Der Tag startet mit Frühstück am Balkon, die Alternative: Im Hotel zugeordneten Restaurant zu frühstücken war im Vergleich dazu nicht so verlockend, trotz Gutschein.
Die Auswahl ist reichlich und reicht für uns alle und ein kleiner Rest wird in die Topcase Bar von Su verfrachtet, quasi als taktische Reserve für den Tag.   😉

Wir genießen den ruhigen und stressfreien Start in den Tag, langsam schaffen wir es uns an die Gegend anzupassen und unser hektisches Alltagsleben komplett hinter uns zu lassen. Ähnlich wie beim Pilgern ist die „Monotonie“ des Tagesablaufs sehr meditativ und schafft eine ganz eigene Atmosphäre.
Somit starten wir den Tag auch ganz easy, indem wir die Gepäckstücke gleich über die Balkonbrüstung zu den Motorrädern werfen und damit die Schlepperei rund um den Block dramatisch verkürzen und da das „Aufpacken“ mittlerweile schon Routine ist sind wir trotz aller Ruhe ganz schnell auf Achse.
Die Sonne scheint, trotzdem ist es recht frisch (17°) und wir sind froh, dass wir noch ein paar Schichten unter der Motorrad Montur an haben.  Kurz treffen wir auf extrem niedrige „Wolken“? die manchmal in Griffweite dahinschweben, und sich manchmal wie Nebel über die Landschaft legen.

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Im Schatten ist es nochmal empfindlich kühler, so halten wir nochmal, um unsere Schichten nochmals zu erhöhen.

So fahren wir durch leicht hügeliges Gelände in Richtung Siauliai und dann ein kurzes Stück nach Norden auf der A12, um doch gleich wieder nach rechts abzubiegen. So schnell haben wir Kryziu Kalnas, den Berg der Kreuze erreicht.

Der Parkplatz ist fast voll und die ersten Busse treffen auch schon ein daher lassen wir die Souvenierläden fürs Erste mal links (also eigentlich rechts) liegen und entern das WC – das erste und letzte Mal auf unserer Fahrt, wo es tatsächlich etwas kostet- ist dafür auch tip, top.  Das ist wirklich der einzige Punkt denn ich an männlichen Motorradfahrern beneide, Zip auf, Geschäft erledigen, weiter fahren. Nicht einmal eine Minute dauert das im Normalfall. Wir sind zu dritt und mit Aus- und Anziehen brauchen wir bei unseren Schichten

 

In Summe ca. 20 min duaert es, bis wir endlich zu Fuß die letzten 400m in Richtung der Kreuze gehen.
Trotzdem ist der Bus Mob immer noch hinter uns und so können wir beinahe ungestört die erste Runde auf den schmalen Wegen durch die enorme Anhäufung an Kreuzen wagen.
Es gibt große, kleine, alte, neue, Holz-, Stein- und Metallkreuze und all das zeigt, trotz der Masse, eine gewisse tiefe Spiritualität die hier in Litauen vorhanden ist, trotz, oder gerade wegen der Unterdrückung während der Sowjetzeit.

Wir sehen auch eine Familie (die trotz Verbot) ein neues Kreuz mittlerer Größe errichtet. Soweit ich das nachvollziehen kann ist es wohl einem Kind gewidmet, dass vor ca. 1 Monat gestorben ist.
Greepy. Ich distanziere mich räumlich vom Berg, um mit ein wenig Abstand das Ganze auf mich wirken zu lassen, aus der Nähe ist es einfach zu heftig.
Die Temperatur ist mittlerweile auf 25° gestiegen und so entledigen wir uns am Rückweg zu den Motorrädern unserer Schichten, um jetzt um einiges freier nach Norden, in Richtung Grenze, weiter zu fahren.
Vorher entern wir aber noch den Souvenir Shop und endlich gelingt es uns auch Aufnäher und Aufkleber von Litauen zu erwerben.

Auch diesmal stoppen wir am unbesetzten Grenzübergang, der ebenfalls malerisch in der Gegend liegt und mit seinen schattigen Sträuchern auch Schutz vor der warmen Sonne bietet.
In guter Tradition wird auch dieser Grenzübertritt für die Lieben zu Hause allumfassend dokumentiert, bevor wir uns weiter auf den Weg machen.

Und schon wieder biegen wir von der Direttissima nach Riga ab und fahren nach Osten, parallel zur Grenze, um uns das Schloss Rundäle näher anzuschauen.
Die Idee kam, zusammen mit der Burg Bauska von Renate, und der Besuch ist auf jeden Fall  den kleinen Umweg wert.
Die Schlossanlage von Rundäle ist ein klassisch barockes Sommerschloss mit Parkanlage. Little Schönbrunn sozusagen. Der kleine, aber feine Unterschied?
Elchgeweihe 😉 an der Wand des Hauptgangs.

Das Gelände ist sehr weitläufig, mit Parkanlagen und Cafes und wunderhübsch in Form gebracht. Die ganze Anlage zeigt das Bestreben verloren gegangene Werte der Vergangenheit wieder herzustellen und die wechselhafte Historie des Baltikums in die eigene Geschichte einzuarbeiten.

Während unserer Tour durch das Gelände dehnt sich im Norden eine große schwarze Wolke am Himmel zusammen. Wir kennen das Zeichen mittlerweile nur zu gut, das bedeutet Regengewand anziehen, oder so schnell als möglich einen Ausweichkurs fahren.

Wir entscheiden uns für das zweite und starten los in Richtung Bauska, um dort kurz innezuhalten und einen Blick auf die teilweise restaurierte Burg von Bauska zu werfen, bevor wir uns, zum letzten Mal für heute, auf unsere Motorräder schwingen, um in Richtung Riga einzuschwenken.

Diesmal lässt uns auch das Navi auf den letzten Kilometer nicht im Stich und so kommen wir am direkten Weg in unser Hotel Mercure Riga Centre, nahe dem Bahnhof und der Altstadt.

Ein Blick auf das Hotel und unsere Buchung lässt uns Zweifeln?

130,- € für drei Personen und 2 Nächte, inkl. Frühstück in diesem Luxuskasten?  Wahrscheinlich die Besenkammer am Dachboden und Matratzen am Boden?

Hmm, das erinnert mich an meine Hochzeitsnacht in Bergen, wo wir, klatschnass, auf Grund einer Fehlbuchung, gerade noch in eben solchem untergekommen sind?
Ok, Gedanke erst einmal verscheuchen, wir werden ja sehen.
Und was wir sehen ist ein riesiger Raum mit Blick auf den Platz vor uns, riesige Betten, ein Monster Bildschirm. Und, ein enorm großes Badezimmer, das wir gleich nach dem Duschen in eine  Waschküche verwandeln, mit kreuz und quer gespannten Wäscheleinen. Auf jeden Fall: So nobel schaut es danach nicht mehr aus. 😉

Danach ist kurz ein wenig Ruhe angesagt. Su näht ihre neuen Aufnäher auf die Kutte, Renate checked das Beistellbett und ich schreibe diese Zeilen.

Als die Haare wieder trocken sind brechen wir auf in die Altstadt. Da es sowieso erst um beinahe 24:00 dunkel wird, und wir morgen keinen Fahrtag haben – ja, wir haben unseren Jokertag noch vollständig und werden ihn daher für eine ausgiebige Riga Tour nutzen –  kann es diesmal ruhig ein wenig länger dauern…..  ha, ha, ha… .so als ob…  (aber das wollen wir ja gar nicht wissen).

Am Weg zur Altsatdt kommen wir am Hauptbahnhof (inkl. riesigem Einkaufscenter), dem Kanal (alter Stadtgraben) und der Nationaloper vorbei. Und machen Fotos einer historischen Straßenbahngarnitur die ihre Kreise zieht, bevor wir in die engen Gassen der Altstadt vordringen.

Es ist enorm viel los, alle Lokale sind bombenvoll. Wir beschließen, auf Grund der geilen Live Musik vor dem Lokal, das Steiku Haoss aufzusuchen.

Und der Name ist Programm und deshalb wird auch entsprechend zugeschlagen.

Ich fühle mich fast wie Svenja und habe natürlich ein…. Entrecote gewählt!

        

Es dauert eine Weile, das Lokal ist ebenfalls voll, aber unser Platz lässt uns die Musik gut hören

und wir sehen die Musiker die ganze Zeit in Aktion, daher kann keine Langeweile aufkommen. Erstaunlich viel Personal ist unterwegs. Diese Personalkosten könnte in Österreich niemand bezahlen, es scheint, Personal kostet, im Vergleich zu den gut situierten europäischen Preisen auf der Speisekarte, nichts.

Nach einer – längeren – Weile kommen die Steaks (upps Entrecote) und schmecken köstlich!
Die Stimmung ist gut, aber irgendwann (es wird jetzt richtig dunkel) zahlen wir bzw. lädt uns Renate aufs Essen ein, und brechen auf zurück ins Hotel.

Am Weg zurück überfallen wir noch kurz ein Souveniergeschäft damit wir auch Lettische Aufkleber und Aufnäher für die Sammlung haben, uns schauen auch noch eine Weile den Ruderbooten im Kanal zu, wie sie mit Laternen leise über das Wasser gleiten.

Ein wirklich stimmungsvoller Ausklang eines wunderbaren Tages.  (Und, kein einziger Regen!)

Unser erster Eindruck von Lettland ist  besser, als der erste Eindruck, den wir in Litauen hatten.  Sollte es auch hier ein Nord-Süd gefälle geben? In diesem Fall sind wir auf Estland nochmals mehr gespannt.

Die Gegend ist herrlich (wenn auch furchtbar flach), die Straßen mehrheitlich gut. Und der kulturelle Aufbruch im Land ist überall zu spüren. Und Riga?

Dazu erfahren wir demnächst mehr. Jokertag!!  🙂