Versya

Mein schräges Leben

Wima Rally 2017, Estnische Svenja Tour

Wir sind da! Beim Aufstehen können wir es eigentlich noch gar nicht glauben. 2750 KM ohne Probleme, keine Pannen, keine Unfälle, immer wieder Regen, aber auch immer wieder schöne Tage.

Wir haben so vieles von Land und Leute  am Weg hierher gesehen. Jetzt wird es Zeit Estland kennen zu lernen!

Das Programm der Estnischen Wima’s ist sehr beeindruckend und zeigt, dass wir nur wenig Zeit für sonstige Aktivitäten haben werden  ;-), umso schöner ist es, dass wir den heutigen Tag (als Anreisetag für alle restlichen Wimas) noch für uns nutzen können. Erst am Abend startet dann der offizielle Teil der Rally.
Das Frühstück funktioniert schon sehr toll, also das erhoffte Verbesserungspotential wurde sowohl von Tempo und Umfang der Küche dramatisch verbessert.

Nach dem Frühstück steigen wir auf unsere, nun etwas leichteren, Motorräder und düsen in Richtung Osten.

 

 

Es gibt im Prinzip nur 3 Ziele:

  • Bis zur russischen Grenze zu fahren, um, aus unserer Sicht,  wirklich ganz am Anschlag zu sein.
  • Auf der Strecke, so viel als möglich, Svenjas Ziele vom Tag 15 und 16 im Baltikum zu besuchen, jaahaaa!
  • Und trocken und heil wieder nach Hause zu kommen.

Die Sonne scheint, der Verkehr ist sehr ruhig, die Navigation ist schon vor Wochen grob durchgetüftelt, was soll da schon schiefgehen?

So brechen wir mit hurtigem Tempo auf, einmal um Rakvere herum. Die markante und große Burg muss bis Donnerstag warten, da ist sie Programmpunkt der Rally und wird von uns daher im Moment nur aus der Entfernung betrachtet.

So sind wir relativ rasch an der Abzweigung bei Sake die uns in Richtung Velaste führt. Die Straße ist schmal, aber perfekt asphaltiert und führt den größten Teil an der Steilküste zur Ostsee entlang, so dass wir immer wieder einen Blick auf das Meer werfen können. So erreichen wir zügig Velaste Juga den 30m hohen Wasserfall (der in dieser flachen Region eigentlich eher unerwartet ist) den schon Svenja besucht hat.
Es stimmt, der Wasserfalltrichter ist beeindruckend, der Wasserfall eher weniger, die abgebrochene Zuseher Plattform wieder etwas mehr. Schade eigentlich, dass diese nicht wieder repariert wurde. Die gesperrte Doppelspirale der Wendeltreppe, die zur Plattform führt, wäre für sich schon eine Herausforderung.  😉
So schauen wir halt über den Felsenrand, der, für österreichische Verhältnisse völlig undenkbar, komplett ungesichert ist. Und nach den Spuren zu urteilen, aber rege besucht wird.

Nach einem kurzen Stopp im Kaffee gegenüber (WC für alle, und Kaffee für Su und Renate, – ich nutze die Sonne zu einem kleinen Nickerchen) geht es weiter entlang der Küste bis wir kurz vor Sillamäe, wieder auf die Hauptstraße ausgespuckt werden. Von der Hauptstraße  aus, schauen die Plattenbetonbauten der Ostblock Ära nicht sehr einladend aus, und so fahren wir gleich weiter in Richtung Petersburg! Ja, das steht jetzt wirklich schon, neben Narva, als Ziel angeschrieben.
Schlussendlich erreichen wir Narva. Die Stadt schaut für unsere Augen anders aus, als die bisherigen Städte die wir in Estland angetroffen haben. Sowohl die Größe, als auch die Dimension der Shopping Häuser in den Außenbezirken der Stadt sind beeindruckend, und gleichzeitig ein wenig morbid.

Wir erfahren erst später, dass Narva zu einem sehr großen Teil russisch bewohnt ist, ob das den Unterschied ausmacht?
Auf jeden Fall kämpfen wir uns, gegen den immer mehr anschwellenden Verkehr und einem halsbrecherischen Kreisverkehr bis zum Grenzübergang vor.
Massive Zäune, Kameras, Schranken, etc… vermitteln schon einen sehr düsteren Eindruck.
Und dort passiert zum ersten Mal etwas, was uns bisher nicht passiert ist: Wir dürfen kein Foto machen! Ein Zöllner der uns auf Russisch, estnisch erklärt, dass wir hier nicht stehen, halten, fotografieren dürfen. Okeeee?

Wir rücken daher ein wenig ab vom Grenzübergang. Am davor liegenden Parkplatz halten wir, und  dort machen wir unsere Fotos. Danach geht es nochmal über den Kreisverkehr zum südlichen Teil der Hermannsfeste, wo wir vom Parkplatz zur Narva gehen, um den Grenzfluss aus der Nähe zu betrachten.  Auch die Festung  am russischen Ufer schaut trotzig und riesig aus.  Daneben baden am Ufer Kinder, ob ihnen klar ist, wie angespannt die Situation in Estland seit der Anektion der Krim tatsächlich ist?
Im Hinterland üben im Moment britische und Nato Militärs, versteckt in den Wäldern ( immer wieder passierte es, dass ein britisches Militärfahrzeug aus den Wäldern auf die Straße fährt) für den Ernstfall. Der im Fall des Eintretens wahrscheinlich für die Baltischen Länder verherrend ist, da die Suwalki Lücke ein Nadelörl in der Verbindung zum restlichen Europa darstellt.

Wir treffen am Parkplatz auch zum zweiten Mal auf ein französisches  Pärchen auf einer Honda Pan European, und der Name des Motorrads ist ihr Programm: Für 45 Tage sind sie durch Europa unterwegs, über die Benelux, skandinavischen Staaten und Estland sind Sie bereits gekommen, weiter geht es nach Süden, via den restlichen baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Österreich, Italien, zurück nach Paris.

11.000km sind für die 45 Tage geplant, wir sind beeindruckt. Erst zu Hause rechnen wir uns den Schnitt unserer letzten Tage aus, und sind wieder beruhigt.  😉

Wir sind nun den 9. Tag unterwegs, haben in Riga einen Tag ausgesetzt, und trotzdem am Weg Sehenswürdigkeiten abgeklappert.
Heute ist eigentlich erst ein halber Tag verstrichen, und am Tacho stehen bei mir in Summe 2.950km. Wie viele KM hätten wir bei 45 reinen Fahrtagen abgespult?
Wer mir in den Kommentaren die richtige thoeretische KM Leistung postet – oder, wer am nähesten dran ist, erhält ein original estnisches Präsent von mir zugeschickt.

3 Mädls haben es auf 2 Versys und einer Duke 390!! bis hierher geschafft.
Wir sind den langen Weg hierher ohne Hoppalas, bei mehrheitlich schönem Wetter, gefahren, haben viellerlei besucht, bzw. vom Weg her gesehen und müßten nur noch 130km fahren, um in St. Petersburg anzukommen.  . Dabei haben wir nur wenige unfreiwillige Straßenkilometer befahren, keine Umfaller, oder Gepäck Hoppalas gehabt. Mit unseren ad hoc gebuchten Hotels sind wir immer glücklich gewesen.
Irgendwie erscheint mir diese Situation so unwirklich, und doch, wir sind wirklich da.

Wir nehmen diesen Moment mit und drehen um. Ab jetzt geht es nur noch darum Estland und die Wima’s besser kennen zu lernen.

Bis Jöhvi fahren wir auf der gleichen Strecke zurück, um dort nach Süden in Richtung Peipus See abzubiegen. Am Weg liegt das orthodoxe Nonnenkloster von Kuremaä und dort stoppen wir, um eine Runde über das beeindruckende Gelände zu machen. Das ganze Ensemble ist wunderhübsch, sowohl die Gärten, als auch die Gebäude sind einem perfekten, wunderhübschen Zustand.

Ab und zu wieselt auch eine ältere Nonne durch die Landschaft, und auch die anderen Besucher haben den klassisch russischen Touch. Die ganze Szene hat so etwas von Dr. Schiwago und passt so gut in den Charme der östlichen Region von Estland. 😉

Trotz des nun göttlichen Beistands (ja, wir haben auch das heilige Wasser vor Ort getrunken)  fängt es nun zu regnen an.

In mittlerweile gewohnter Routine ziehen wir uns das Regengewand über und fahren weiter nach Süden. Ich habe mir leichtsinnigerweise die Mesh Handschuhe anbehalten, ohne die Überhandschuhe drüber zu ziehen.

 

 

Schon nach ein paar Minuten wird mir klar, dass das ein Fehler war. Der Regen wird immer stärker und die Temperatur fällt auf 14°.  Die Handschuhe sind sehr schnell durchnässt, aber jetzt ist es zu spät, also Heizgriffe auf max. gestellt und durch. Am Peipus See angekommen müssen wir feststellen, dass das Ufer eigentlich nicht zugänglich ist. Entweder stehen die Häuser der Ortschaften am Ufer, oder ein dichter Waldgürtel, verhindert den Zugang zum See. So umkreisen wir Kilometer für Kilometer den See in Richtung Süden, bis wir kurz vor Lohusuu eine Stichstraße im Vorbeifahren sehen, die bis zum See führen könnte.

Wir drehen im strömenden Regen um, und fahren zurück und hinein in den Waldgürtel. Leider endet die Straße ebenfalls ca. 200m vor dem Ufer an einem Privatgrundstück. Die Schilder sind eindeutig und der schwarze Range Rover mit abgedunkelten Scheiben vor der Garage weckt Erinnerungen an diverse James Bond Filme.

Mir ist es jetzt aber zu blöd und deshalb Umgehe ich einfach das Grundstück in kurzer Distanz, bis ich am Ufer des Peipus See stehe.
Der Wind und Regen lassen den See wie ein weites, aufgewühltes Meer ausschauen.
Ok, der Anblick war es allemal wert, durch das Gestrüpp zu kriechen.

Jetzt aber zurück zu der wartenden Gruppe, die zwar im Wald einigermaßen vor dem Regen geschützt ist, aber natürlich schon ungeduldig wartet.
Da der Regen noch immer anhält biegen wir bei Lohusuu wieder in das Landesinnere ein und fahren am beinahe direkten Weg zurück in Richtung Jäneda. Am Weg hört auch der Regen wieder auf und es wird wieder sonnig bis bewölkt.

Bei Aravete stoßen wir wieder auf die Hauptstraße und füllen unsere Tanks bis zum Anschlag an. Bei der Tankstelle steht, neben einem gehörnten Pinzgauer, auch eine Wima Gruppe die gerade Karten auf der Suche nach einer Schotterstrecke durchforsten.
In den letzten Jahren sind schon so viele estnische Schotterstraßen den Fördermitteln der EU zum Opfer gefallen.
Und so  wichtig das auch für die Infrastruktur ist, damit wird wieder ein  Enduroparadies geschrumpft. Ergo sind Karten nur relativ aktuell, aber Gott sei Dank kenne ich zufällig eine Schotterstrecke gleich ums Eck.  😉

Ich zeige ihnen auf der Karte den ungefähren Anfang der gestrigen Schotterstrecke und Sie machen sich auf, sie zu finden.

Wir aber kehren, nun schon beinahe trocken, wieder nach Jäneda zurück.

Wir sind damit rechtzeitig vor dem heutigen Eröffnungsabend der Wima Rally wieder zurück und bewundern die gewachsene Zeltstadt und die vielen Wimas, aus aller Frauen Länder, die mittlerweile eingetroffen sind.

Die Abendveranstaltung findet wieder im „Stall“ statt und beginnt mit viel Musik, einem estnischen Folklore Auftritt, Ansprache der lokalen Politiker und eine kurze Einweisung in die estnische Sprache, die im Gegensatz zu den anderen baltischen Sprachen, stark verwandt mit Finnisch ist. Ja, und so hört es sich auch an.  😉
Wichtige Worte sind:

Hallo – Tere
Ja – ja
Nein – ei
Danke – aitäh
Bitte! – Palun!
Prost! – Õhtusöök (Klingt aber wie: tervisex)

Und so findet der Abend wieder ein launiges Ende. Sogar ich finde in der Masse der Wima‘s bekannte Gesichter von der letzten Rally in Ungarn.
Für unsere älteren Mitglieder sind es wieder viele Freundinnen auf die sie erneut treffen und mit denen die Erlebnisse des letzten Jahres ausgetauscht werden.

Irgendwann, die genaue Uhrzeit weiß ich nicht. -aber da es ja noch nicht dunkel war  ;-), kann es ja nicht so spät gewesen sein – gehe ich zurück zum Zimmer und lege mich schlafen.  Das Tagebuch muss auf morgen warten

 

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Video-Link: https://youtu.be/JlFIZFiOR6U

Tageskilometer: 410

Wetter, sonnig bis regnerisch.  14-20 Grad

3 Kommentare

  1. Also und ja, weil ich schon eine ganze Weile nix gepostet hab:
    so Daumen mal Pi schätze ich das Tagesetmal auf etwa 327,77777777777777777777778 Kilometer, was bei einer 45tägigen Reise eben das 45fache ergeben würde, das ich mit ungefähr 14750 Kilometer gradaus einschätzen würde…
    Und was bedeutet die Zahl jetzt gegen meine urlaubsmäßig gefahrenen 5000 Kilometer mit dem 50erl in 19 Tagen ? Nicht absolut, sondern in Relation bzw berechneter Kubatur, die dem 13fachen der Versysvariante entsprechen würde (geschätzt) ;-?

    Mein Präsent bitte zur Eiskristall-Rallye mitbringen, falls ich mit der Schätzung am Nächsten liegen sollte ;-!

    Am Anfang wollte ich die vielen erwähnten, jedoch nicht vorhandenen Fotos bemängeln – tat ich zum Glück nicht; aber ein bißchen weit nach unten gerutscht sind sie schon !

    • Versya

      Freitag, der 29. Dezember 2017 at 16:56

      Danke für das wieder einmal Posten! 🙂
      Die Schätzung ist schon mal nicht schlecht! und, ja, wir waren gut, aber nicht wahnsinnig! 😉
      Sollte ich einen Termin für die Eiskristalrally erhalten, werde ich das (passende) Präsent, bei einer bis dahin unangefochtenen Schätzung, natürlich mitbringen.

      Bzgl. Fotos: Hmm, eigentlich sollte bei einem Klick auf das Diashow-Bild das ganze Bild (ungeschnitten) gezeigt werden. Das schaue ich mir noch an.

      • Danke für das wahnsinnig nette Kompliment – die 390erIn ist auch nicht weit entfernt davon und ritt in ihrem Kamel-Korsett wie ich schon mal in jenem der 500er … 😉
        Wg Eiskristallen: hab’ auch noch keine Info, würde diesmal allerdings etwas anderes nehmen – alljährlich das Salz von den polierten Felgen zu kriegen ist mir zu aufwendig.
        Bilder sind e ok, bei 11mb Größe dauerts eben …. 😉

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