TET Italien 2.4 -Umwege und zu kurze Wege

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Der letzte Fahrtag in Italien!

Damit haben wir den TET nicht nur von Ost nach West, sondern auch von Süd nach Nord fertig. Aber noch sind wir nicht ganz da. Danach müssen wir uns überlegen, wie wir die restlichen Tage für Frankreich nutzen und ob wir eventuell die Reifen wechseln lassen. Dazu gibt es ja bereits eine bekannte Werkstätte in Bardonecchia .

Aber noch sind wir nicht am Colle del Sommeiller. Also los geht es, diesmal zeitig.

Das versprochene Frühstück laut Booking.com bestand eigentlich nur aus Instant-Keksen und Joghurt. Dadurch waren wir zeitlich zwar flexibel, aber das Frühstück war doch etwas dürftig.
Dass sich das möglicherweise noch rächen würde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wissen.

Da wir gleich ums Eck von der Assietta waren, sind wir relativ schnell oben am Berg und steuern auf die Einfahrt zu. Schon von Weitem fällt uns viel Rot und eine Barriere am Eingang auf.
Die Assietta ist blockiert. Angeblich wegen Baumaßnahmen?

Diese ewig langen italienischen Litaneien auf gefühlt 200 Zusatzblättern neben einem Fahrverbotsschild tragen jedenfalls nicht wirklich zur Erhellung bei. 😉
Probieren wir es trotzdem? Ja. Vielleicht kommen wir ja daran vorbei.
Also fahren wir etwa acht Kilometer die Straße von Ost nach West entlang, bis wir auf einen strategisch gut geparkten Bagger stoßen, der ein Umfahren für uns unmöglich macht.

OK. Also wieder retour und als Alternative den Colle delle Finestre.
Dieser ist ebenfalls geschottert, aber so früh in der Saison mit ganz feinem Streusplitt auf einem eher harten Untergrund versehen. Das fühlt sich selbst mit unseren Enduros wie Glatteis an.

Im weiteren Verlauf geht die Straße dann auf Asphalt über, bleibt aber aufgrund der engen, übereinander gestapelten Kehren interessant. Und so kommen wir bei Susa wieder zurück in die Zivilisation.

Immerhin eine gute Gelegenheit zu tanken, bevor es weitergeht nach Oulx. Dort werfen wir das Gepäck in den Transporter – eine, wie sich später noch herausstellen sollte, gute und gleichzeitig blöde Entscheidung – und fahren ansonsten gleich weiter in Richtung Colle del Sommeiller.

Es geht an Bardonecchia vorbei ins Tal zur Zufahrt zum Pass. Eine Baustelle zwingt uns durch das nette Dorf Rochemolles, dessen Gässchen wirklich extrem eng und gleichzeitig steil sind.
Danach geht es ohne große Ereignisse Stück für Stück immer höher. Die Straße ist geschottert, aber leicht zu fahren. Sie endet schließlich auf etwa 2.900 Metern vor einem weiten Schneefeld.

Ein kleines Stück können wir noch seitlich ausweichen, aber dann ist wirklich Schluss.
Das war so früh im Jahr schon zu erwarten. Und eigentlich spricht es für wenige Niederschläge, dass wir überhaupt bis auf diese Höhe gekommen sind.

Nachdem das so gut geklappt hat, entscheiden wir uns auf dem Rückweg, gleich noch den Jafferau mitzunehmen.
Das bedeutet: Auffahrt über die Skipiste und Abfahrt dann über die flachere Strecke hinunter nach Salbertrand.

Ein paar Dinge hätten wir allerdings bedenken sollen:

  1. Die Stollenreifen unserer Motorräder sind nur noch Schatten ihres ursprünglichen Profils.
  2. Unsere Motorräder sind keine Hardenduros und damit deutlich schwerer.
  3. Der Skihang ist nach Westen ausgerichtet, also auf der Wetterseite und mit weniger Sonne. Was normalerweise mehr Restschnee bedeutet – und weil es eine Skipiste ist, hält dieser durch das Präparieren auch länger, da er kompakter ist.
  4. Die österreichischen Pinzgauer-Fahrer, die wir an der Einfahrt zur Piste trafen, haben uns nur mitleidig angesehen. 😉

Aber wir waren so in Finalstimmung, dass uns das alles nicht wirklich in den Sinn kam – oder wir es einfach nicht wahrnehmen wollten.

Das nächste Warnsignal kam in Form einer unerwartet großen Anzahl an Großenduros verschiedenster Klassen, die uns im unteren Abschnitt entgegenkamen.
Wir interpretierten das als: „Hurra, der Weg ist frei!“ Und nicht als: „Ah, OK – die kommen wieder zurück.“

Also tuckerten wir den Berg hinauf, bis zu einer Senke mit einem etwa zehn Meter langen Schneefeld, das den Weg blockierte. Einige Großenduros standen bereits davor und überlegten, was zu tun war.
Es gab allerdings einen relativ ebenen, sumpfigen Schneematsch-Pfad hindurch.
Mit Schwung nahm ich den Pfad und kam ohne gröbere Probleme durch.
Damit gab es natürlich auch keinen Grund, nicht weiterzufahren.

Der Weg wurde erwartungsgemäß, weil Skipiste, immer steiler und steiniger.
Beim nächsten Schneefeld gab es nur eine seitliche Umfahrung, die mit Schwung zumindest bis zur Hälfte befahren werden konnte. Für den Rest war Schieben und Hocharbeiten angesagt. Der lose Boden in Kombination mit der Steilheit ließ sich ohne Schwung einfach nicht bezwingen.

Die dünne Luft machte sich bemerkbar und so stoppten wir kurz zum Luft holen.
Jetzt machte sich auch das schwache Frühstück bemerkbar. Und da über den Tag bisher keine wirkliche Ergänzung erfolgt war, wurde langsam klar: Ein wenig Zucker wäre jetzt fantastisch gewesen.

Die Notration war zwar im Gepäck. Und das Gepäck war – größtenteils im Transporter.
Aber was soll’s.

Der Weg sah jetzt wieder einigermaßen vernünftig aus, also weiter.
Bis wir auf ein vielleicht sechs bis sieben Meter langes Schneebrett kamen, das den Weg erneut versperrte.
Diesmal gab es keinen ebenen Weg – sondern bergauf, was man auf dem Foto leider nicht wirklich erkennt.
Kein Matsch, sondern Schnee und Eis. Und uns – nur uns.

Glaub nicht der Optik, es ging bergauf und war selbst im Finale steil

Es war steil, auch wenn es hier nicht so aussieht :-/

Für die nächsten eineinhalb bis zwei Stunden waren wir damit beschäftigt, die Motorräder über dieses Stück zu bringen.
Juniors Motorrad ging noch einigermaßen flott. Meines, weil etwas schwerer und weil wir mittlerweile entsprechend matter waren – möglicherweise aber auch wegen des falschen/ermattetenden Reifenprofils des TKC80² – es dauerte endlos und brachte uns beide an den Rand der Erschöpfung.

Irgendwann waren wir mit meinem Motorrad endlich so weit, dass auch das Hinterrad aus dem Schnee war.
Und genau dann versagte die Batterie. Oder, wie sich später herausstellte, das Starterrelais.
Das wiederholte Anstarten am Schneefeld hatte hier ein Opfer gefunden.
Das mitgebrachte Starterkabel brachte daher auch keinen Erfolg.
Wobei es schon eine eigene Herausforderung war, die andere Enduro so zu platzieren, dass sie überhaupt Starthilfe geben konnte. Wir hatten aber auch keine Kraft mehr meine KTM zu zweit auf diesem steilen Weg hinaufzuhieven um sie anrollen zu können.

Die Rettung waren drei Bayern auf schlankeren Kawasaki-Enduros die bergab unterwegs waren.
Sie halfen uns dabei, meine KTM bis zur nächsten Kehre hochzuschieben. Dort konnte ich sie, mit gezogener Sicherung für das Licht, bergab anrollen und der Motor sprang gottlob gleich an.

Und danach wurde sie nicht mehr abgestellt.
Damit war zwar diese Hürde beseitigt, aber laut der Information der Bayern warteten noch zwei Schneefelder auf uns. Diese seien bei der Abfahrt Richtung Salbertrand, die sie bergauf umfahren konnten.
Ihr skeptischer Blick auf unsere Maschinen sprach allerdings Bände. Egal.
Wir waren jetzt hier und laut ihrer Auskunft war die restliche Strecke bis zum Forte Jafferau frei.

Also fuhren wir den restlichen Weg problemlos – und ziemlich alleine – weiter, genossen die Aussicht und überlegten kurz, welche Abfahrt wir nun wählen sollten.
Ich war für die für mich bereits größtenteils bekannte Abfahrt nach Salbertrand. Sie war flacher und wir konnten beim ersten Schneefeld entscheiden, wie es weitergeht. Das erste Schneefeld konnte man vom Fort bereits sehen.

Nach etwa drei Kilometern Bergabfahrt war es dann so weit.
Das Schneefeld kam. Und wir umfuhren es souverän unterhalb durch das sumpfige Gelände.
Bei mir allerdings immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Wenn ich jetzt den Motor abwürge, war’s das.

Danach ging es weiter zum zweiten und letzten Schneefeld, das ich bereits von meinem letzten Besuch nach der WIMA Rally in Frankreich kannte.
Es lag praktisch genauso da wie damals und bot auch die genau gleiche alternative Umfahrung – diesmal allerdings in umgekehrter Richtung.
Beim letzten Mal hatte ich mich geweigert, diese Passage zu fahren. Zu irrsinnig war für mich damals der Gedanke gewesen, das alleine zu versuchen.

Und jetzt stand ich wieder davor. Junior fuhr vor und ich war im „Watch and Learn“-Modus. 😉

Er schaffte es problemlos: sowohl bergab, mit allen Bremsen im Einsatz, als auch mit Anlauf durch den Sumpf unterhalb des Schneefeldes. Genug Schwung und Traktion für die anschließende Bergauffahrt waren vorhanden.

Na dann.

Im Leerlauf – weil der Motor auf keinen Fall absterben durfte – und ebenfalls mit allen Bremsen im Spiel rutschte ich den geschwungenen Pfad bergab.
Und dann mit beherztem Gasgeben und „Augen zu und durch“ wieder hinauf.
Ein ganz großes Aufatmen bei uns beiden. Denn ab jetzt war klar: Wir haben freie Fahrt.
Es folgte noch der gebogene Tunnel vor dem Forte Pramand, der schon mit funktionierem Licht sehr dunkel ist. diesmal musste mir Junior den Weg leuchten, bei mir war noch immer die Sicherung draußen, weil ich (sinnloser Weise) Batterie laden wollte.

Als wir wieder einigermaßen festen Boden unter den Rädern hatten, schlug bei Junior das Asthma durch und wir mussten einen richtigen Stopp einlegen, damit er wieder ausreichend Luft bekam.
Der Wegfall des Adrenalins und/oder der fehlende Zucker hatte das wahrscheinlich getriggert.

Beim nächsten Supermarkt gab es dann den wichtigen Stopp zum Auffüllen der Energiereserven.
Diesmal wurden zuckertriefende Limonaden und kleine Müsliriegel besorgt, damit wir beide wieder etwas Energie bekamen. und, die ganze Zeit lief mein Motor durch.


Bei Juniors KTM stellte sich im weiteren Verlauf auf dem Asphalt allerdings heraus, dass die Kupplungsbeläge unter den steilen Abschnitten und dem damit verbundenen Fahren mit schleifender Kupplung massiv gelitten hatten.

So schleppten wir uns zurück nach Oulx.
Nun standen dort drei Fahrzeuge, die allesamt irgendeinen Defekt hatten.
Da der Transporter unser Fallback bei einem Motorraddefekt war und die Motorräder wiederum unser Fallback bei einem Problem mit dem Transporter, war nun eine Krisensitzung angesagt.
Werkzeug hatten wir genug dabei.
Also vielleicht aus zwei Motorrädern eines machen und damit Ersatzteile aus Gap oder Turin heranschaffen?
Gab es diese Teile dort überhaupt auf Lager? Nein, eine telefonische Erkundung brachte diese bittere Erkenntnis.
Und würden wir damit nicht nur unnötig Zeit mit dem Warten auf Ersatzteile verlieren…
Die Diskussionen wurden länger. Das finale Ergebnis: Wir gehen Pizza essen und schlafen drüber.

Am nächsten Tag gab es dann die Entscheidung …

Ab dem Ziehen der Sicherung gab es auch keine Streckenaufzeichnung mehr :-/

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