Jubel, Trubel, Heiterkeit!

Heute ist der letzte Tag der Anreise! Heute Nachmittag sind wir schon in Jäneda und zelebrieren die WIMA Rally 2017 für die nächsten 5 Tage.

Im Gästehaus: http://www.janedaturism.ee/en        und rund um das Schloss

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A4neda

Die bisherige Anreise war spannend, interessant, abwechslungsreich und von vielen wunderbaren Eindrücken begleitet. Eigentlich ist es fast unmöglich, dass unsere Estnischen Wima’s das mit der Rally noch weiter toppen können.

Wir genießen den frühen Morgen und essen uns beim Frühstück noch einmal so richtig an, denn es wird ein langer Tag.
Die erste Hälfte der nächsten 320 km führen uns an der Küste entlang, die weitere Hälfte führt uns dann ab Pärnu in das Landesinnere hinein.

Unerwartet lange dauert es, bis wir die Grenze zu Estland, knapp vor Pärnu, erreichen.

Davor durchfahren wir noch in Salacgrīva die Ausläufer des Positivus Festivals,mit seinen kilometerlangen Campingplätzen entlang der Straße. Die Festivalbühne selbst, ist ein wenig in den Wald hinein versetzt.

Der Menschenauflauf ist riesig, der letzte Tag dieses 3-tägigen Open Air Events zieht offensichtlich noch viele Zuhörer an.

In mittlerweile guter Tradition gibt es wieder ein gelungenes Foto an der Grenzstelle, die gerade im Umbau ist, aber mit drei Motorrädern findet frau auch mitten im Chaos einen ruhigen Platz.
Wir verlassen kurz die Bundesstraße um in Pärnu eine Estnische Fahne zu besorgen, damit wir bei der Einfahrt nach Jäneda entsprechend geschmückte Motorräder haben (unsere Fahnen haben wir ja mitgebracht)

In unsere Haare haben wir schon am Morgen die blauen, schwarzen und weißen Wollzöpfe eingeflochten.
Die Farben Blau=Treue und Vertrauen, Schwarz=die Ahnen und die Vergangenheit, Weiß=Schnee und Zukunft die durch die Estnische Fahne symbolisiert werden sollen, werden so von uns bereits mitgetragen.

Leider gibt es in Pärnu keinen Souvenir Shop, oder ähnliches, und so brechen wir, unverrichteter Dinge, kurz darauf auf ins Landesinnere.
Der Verkehr wird weniger und beschränkt sich auf einzelne Autos und LKW’s die schon bald wieder aus dem Sichtfeld verschwinden.

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Bei einer Baustellen Ampel werden wir angehalten und beobachten einen LKW, der  die aufgerissene Straße vor uns mit reichlich Wasser staubfrei hält.
Nach einer Weile wird die Ampel auf Grün geschalten und los geht es.
Habe ich schon erwähnt, dass die Versys im Stehen angenehm zu fahren ist? Mit flotter Geschwindigkeit geht es auf den nächsten Kilometern weiter nach Osten, irgendwann überhole ich auf der Strecke auch noch den Wasser verteilenden LKW, aber eigentlich ist es zu spät, die Versys ist bis hinauf zum Sitz bereits voller Schlammspritzer.

Naja, es regnet sowieso bald wieder  😉 Dann am besten noch eine Panier aus Staub dazu, dann fällt das meiste von alleine ab.  🙂 Und so geht es im flotten Tempo einfach weiter die Schotterstrecke entlang. Ab und zu kommt ein Auto, Bus oder LKW entgegen, anscheinend haben die Ampeln auch nur einen symbolischen Wert? Aber als Österreicherin ist frau gewohnt, flexibel mit kulturellen Eigenheiten umzugehen, daher werden wir das zukünftig einfach auch so machen  😉

Irgendwann geht auch diese endlos lange Baustelle zu Ende und ich steige im Schatten eines kleinen Obstbaums ab, um mir eine rein symbolische Zigarette anzuzünden.
In Summe werden es wohl 2 Zigaretten, bis unsere kleine Gruppe wieder beisammen ist. 😉

Aber die Ruhe im Schatten war angenehm, und so machen wir alle eine kurze Pause und bewundern unsere wunderschön mit Dreck und Staub bedeckten Motorrädern.
Das Negative:  Sauber ist anders.  Das Positive: Die Motorräder schauen aus, als ob wir die Hälfte der Anreise auf Schotterstrecken zurückgelegt hätten. D.h. wir sind jetzt richtige Abenteuermotorradfahrerinnen! 😉

Wir setzen kurz darauf unsere Fahrt wieder fort, und dass, das bis jetzt nicht passiert ist, passiert ab sofort laufend: Wir stoßen auf Wima Gruppen, bei Tankstellen, bei Cafehäusern, oder vor Lokalen an denen wir vorbei fahren.

Die meisten sind aus D, aber auch Briten und Polen sind dabei. Kurz stoppen auch wir zum Tanken, aber es drängt uns weiter, nach so langer Fahrt wollen wir auch endlich ankommen.

Es dauert noch relativ lange bis kurz nach Aravete das erste Mal Jäneda angeschrieben ist. Die Richtung stimmt, der Weg ist frei, also ab ins Finale!

Wir montieren am Straßenrand unsere mitgebrachten Österreich Fahnen an den Motorrädern und freuen uns auf den Zieleinlauf nach ca. 2750 km an erlebnis- und abwechslungsreicher Fahrt.

Ca. 12 km vor Jäneda verlassen wir die Hauptstraße und biegen bei Käravete (hmm, der Name kommt mir bekannt vor?)  nach Norden ab, die Spannung steigt. Die Bilder des Herrensitzes waren bereits sehr einladend, jetzt wird er für die nächsten 5 Tage ein Frauensitz.  😉 Ein klassisch estnisches Gut, so wie viele, die wir bereits auf unserem bisherigen Weg entlang der Straßen gesehen haben, dass liebevoll in Stand gesetzt wurde und von Seen und Wiesen umgeben ist.

Nach wenigen Minuten das Ortsschild, und an der ersten Kreuzung ein erstes dezentes Hinweisschild „Wima“, das uns auf den letzten 200m bis zum Parkplatz vorm Gästehaus begleitet.

Dort parken wir uns in der ersten Reihe, schnappen uns die ersten Gepäckstücke und marschieren zur Rezeption, wo wir von den Wimas aus Estonia mit „Tere!“ in Empfang genommen werden.

Diese Begrüßung hat so etwas von Benjamin Blümchen, aber auch andere Worte wie Aithä (danke), klingen für unsere Ohren zuerst nach etwas anderem. Aber mehr dazu am nächsten   Abend, auch wenn wir das noch nicht wissen.

Zuerst werden die Formalitäten erledigt und dann geht es mit unserem Willkommens-Goody-Bag zum Zimmer.
Der Blick aus dem Fenster zeigt Richtung Campingwiese, wo auch gerade die ersten Zelte aufgebaut werden.

Zuerst ein wenig Ballast in Form von Gewand und Helm im Zimmer abgeworfen und dann zurück zum Motorrad, um die restlichen Taschen und Koffer aufs Zimmer zu holen.
Während die anderen sich am Gelände umsehen, nutze ich die frühe Ankunft dazu, ein wenig auf Svenjas Pfaden zu wandern.

 

Es gab es ein Stück Schotterstraße ca. 10km südlich von hier, auf dem auch Svenja auf ihrer Tour vorbei gekommen ist. Genau handelt es sich um den Abschnitt Albu – Paunküla , der irgendwie über Napu führt, mehr konnte ich aus den Karten nicht erkennen. Die Gegend besteht dort aus Wald und Moore, und die falschen Wege enden immer irgendwo im Nirgendwo. Aber wo eine KLX durchkommt, das schaffe ich mit einer Versys und Straßenreifen auch  😉

Natürlich ist es dann nicht so schlimm, bis auf ein paar tiefere Passagen mit feuchtem Untergrund ist es ein wunderbarer Weg. Es geht zuerst mehrheitlich über Wiesen, dann durch Waldstücke, bei Napu wieder über eine Wiese, um dann wieder in Wald und Moore überzugehen.

Dennoch bin ich froh, dass ich das Gepäck entfernt habe, die Strecke ist nur 1 spurig, und es gibt erstaunlicherweise doch 2 mal ein Auto, dass mir entgegen kommt.


In dem Gewirr von Wegen versuche ich am rechten Weg zu bleiben und schaffe tatsächlich, ohne mich ein einziges Mal zu verfahren, die 30km bis zum Paunküla Stausee.

Die Sonne scheint, es sind viele Leute am „Strand“ und im Wasser. Naturgemäß werde ich mit der Versys und der Motorrad Montur wie eine Außerirdische angestarrt. Irgendwie kann ich es ihnen auch nicht verübeln.  🙂

Also, nur ein kurzer Fotostop und weiter geht es, am Campingplatz vorbei, nach Norden weiter über Schotter und dann über die neu asphaltierte 207 und weiter über die 125 im, zugegebenermaßen, sehr flotten Tempo zurück nach Jäneda.

Nach dieser kleinen (80km) Spritztour, die noch viel mehr Lust auf mehr gemacht hat, komme ich ins Quartier zurück.

Jetzt heißt es sich noch schnell hübsch zu machen (Moto Gewand vom Leib reißen, Duschen und normales Gewand anziehen) und zum „Black Stallion Stable“ wandern, der ca. 200m vom Gästehaus entfernt ist.
Hier gibt es das Essen und auch die jeweiligen Abendveranstaltungen lt. Programm finden hier statt.

Hoffentlich regnet es nicht zu oft, sonst wird das Ganze bei den erwarteten Durchschittstemperaturen von 14-20 Grad eine feucht kühle Angelegenheit.

Im „Stall“ angekommen treffe ich die fröhliche, aber auch ausgehungerte Schar der bereits angekommen Wimas. Irgendwie muss sich das mit der Bedienung und Kocherei wohl noch einspielen.

Wir vertreiben uns die Zeit mit einer improvisierten Band aus allen Frauen Länder und haben unseren Spaß. Als das Essen schlussendlich doch kommt (da wird es wohl fast 22 Uhr sein) ist es sehr gut, immerhin. Wollen wir hoffen, dass morgen, wenn alle Wimas da sind, alles schon runder läuft.

Da es diesmal viel zu spät wird, bleibt keine Zeit für das Tagebuch.

Am Nachhauseweg, um 23:00 Uhr

Da morgen noch der offizielle Ankunftstag ist, und das Programm erst am Abend startet, muss ich noch eine Ausfahrt für morgen fertig planen, ich hab da so ein paar Ideen.  😉