globus, die die unterschiedlichen Aspekte der jeweiligen Länder in ihrer Präsentation der Motorradkultur vor Ort, so wie der üblichen Verkehrssitten gut widerspiegeln. Auch interessant: Japan dürfte das einzige Land sein, das auch für Straßenmotorrad Fahrerinnen „Brustpanzer“ als Standard vorsieht.. Kenne ich sonst nur vom Motocross und da bei beiden Geschlechtern.

Wima EE hat auch einen Folder aufgelegt, der die Vorteile der Sicherheitsbekleidung gut darstellt. Ich stimme mich mit Annelie ab, wir dürfen die Fotos (alles Wima EE Member) verwenden, wenn wir einmal eine ähnliche Infobroschüre auflegen sollten.

Danach stürze ich  mich kurz in das Estnische Nachtleben – so wie immer: Essen, Trinken und laute Musik…und es gibt auch die Preisverleihung für die erfolgreichen Teams der Rätselrally. Ein Team dürfte tatsächlich die Anzahl der Koffer richtig gezählt haben und das macht den wesentlichen Unterschied im Endergebnis. Aber das Tagebuch wartet, ich hänge immer noch ca. 1 ½ Tage nach und so kehre ich ins Quartier zurück und beginne mit der Nachführung der Erlebnisse, und das sind – wie frau beim Lesen hier sicher merkt – nicht gerade wenige.
Etwas später stoßen noch Renate und Su dazu und wir diskutieren über unsere letzten Erlebnisse, die aktuellen Infos der letzten NP Wahl, und so wird es wieder spät und das Tagebuch bleibt weiter unvollständig.

Arktischer Sommer in Tallinn

Wer hätte das gedacht?
Als wir vor diesem Stand  in Tallinn standen hatte es angenehme 17-20° und der Winter war noch fern.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wir vor den langen Zipfelmützen gestanden sind und gerätselt haben, wie frau diese tragen soll? Immerhin hingen sie doch bis beinahe zum Boden hinunter?
Die nette Verkäuferin hat es uns dann erklärt. Und, wie man auf dem  zweiten Bild erkennen kann: Es bringt bei den aktuell herschenden arktischen Temperaturen wohlige Wärme.

Heute stehe ich mit meinem Hund im Park und freue mich, dass ich damals zugeschlagen habe.

Das nenne ich einmal Vorraussicht!  Oder bin ich doch eher Hexe?

Aber wie kam es überhaupt dazu, warum Tallinn, werden sich manche fragen, die möglicherweise die Beschreibung der langen Anreise versäumt haben.
Tallinn, die alte Hanse Stadt, die im Laufe der Geschichte schon so viel erleben musste und trotz allem einen relative ursprünglichen Altstadtteil aus der Gotik erhalten konnte. Und, nebenbei, ist sie auch noch die Hauptstadt von Estland.

Da wir nun schon in Estland sind, und  zumindest ein kultureller Sightseeing Event während einer Wima Rally Standard ist, was lag daher näher, als eine organisierte Besichtigungstour zu unternehmen. Natürlich bestens organisiert durch unsere Wima EE

Schon bei der Busfahrt werden wir von der netten Tourguide in die vielen Aspekte der estnischen Vergangenheit, aber auch der Gegenwart – mit ihrem schnellen Wandel, weg vom kommunistischen Satellitenstaat, zu einem modernen und sehr progressiven Staat – eingeführt.

Sie schildert sehr anschaulich die Spaltung der Gesellschaft in arm und wohlhabend, Esten und Russen. Nach Ihren Aussagen, ist es wohl noch ein langer Weg, bis diese Bevölkerungsgruppen eine größere Annäherung haben werden.

Auch die Natur und Fauna bleibt nicht zu kurz, die Unterschiede und Ähnlichkeiten zur finnischen Sprache werden kurz erläutert. Und, so sind wir schon sehr gut eingeführt, als wir die Plattenbauten der Tallinschen Vororte erreichen.

Unser erster Stopp findet an der  Sängerfestwiese statt.

Von hier aus startete die nationale Bewegung der Esten, die im Endeffekt zur Loslösung von der Sowietunion geführt hat.

 

Als Kontrastprogramm zur spektakulären Sängertribüne, geht es nun weiter in die Oberstadt, die viele öffentliche Gebäude und die Alexander-Newski Kathedrale beherbergt.

Dort oben gibt es auch eine riesige Aussichtsterasse (Kohtuotsa), mit grandioser  Aussicht auf den Hafen und die untere Stadt.
Durch die Gasse (Pikk) geht es hinunter in den zweiten Teil der Stadt, der noch alte Strukturen hat und einem Labyrinth gleicht. Wie eine Perlkette stehen hier noch alte Bürgerhäuser aus der gotischen Zeit.

Irgendwie ein Wunder, dass hier noch so viele alte Gebäude und Stadtmauern erhalten geblieben sind und jetzt, liebevoll restauriert, ein natürliches Tourismusziel darstellen. Und von diesen gibt es hier in den engen Gässchen mehr als genug.
Es ist trotzdem eine Freude durch die  Gässchen zu schlendern und die kleinen Auslagen der Geschäfte zu betrachten. Dazwischen gibt es immer wieder Lokale, und mit fortgeschrittener Zeit, treibt es auch uns in ein Lokal, in der Nähe des alten Rathausplatzes.

Die alte Hanse ist ein im Mittelalter Stil gehaltenes Lokal, mit urigen Speisen, die auch in und auf Tongeschirr serviert wird. Also Ritteressen auf Burg Lockenhaus, in Tallin eben. Das  Preis –Leistungsverhältnis ist aber nicht so berauschend und ein Besuch am WC lässt vermuten, dass die Mittelalterkulisse  nur als Ablenkung von den vorsintflutlichen Toiletten aufgebaut wurde.

Oder vielleicht doch, wegen der Touristen?  😉
Auf jeden Fall sind die Reserven wieder aufgefüllt und so geht die Tour weiter durch die Gassen.
Obwohl die Sonne warm herunterscheint  kaufen wir am Souvenierstand, an der alten Stadtmauer, wirklich warme traditionelle Wintermützen ein. Mit wolligen, gefüllten  Taschen geht es weiter zur NO Seite der Stadtmauer, wo entlang der Stadtmauer mit den imposanten Türmen, ein Park und ein Teich unterhalb der Oberstadt zum Ausruhen einlädt.

Auf einer Parkbank habe ich endlich die Gelegenheit mein Tagebuch mit den Ereignissen der letzten Tage aufzufüllen.

Die Sonne scheint, es ist angenehm warm (eher selten, ohne Motorrad Kluft) und die Parklandschaft ist endlich in der Lage auch mich herunter zu holen und einfach nur den Moment zu genießen.
Eigentlich  zu schnell ist die Zeit vorbei, und wir treffen uns wieder beim Bus.

Die Rückfahrt vergeht wieder schnell und wir müssen uns auf den Trash Evening einstimmen.

Jede vertretene Nation hat eine verrückte, irrsinnige, oder einfach unpassende Aktion vorbereitet, die vor dem versammelten Publikum vorgeführt wird.

Da gibt es Pinneaple Pen, Kinderlieder auf holländisch, deutsche Massenkundgebung

 

a‘la Fußballmatch, Löffel und Trommelmusik, Wiener Walzer, etc…

 

Schräg eben. Das parallel aufgetischte Abendessen ist mehr als nur üppig, und die Qualität ausgezeichnet, es fällt richtig schwer nicht alles zu kosten.

Und wieder wird es spät, bis wir ins Bett kommen.

Wima Austria trailer

Die Wochenende sind grau in grau, die beste ALternative dazu ist:

Bunte Bilder in bunte Filme zu verwandeln 😉

Voi’la, Stunden später:

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Video-Link: https://youtu.be/POHaoIyEWfw
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